
Rumänischer Film „Nu e locul tău aici“ gewinnt Goldenen Leoparden beim 79. Filmfestival von Locarno und erhält vier Auszeichnungen
Der rumänische Regisseur Florin Șerban gewann mit „Nu e locul tău aici“ den Goldenen Leoparden beim 79. Filmfestival von Locarno – der erste rumänische Film, der den Hauptpreis errang, insgesamt vier Auszeichnungen.
Vier Preise für einen ersten rumänischen Gewinner
Florin Șerbans „Nu e locul tău aici“ („You Don't Belong Here“) wurde am 15. August 2026 zum großen Gewinner des 79. Internationalen Filmfestivals von Locarno gekürt und gewann den Goldenen Leoparden (Pardo d'Oro) für den besten Film im internationalen Wettbewerb. Es ist der erste rumänische Film, der den Hauptpreis des Festivals gewinnt. Die Produktion erhielt insgesamt vier Auszeichnungen: den Goldenen Leoparden, das Europa-Cinemas-Label, den Junior-Jury-Preis und eine besondere Erwähnung für den Debütanten Teodor Butănescu. Die Preisverleihung begann um 14:30 Uhr Ortszeit und wurde live im Internet übertragen. Der Goldene Leopard ist mit einem Preisgeld von 75.000 Schweizer Franken (79.700 Euro) dotiert, das zwischen Regisseur und Produzent aufgeteilt wird.
Der Film wurde aus 17 Titeln des offiziellen Wettbewerbs ausgewählt, zu dem Werke von Regisseuren wie Hong Sangsoo, Denis Côté und Ann Oren gehörten. Die internationale Jury stand unter dem Vorsitz des belgischen Filmemachers Fabrice du Welz, der die Konstruktion des Films und seine aktive Einbeziehung des Zuschauers lobte. Du Welz verglich das thematische Universum des Films mit den Romanen von Georges Simenon und bezeichnete ihn als eine Geschichte über den Zusammenbruch der Moral.
- Florin Șerbans Debütfilm „Eu când vreau să fluier, fluier“ gewinnt den Silbernen Bären (Großer Preis der Jury) auf der Berlinale
- Șerban beginnt mit der Entwicklung von „Nu e locul tău aici“ und gründet während einer achtjährigen Pause vom Spielfilm eine Filmschule
- Preisverleihung beim 79. Filmfestival von Locarno; „Nu e locul tău aici“ gewinnt den Goldenen Leoparden plus drei weitere Preise
- Film wird beim Filmfestival Sarajevo gezeigt (12:30 und 21:30 Uhr im Nationaltheater)
- Zusätzliche Vorstellung in Sarajevo um 18:00 Uhr, Cineplexx Sarajevo 8
Ein Vater konfrontiert das verborgene Leben seines Sohnes
Der Film, der über zweieinhalb Stunden läuft, folgt Marius (Adrian Văncică), einem angesehenen Chefarzt in einer kleinen Provinzstadt und alleinerziehendem Vater, der seinen jugendlichen Sohn Ioan (Teodor Butănescu) nach dem Tod seiner Frau großzieht. Marius’ Welt bricht zusammen, als die Polizei ihm mitteilt, dass sein Sohn des Mordes verdächtigt wird. Der Vater entdeckt nach und nach, dass Ioan zu einer Gruppe junger Rassisten gehört, die nachts mit dem Fahrrad durch die Stadt streifen und illegal geparkte Autos beschädigen. Die Geschichte geht über einen Generationenkonflikt hinaus und untersucht eine besondere Form der Vaterschaft, die fragt, wie jemand, der einst die Welt verändern wollte, ein Elternteil sein kann.
Șerban beschrieb den Film als „vor allem ein Porträt einer Sichtweise auf die Welt, die verschwinden könnte. Oder vielleicht verschwinden sollte.“ Văncică, in Rumänien weithin bekannt für die Comedy-Figur Celentano in der Fernsehserie „Las Fierbinți“, übernimmt eine dramatische Rolle. Zum Cast gehören außerdem 19 junge Debütanten, die an der von Șerban gegründeten Filmschule ausgebildet wurden, sowie Alex Conovaru, Cristina Richter, Janir Izdrăilă und Cosmin Dominte. Produziert wurde der Film von Fantascope mit der ausführenden Produzentin Minodora Șerban und finanziert mit Unterstützung des CNC.
Rückkehr nach acht Jahren
Für den 51-jährigen Șerban markiert der Goldene Leopard die Rückkehr zum Spielfilm nach einer achtjährigen Pause, in der er eine Theaterschule gründete. Sein Debütfilm „Eu când vreau să fluier, fluier“ (2010) gewann den Silbernen Bären (Großer Preis der Jury) und den Alfred-Bauer-Preis für Innovation auf der Berlinale. „Nu e locul tău aici“ ist sein fünfter Film.
Es ist wunderbar, was mit diesem Film passiert, seit Beginn des Projekts vor acht Jahren. Der Goldene Leopard ist für mich persönlich ein sehr wichtiger Preis, es ist der Preis für das reine Kino. Und für den Film... zusammen mit den anderen Preisen von hier bin ich sicher, dass er ihm die verdiente Aufmerksamkeit verschaffen wird.
Für das Drehbuch und die Einzigartigkeit der Vision, die Konstruktion aller Charaktere und die filmische Sprache sind wir stolz, dem Film „Nu e locul tău aici“ unter der Regie von Florin Șerban den Goldenen Leoparden für den besten Film zu verleihen.
Weitere Locarno-Gewinner und Reaktionen
Der südkoreanische Regisseur Hong Sangsoo gewann den Preis für die beste Regie für seinen 35. Film „Nowhere to Lay My Eyes“. Kim Minhee teilte sich den Preis für die beste darstellerische Leistung mit Monica Bellucci, die für ihre Nebenrolle in „Ketticè“ unter der Regie von Giovanni Tortorici ausgezeichnet wurde. Der Spezialpreis der Jury ging an die brasilianischen Regisseure Matheus Farias und Enock Carvalho für „The Riverbank“. Der kanadische Schauspieler Xavier Bergeron erhielt eine besondere Erwähnung für „Nobody's Violence“ von Denis Côté. Nicht alle Reaktionen waren positiv: Der Variety-Kritiker Jay Weissberg schrieb, der rumänische Film beginne vielversprechend, ende aber mit einem erstaunlich uninspirierten Epilog.
Der Film wurde außerdem für den Wettbewerb des Filmfestivals Sarajevo 2026 ausgewählt, mit Vorführungen am 20. August um 12:30 und 21:30 Uhr im Nationaltheater und am 21. August um 18:00 Uhr im Cineplexx Sarajevo 8. Frühere rumänische Erfolge in Locarno umfassen Călin Peter Netzers „Maria“, das 2003 den Spezialpreis der Jury erhielt.


