
Klimaaktivisten stören den sommerlichen Medientermin von Bundesrat Albert Rösti in Luzern
Der jährliche Medienrundgang von Bundesrat Albert Rösti wurde zu einem Protestmarsch, als Klimaaktivisten ihn zu Hitzewelle und Emissionspolitik konfrontierten.
Protest stört Sommertradition
Der dritte sommerliche Ausflug von Bundesrat Albert Rösti mit den Parlamentskorrespondenten stieß am Mittwoch auf lauten Widerstand. Als Rösti seinen Spaziergang vom Luzerner Bahnhof zum Verkehrshaus begann, umzingelten rund ein Dutzend Aktivisten des Drop-Kollektivs die Gruppe, pfiffen, warfen Konfetti und skandierten Parolen. «Rösti, Rösti, wir lassen uns nicht braten», riefen sie und warfen dem Umweltminister eine unzureichende Klimapolitik vor. Der Protest dauerte während des gesamten halbstündigen Spaziergangs entlang der Seepromenade an, die Polizei eskortierte die Gruppe.
Das gehört zu unserer Demokratie. Jeder darf seine Meinung äußern.
Rösti hatte eigentlich die Arbeit seines Departements an umweltfreundlichem Schienenverkehr präsentieren wollen, darunter den lang erwarteten Durchgangsbahnhof für Luzern, der nun Teil des Projekts «Transport 45» ist. Stattdessen wurde die Veranstaltung zu einer Geduldsprobe, während die Aktivisten seine Politik als Menschenrechtsverletzung anprangerten.
- Rösti trifft am Luzerner Bahnhof ein und beginnt den Spaziergang zum Verkehrshaus.
- Klimaaktivisten unterbrechen mit Pfiffen, Sprechchören und Konfetti; Polizei eskortiert die Gruppe.
- Spaziergang entlang der Luzerner Seepromenade bei anhaltendem Protest.
- Ankunft im Verkehrshaus; geplante Rede wird ins Gebäude verlegt.
- Nachmittägliche Fragerunde; Rösti spricht über Klimaanlagen und Klimapolitik.
Röstis Klimapolitik-Verteidigung
Im Museum angekommen, sprach Rösti die Kritik direkt an. Er räumte die Schwere der aktuellen Hitzewelle ein und sagte, der Klimawandel habe sich «im Moment massiv manifestiert», betonte aber, der Bundesrat sei nicht untätig. Er verwies auf seine Arbeit an einem neuen CO₂-Gesetz, die Umsetzung des Klima- und Innovationsgesetzes und die Teilnahme an internationalen Konferenzen.
Natürlich sind die Folgen des Klimawandels enorm spürbar, gerade jetzt. Aber der Bundesrat tut nicht nichts.
Rösti wiederholte auch ein bekanntes Argument: Die Schweiz verursache etwa ein Promille der globalen CO₂-Emissionen. «Die ganze Welt muss mitmachen», sagte er und fügte hinzu, dass große Emittenten die Bemühungen durch bewaffnete Konflikte untergrüben.
Klimaanlage als Eigenverantwortung
Als der Nachmittag nach einem Gewitter heiß und schwül wurde, fragten Journalisten, wie der Minister mit Temperaturen über 30 Grad zurechtkomme. Rösti gab zu, dass ihm solche Hitze «schwerfällt» und empfahl kühle Berggasthöfe und Seen-Spaziergänge. Zur Klimaanlage zog er eine klare Grenze: Die Installation sei eine Frage der Eigenverantwortung, nicht eine Staatsaufgabe. Er würde sich gegen jede verpflichtende Kühlungsvorschrift wehren, selbst im genossenschaftlichen Wohnungsbau. Rösti selbst hat weder zu Hause noch im Büro eine Klimaanlage; Denkmalschutzvorschriften verhindern den Einbau am Arbeitsplatz, und sein Haus sei gut genug isoliert, um ohne eine kühl zu bleiben.
Das ist eine Frage der Eigenverantwortung. Wenn jemand zu Hause eine installieren möchte, soll er das tun können, und zwar ohne Bürokratie.
Transport 45 und Infrastruktur-Herausforderungen
Der Ausflug diente auch als Bühne für Röstis Flaggschiff-Infrastrukturplan «Transport 45». Das Paket sieht rund 56,5 Milliarden Franken für Straßen-, Schienen- und Agglomerationsprojekte in den nächsten zwei Jahrzehnten vor. Rösti bezeichnete es jedoch als «Streichprojekt»: 68 Bahnprojekte und mehrere Autobahnpläne sollen gestrichen werden, um sich auf den durch das Bevölkerungswachstum bedingten wesentlichen Bedarf zu konzentrieren. Eine zentrale Hürde ist die Finanzierung. Der Bund will die befristete Mehrwertsteuererhöhung für die Schieneninfrastruktur verlängern, aber dieselbe Steuer ist bereits für Pensionen und die Armee vorgesehen. Rösti räumte das Risiko ein: Lehnen die Wähler die Verlängerung ab, würden 8 der geplanten 24 Milliarden Franken für die Schiene wegfallen, was ein grundlegendes Überdenken der Prioritäten erzwingen würde.
Eine Tradition von Ministerausflügen
Schweizer Bundesräte nutzen seit langem die Sommer- und Winterparlamentspause, um Journalisten zu informellen Ausflügen einzuladen. Der frühere Bundesrat Pascal Couchepin soll die Tradition mit jährlichen Spaziergängen auf der St. Petersinsel begründet haben. Simonetta Sommaruga spazierte später entlang der Aare, und Ueli Maurer fuhr mit Medienvertretern in Adelboden Schlitten. Röstis frühere Ausflüge umfassten eine Wanderung in Kandersteg im Jahr 2024 und einen Spaziergang auf dem Moléson im Jahr 2025, bei denen er über das Energiegesetz und die gescheiterte Autobahnausbau-Abstimmung sprach. Der diesjährige Luzern-Besuch sollte die verkehrspolitischen Erfolge hervorheben, darunter einen parlamentarischen Gegenentwurf, der neue Atomkraftwerke ermöglichen könnte und nun vors Volk kommt.


