
Deutschland plant 203,7 Milliarden Euro Neuverschuldung für 2027 – zweithöchster Wert der Geschichte
Finanzminister Lars Klingbeils Haushaltsentwurf hebt die gesamte Bundesverschuldung auf über 200 Milliarden Euro, angetrieben durch Verteidigungs- und Infrastrukturausgaben. Das Kabinett soll am Montag zustimmen.
Verschuldungsniveau
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat einen Entwurf des Bundeshaushalts 2027 vorgelegt, der eine Neuverschuldung von insgesamt 203,7 Milliarden Euro vorsieht – rund 8 Milliarden Euro mehr als die im April veranschlagten 196,5 Milliarden Euro. Allein der Kernhaushalt plant eine Nettokreditaufnahme von 118,7 Milliarden Euro und Ausgaben von 555,4 Milliarden Euro. Die restliche Verschuldung entfällt auf zwei Sondervermögen: 54,9 Milliarden Euro für Infrastruktur und Klimaneutralität sowie 30 Milliarden Euro für die Bundeswehr. Zum Vergleich: 2024 lag die Gesamtverschuldung unter der Vorgängerregierung bei 50,5 Milliarden Euro, bevor Berlin seinen jahrzehntelangen haushaltspolitischen Konservatismus aufgab.
- Kernhaushalt
- 118.7 Mrd. €
- Infrastruktur- und Klimafonds
- 54.9 Mrd. €
- Bundeswehr-Sondervermögen
- 30 Mrd. €
Der Entwurf zeigt, dass die Neuverschuldung bis 2030 jedes Jahr über 200 Milliarden Euro bleiben und bis zum Ende des Jahrzehnts fast 220 Milliarden Euro erreichen wird. Das Kabinett soll den Haushalt und den mittelfristigen Finanzplan am Montag, dem 6. Juli, verabschieden. Die parlamentarischen Beratungen sollen im November abgeschlossen sein.
Verteidigungs- und Infrastrukturausgaben
Die Verteidigungsausgaben steigen 2027 auf rund 109,7 Milliarden Euro – eine Summe, die Deutschland auf Kurs bringt, die NATO-Ausgaben bis 2029 auf 3,5 % des BIP zu steigern. Der Verteidigungshaushalt 2027 enthält 11,6 Milliarden Euro, die für die Ukraine vorgesehen sind. Die gesamten Bundesinvestitionen – aus dem Kernhaushalt, dem Infrastruktur-Sondervermögen und dem Klima- und Transformationsfonds – belaufen sich auf 117,5 Milliarden Euro, etwas unter dem Niveau des laufenden Jahres.
Finanzierung der Lücke
Um ein Finanzierungsdefizit zu schließen, das im April bei 21 Milliarden Euro lag, verhängte Klingbeil ein Einsparziel von 1 % über alle Ministerien hinweg, was 4 Milliarden Euro einbrachte. Die Bundeszuschüsse zur Sozialversicherung werden gekürzt, und eine neue Kunststoffabgabe wird eingeführt. Die Regierung wird außerdem 6,8 Milliarden Euro aus der in den Boomjahren vor 2019 aufgebauten Rücklage entnehmen, sodass für die Folgejahre nur noch 3,9 Milliarden Euro zur Verfügung stehen. Dennoch räumt Klingbeils eigener Kabinettsvorlage einen „Handlungsbedarf“ von 22 Milliarden Euro im Jahr 2028, 38 Milliarden Euro im Jahr 2029 und 47 Milliarden Euro im Jahr 2030 ein.
Steuermaßnahmen und Kürzungen
Die Steuern auf Alkohol, einschließlich Schaumwein und Alkopops, steigen um 20 %. Eine Erhöhung der Tabaksteuer ist ebenfalls geplant, und eine Reform der Besteuerung von Kryptowerten wird vorbereitet. Die Ausgaben des Gesundheitsministeriums werden im Vergleich zu 2026 um 34 % sinken. Der Klima- und Transformationsfonds wird seine Finanzhilfen kürzen, und der zusätzliche Bundeszuschuss zur gesetzlichen Rentenversicherung wird um 1 Milliarde Euro reduziert.
Arbeitsmarkt und Reaktionen
Die Bundesagentur für Arbeit kann ihren Haushalt 2027 nur mit einem Überbrückungskredit von 5,2 Milliarden Euro vom Bund ausgleichen. Der Entwurf weist darauf hin, dass die Beschäftigung im Jahr 2026 aufgrund der anhaltenden Wirtschaftsschwäche um 100.000 Personen sinken wird.
Es stellt sich die Frage, ob Klingbeil den Haushalt noch im Griff hat. Die Ministerien sollen vage Effizienzgewinne liefern, die Rücklage wird entgegen aller Versprechen geplündert, Investitionen werden künstlich aufgebläht.
Die Zinsausgaben werden für 2027 auf 41,9 Milliarden Euro prognostiziert und werden mit wachsendem Schuldenberg weiter steigen.


