
Starker Regen zwingt Festival „Jamel rockt den Förster“ zur Absage des Eröffnungstages in Mecklenburg
Anhaltende Regenfälle überschwemmten das Festivalgelände im Nordwesten Mecklenburgs, legten den Bühnenbetrieb lahm und zwangen zur Einrichtung von Notunterkünften in Kirchen für ankommende Besucher.
Starker Regen legt Eröffnungstag lahm
Anhaltende Starkregenfälle zwangen die Organisatoren, alle für Freitag, den 4. September 2026, geplanten Konzerte des antiextremistischen Musikfestivals „Jamel rockt den Förster“ im Nordwesten Mecklenburgs abzusagen. Sechs Stunden ununterbrochener Regen verwandelten das Gelände in tiefen Schlamm, sodass Zufahrtsstraßen, Parkplätze und Campingplätze für Fahrzeuge völlig unpassierbar wurden. Die starke Aufweichung des Bodens verhinderte zudem, dass Bühnencrews schwere Verstärker und Bühnentechnik sicher transportieren und aufbauen konnten. Die Polizei sperrte bereits am Nachmittag die Zufahrt nach Jamel an der Kreuzung mit der Bundesstraße ab. Sprecher Markus Amseln erläuterte das Ausmaß der Wetterstörung.
Es hat sechs Stunden geregnet.
Notunterkünfte und Reparaturarbeiten
Die Absage strandete Hunderte ankommender Besucher, woraufhin die Organisatoren im gesamten Umland Notunterkünfte organisierten. Viele Ticketinhaber wurden angewiesen, auf abgelegenen Parkplätzen zu warten, bevor sie umkehrten oder eine Unterkunft in der Region suchten. Der örtliche Pfarrer öffnete Kirchengebäude in Proseken und Hohenkirchen, um Festivalbesuchern, die auf dem durchnässten Campingplatz keine Zelte aufstellen konnten, eine Übernachtungsmöglichkeit zu bieten. Arbeitskolonnen verbrachten den Freitagabend damit, Rindenmulch und Stahlplatten auf dem Bühnenvorfeld auszubringen, um den gesättigten Boden zu stabilisieren. Die Organisatoren kommunizierten Updates über soziale Medien, während sie das Gelände für Samstag vorbereiteten.
Wir tun unser Möglichstes, um das Gelände bis morgen wieder bereit zu machen.
- Birgit und Horst Lohmeyer starten das Festival, um der Neonazi-Präsenz in Jamel entgegenzuwirken
- Ein Brandanschlag zerstört die Scheune der Lohmeyers auf ihrem Anwesen in Jamel
- Angreifer feuern in der Silvesternacht Pyrotechnik auf das Wohnhaus der Lohmeyers ab
- Organisatoren legen einen Dorfwiesenstreit mit der Gemeinde durch Zahlung von 5.000 Euro bei
- Sechs Stunden sintflutartiger Regen überschwemmen das Gelände und erzwingen die Absage der Freitagskonzerte
Ursprünge im antiextremistischen Widerstand
Birgit und Horst Lohmeyer gründeten das Festival 2007, um der rechtsextremen Radikalisierung in Jamel entgegenzuwirken – einem Ortsteil von Gägelow bei Wismar. Seit den 1990er Jahren waren Neonazis systematisch in das Dorf gezogen, mit dem Ziel, eine rechtsextreme Modellgemeinde zu schaffen. Das Ehepaar sah sich wegen der Organisation des Festivals wiederholt Einschüchterungen und Angriffen ausgesetzt. Ein Brandanschlag zerstörte 2015 ihre Scheune, und Angreifer feuerten in der Silvesternacht 2024/2025 Pyrotechnik auf ihr Anwesen ab. Trotz wiederholter Anfeindungen zieht das jährliche Rockfestival regelmäßig Tausende Besucher an. Das Line-up bleibt bis zum Auftritt der Künstler geheim; in der Vergangenheit traten unter anderem Herbert Grönemeyer, Die Ärzte, Campino, Fettes Brot und Deichkind auf. Die Brassband Meute gehörte zu den für Freitag geplanten Acts, die von der Absage betroffen waren.
Politischer Hintergrund und reduzierte Kapazität
Das Festival 2026 führte mehrere organisatorische Anpassungen ein und bot 1.000 Tickets weniger an als in den Vorjahren, um die tägliche Besucherzahl auf 2.500 Personen zu begrenzen. Vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 20. September 2026 erweiterten die Organisatoren das Angebot an Workshops, Podiumsdiskussionen und Informationsständen politischer Parteien. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig war Schirmherrin der Veranstaltung und plante einen Besuch, wobei die Organisatoren betonten, dass das Festival strikte Parteineutralität wahre. Der Mitveranstalter ver.di meldete die Zusammenkunft formell als öffentliche Versammlung an und setzte strenge lokale Auflagen durch, darunter ein Glasflaschenverbot. Die Vorbereitungen folgten einer Einigung im Juli, bei der die Organisatoren einen Dorfwiesenstreit beilegten, indem sie rund 5.000 Euro Pachtgebühren an die Gemeinde zahlten.


