
Marlen Reusser verteidigt WM-Titel im Einzelzeitfahren in Montreal, Franziska Koch holt Bronze
Die Schweizer Radsportlerin Marlen Reusser gewann am 35. Geburtstag das Einzelzeitfahren der Elite-Frauen in Montreal und schlug Zoe Bäckstedt über die 39,2 Kilometer lange Strecke mit 40,11 Sekunden Vorsprung.
Reusser verteidigt WM-Krone im Einzelzeitfahren
Marlen Reusser sicherte sich am Sonntag in Montreal ihren zweiten Weltmeistertitel in Folge im Einzelzeitfahren der Frauen. Die 35-jährige Schweizerin aus Bern, die als Titelverteidigerin nach ihrem Sieg 2025 in Kigali (Ruanda) an den Start ging, bewältigte die 39,2 Kilometer lange Strecke entlang des Sankt-Lorenz-Stroms. Als letzte Starterin auf der Startliste unterwegs, fuhr Reusser in 50:24,44 Minuten die Siegerzeit. Sie verwies die Britin Zoe Bäckstedt mit 40,11 Sekunden Vorsprung auf den Silberrang. Der Sieg gelang Reusser an ihrem 35. Geburtstag und bestätigte ihre Favoritenrolle vor dem Rennen in Kanada.
Der Rennverlauf auf dem Montrealer Kurs
Reusser startete mit einem kontrollierten Tempo in den ersten Abschnitt der 39,2 Kilometer langen Strecke. Beim ersten Zwischenzeitpunkt lag sie auf Rang fünf, zehn Sekunden hinter der frühen Spitzenreiterin Bäckstedt. Die Olympiazweite von 2021 beschleunigte bis zum zweiten Checkpoint und verkürzte den Rückstand auf 2,78 Sekunden, womit sie auf Platz zwei vorrückte. Rund um den 30-Kilometer-Meter-Markstein übernahm Reusser beim dritten Zwischenzeitpunkt die Führung und baute ihren Vorsprung auf 13 Sekunden gegenüber Bäckstedt aus. Auf den letzten zehn Kilometern gewann Reusser weitere 27 Sekunden auf ihre britische Herausforderin. Unterwegs, 7,5 Kilometer vor dem Ziel, holte Reusser die Niederländerin Demi Vollering ein und überholte sie, die 90 Sekunden vor ihr gestartet war.
- Reusser liegt auf Platz fünf, 10 Sekunden hinter Zoe Bäckstedt
- Reusser schiebt sich auf Platz zwei, 2,78 Sekunden hinter Bäckstedt
- Reusser übernimmt die Führung mit 13 Sekunden Vorsprung nach rund 30 km
- Reusser holt Demi Vollering auf der Strecke ein und überholt sie
- Reusser gewinnt Gold in 50:24,44 Minuten mit 40,11 Sekunden Vorsprung
Bäckstedt und Koch sichern sich die Podestplätze
Die 21-jährige Bäckstedt gewann die Silbermedaille, nachdem sie das Rennen 40,11 Sekunden hinter Reusser beendet hatte. Die deutsche Meisterin Franziska Koch (26) holte sich die Bronzemedaille mit einer Zeit von 45,54 Sekunden Rückstand auf Reusser und lag damit fünf Sekunden hinter Bäckstedt. Mit ihrem dritten Platz holte Koch die erste Medaille für die deutsche Elite-Frauenmannschaft im WM-Einzelzeitfahren seit zwölf Jahren. Die letzte deutsche Medaillengewinnerin in dieser Disziplin war Lisa Brennauer, die 2015 in Richmond (Virginia) Bronze holte, nachdem sie 2014 in Ponferrada (Spanien) Gold gewonnen hatte. Koch schlug mehrere prominente Fahrerinnen, darunter die zweifache Giro-d'Italia-Siegerin Elisa Longo Borghini aus Italien auf Platz vier, die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky aus Belgien auf Platz sechs, die in Rosenheim geborene Antonia Niedermaier auf Platz sieben mit 1:49,54 Minuten Rückstand sowie die Tour-de-France-Siegerin Vollering auf Platz acht. Niedermaier war zuvor vor zwei Jahren in Zürich Vierte geworden.
- Zoe Bäckstedt
- 40.11 s
- Franziska Koch
- 45.54 s
- Antonia Niedermaier
- 109.54 s
Schweizer Aufgebotsänderungen und Geburtstagsgedanken
Reusser war die einzige Schweizer Fahrerin im Einzelzeitfahren, nachdem die 23-jährige Jasmin Liechti kurzfristig zurückgezogen hatte. Die Bernerin gab ihren Rückzug auf Instagram bekannt, ohne Gründe zu nennen, und bestätigte, dass sie später in der Woche im Mixed-Staffelzeitfahren und im Straßenrennen starten wollte. Vor dem Rennen sprach Reusser darüber, ihren 35. Geburtstag fernab von Familie und Freunden bei der Schweizer Cycling-Delegation in Kanada zu verbringen.
Im Leben gibt es natürlich viel wertvollere Dinge. Aber an diesem Tag wäre der WM-Titel sicherlich das schönste Geschenk.
Reusser erklärte, dass Teamkoch Bruno für den Anlass mit der Schweizer Mannschaft etwas vorbereiten würde. Sie sprach auch über die körperlichen Strapazen ihrer Karriere und merkte an, dass harte Trainingseinheiten sie älter fühlen ließen als 35, wegen der Anforderungen des Profiradsports.


