
Russland verhängt erste Haftstrafen unter LGBT-Extremistenverbot: Orenburger Clubbesitzer zu 7 Jahren verurteilt
Ein Gericht in Orenburg verurteilte drei Mitarbeiter des Pose-Nachtclubs zu zwischen zwei und sieben Jahren Haft wegen der Organisation und Teilnahme an den Aktivitäten einer von Russland als extremistisch eingestuften LGBT-Bewegung – die erste bekannte Verurteilung unter dem Verbot von 2023.
Urteile gefällt
Das Gericht in Orenburg, nahe der kasachischen Grenze, befand alle drei Angeklagten der Führung einer extremistischen Organisation für schuldig. Vyacheslav Khasanov, 37, Besitzer des Clubs, erhielt eine siebenjährige Haftstrafe und eine Geldstrafe von 1 Million Rubel (12.755 $). Managerin Diana Kamilyanova, 30, wurde zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt, während der künstlerische Leiter Alexander Klimov, 23, zwei Jahre und drei Monate erhielt. Alle drei hatten die Vorwürfe bestritten.
Unter dem Deckmantel des Betriebs eines Nachtclubs organisierten sie Veranstaltungen, die sich darauf konzentrierten, die Zugehörigkeit zu Menschen mit nicht-traditioneller sexueller Orientierung zu demonstrieren.
Die Clubrazzia und die Anklagen
Der Pose-Nachtclub war seit 2021 in Betrieb und veranstaltete Drag-Partys, bewarb sich später jedoch als „Parodie-Bar-Theater“, als die Beschränkungen verschärft wurden. Im März 2024 durchsuchten vermummte Sicherheitskräfte das Lokal; Aufnahmen zeigten Gäste mit erhobenen Händen. Khasanov, Kamilyanova und Klimov wurden festgenommen und auf eine Liste von Terroristen und Extremisten gesetzt, auf der sie bis zur Untersuchungshaft blieben.
Eine sich ausweitende Repression
Der Oberste Gerichtshof Russlands erklärte die „internationale LGBT-Bewegung“ im November 2023 zu einer extremistischen Organisation – ein Schritt, den die staatliche Propaganda als westliches Instrument gegen konservative Werte darstellt. Die Liste der verbotenen Gruppen wurde im März 2024 aktualisiert, und die Behörden belegen nun regelmäßig Musikplattformen und Buchverlage mit Geldstrafen für LGBT-Inhalte. Unter Präsident Vladimir Putin werden LGBT-Rechte seit einem 2013 erlassenen Verbot von „LGBT-Propaganda“ als Bedrohung der traditionellen russischen Identität dargestellt.
Reaktionen und Präzedenzfall
LGBT-Rechtsanwälte bezeichnen den Fall Orenburg als Präzedenzfall, der die verbleibenden sicheren Zufluchtsorte für queere Menschen in Russland zerstören wird.
Pose war nicht einmal ein besonders bekannter oder auffälliger Club. Ich vermute, die Behörden wollten ein Signal senden: Was ihnen passiert ist, droht auch euch.
Der Aktivist und Partyveranstalter floh nach Berlin. Kritiker sehen das Extremismus-Label als Farce, die schärfere Repression rechtfertigen soll.
- Der Pose-Nachtclub wird in Orenburg eröffnet, veranstaltet Drag-Partys und benennt sich später in ein 'Parodie-Bar-Theater' um.
- Russlands Oberster Gerichtshof stuft die 'internationale LGBT-Bewegung' als extremistische Organisation ein.
- Polizei und Nationalgarde durchsuchen den Pose-Club; Khasanov, Kamilyanova und Klimov werden festgenommen und später in die Extremistenliste aufgenommen.
- Rosfinmonitoring setzt die 'LGBT-Bewegung' auf das Register terroristischer und extremistischer Organisationen.
- Gericht in Orenburg verurteilt die drei Angeklagten in der ersten derartigen Strafverfolgung zu Haftstrafen von bis zu 7 Jahren.


