Kurz gefasst
Csaba Hendes Amtszeit am Verfassungsgericht endete am 19. Juli 2026 automatisch, nachdem die neue 12-Jahres-Grenze für parlamentarische Mandate in Kraft trat; er war 23 Jahre lang Abgeordneter.
Die am Donnerstag, 23. Juli, veröffentlichte Tagesordnung sieht die Wahl eines neuen Richters für Montag vor, mit Vereidigung noch am selben Tag – deutlich innerhalb der 60-tägigen gesetzlichen Frist zur Besetzung einer Vakanz.
AIH bezeichnete die Geschwindigkeit als „erstaunliche Eile“ und argumentierte, dass das 60-Tage-Fenster für breite fachliche und politische Konsultationen gedacht sei, das die 141 Sitze der regierenden Tisza-Partei bedeutungslos mache.
Dieselbe Verfassungsänderung beendet die Amtszeiten von Vorsitzendem Peter Polt und drei weiteren Richtern über 70 am 1. September 2026, dem ersten Tag des zweiten Monats nach Inkrafttreten der Änderung.
AIH wies darauf hin, dass das Verfahren an Vorwürfe gegen Viktor Orbáns frühere Regierung erinnere, die ihre Zweidrittelmehrheit nutzte, um Richter einseitig zu ernennen.
- 19.07.Die 17. Verfassungsänderung tritt in Kraft; Csaba Hendes Amtszeit am Verfassungsgericht endet.
- 23.07.Parlamentstagesordnung veröffentlicht, die die Wahl eines neuen Richters für den 27. Juli vorsieht.
- 27.07.Geplante Abstimmung und Vereidigung des neuen Verfassungsrichters.
- 1.09.Amtszeiten von vier Richtern über 70 (Vorsitzender Peter Polt, Maria Adam-Hazonicsne, Miklos Juhasz, Zoltan Lomniczi) laufen aus.
Das ungarische Parlament steht kurz davor, eine Vakanz am Verfassungsgericht in einem Schnellverfahren zu besetzen, das Amnesty International Ungarn (AIH) als Fortsetzung einseitiger Richterauswahl anprangert. Die Vakanz entstand, nachdem die 17. Verfassungsänderung am Sonntag, dem 19. Juli, in Kraft trat, die die parlamentarische Dienstzeit auf 12 Jahre begrenzt und automatisch das Mandat von Csaba Hende beendete, der 23 Jahre lang Abgeordneter war.
Wie die Vakanz entstand
Die vom regierenden Tisza-Partei mit einer Dreifünftelmehrheit von 141 Sitzen im 199-köpfigen Parlament verabschiedete Änderung begrenzt die kumulierte parlamentarische Amtszeit auf 12 Jahre. Da Hende diesen Schwellenwert überschritt, endete seine Amtszeit am Verfassungsgericht am Tag des Inkrafttretens der Änderung. Nach dem Gesetz über das Verfassungsgericht erlischt das Mandat eines Richters automatisch, wenn die Person die Voraussetzungen für eine Wiederwahl ins Parlament nicht mehr erfüllt. Dieselbe Änderung senkt auch das Rentenalter für Richter: Die Amtszeiten von vier weiteren Richtern über 70 – Vorsitzender Peter Polt, Maria Adam-Hazonicsne, Miklos Juhasz und Zoltan Lomniczi – enden am ersten Tag des zweiten Monats nach Inkrafttreten der Änderung, also am 1. September 2026.
Abstimmung in etwas mehr als einer Woche
Die am Donnerstag, 23. Juli, veröffentlichte Tagesordnung des Parlaments sieht die Wahl eines neuen Richters für den kommenden Montag, 27. Juli, vor, wobei die Vereidigung noch am selben Tag erfolgen soll. Gesetzlich haben die Abgeordneten bis zu 60 Tage Zeit, um eine Vakanz zu besetzen. AIH wies auf das 60-Tage-Fenster als Sicherheit hin, das „breite fachliche und politische Konsultationen ermöglicht, durch die die am besten geeignete Person für ein Gremium ausgewählt werden könnte, das für den Schutz der Rechtsstaatlichkeit und der Demokratie verantwortlich ist“. Der derzeitige Ansatz, so die Organisation, mache selbst die minimalen gesetzlich vorgesehenen Konsultationen bedeutungslos.
„Selbst die minimalen Konsultationen, die in den derzeitigen Vorschriften vorgesehen sind, verlieren ihren Sinn; in der Praxis wird das Verfahren zur Wahl eines Verfassungsrichters wie bisher ablaufen – einseitig, ohne fachliche oder politische Konsultationen.“
Reaktion von Amnesty International
AIH verurteilte die „erstaunliche Eile“, mit der die Abgeordneten einen Richter wählen und noch am selben Tag vereidigen wollen. Sie betonte, dass die Zweidrittelmehrheit der Regierungspartei bedeute, dass jede Person ohne Kompromiss oder Konsultation gewählt werden könne – eine Dynamik, die an die zuvor Viktor Orbáns Regierung zugeschriebene einseitige Parteikontrolle bei Richterernennungen erinnere.
„Mit einer Zweidrittelmehrheit kann jede beliebige Person in das Gericht gewählt werden, ohne dass ein Kompromiss oder Konsultationen erforderlich sind.“
Was als Nächstes kommt
Die Abstimmung am Montag wird den von Hende hinterlassenen Sitz besetzen, der für eine neunjährige Amtszeit mit einer Zweidrittelmehrheit der Abgeordneten auf Vorschlag des Rechts- und Verfassungsausschusses gewählt wird. Da die Tisza-Partei 141 Stimmen kontrolliert, ist das Ergebnis ohne Beteiligung der Opposition praktisch sicher. In der Zwischenzeit werden die vier älteren Richter am 1. September aus dem Amt scheiden, was später im Jahr eine weitere Welle von Ernennungen auslöst.