Proteste in München nach Polizeischuss auf 14-Jährigen mit Softair-Pistole
Rund 100 Demonstranten zogen am Samstag in München gegen Polizeigewalt, nachdem ein Beamter einen 14-Jährigen, der eine Softair-Pistole hielt, angeschossen und schwer verletzt hatte.
Demonstration gegen Polizeiverhalten in München
Rund 100 Menschen versammelten sich am Samstagabend, dem 22. August 2026, in München, um gegen das Vorgehen der Polizei nach der Schießerei auf einen 14-jährigen Schüler Anfang der Woche zu protestieren. Der Protest begann mit einer Auftaktkundgebung am Hohenzollernplatz im Stadtteil Schwabing, wo Demonstranten Transparente zeigten und Parolen skandierten, die ein Ende der von ihnen als rassistisch bezeichneten Polizeigewalt forderten. Die Teilnehmer zogen dann durch die Straßen der Stadt in Richtung Belgradstraße und beendeten die Demonstration direkt am Ort der Schießerei. Ein Kontingent von etwa 50 Polizeibeamten begleitete den Protestmarsch entlang der vorgesehenen Route. Abgesehen von einer vereinzelten Zündung von Pyrotechnik kurz vor Beginn verlief die Versammlung friedlich und endete nach zwei Stunden, wobei ein Polizeisprecher erklärte, dass die Veranstaltung ohne weitere Vorfälle stattfand.
Widersprüchliche Darstellungen der Schießerei in Schwabing
Die Demonstration wurde durch einen Vorfall am Abend des Dienstags, 18. August 2026, ausgelöst, bei dem ein Polizeibeamter den 14-jährigen Jungen in Schwabing anschoss und schwer verletzte. Der Jugendliche, ein Schüler aus dem Landkreis Miesbach mit türkischer Staatsangehörigkeit, hielt sich auf einer offenen Straße mit einem etwa gleichaltrigen Mädchen auf und hantierte mit einer Softair-Pistole. Die Nachbildung ähnelte stark einer 9-Millimeter-Beretta-92-Schusswaffe, was einen Passanten dazu veranlasste, den Notruf zu wählen. Die genauen Abläufe nach dem Eintreffen der Polizei am Ort werden unterschiedlich geschildert. Nach Angaben der Münchner Polizei zog der Jugendliche die Softair-Waffe, führte eine Bewegung aus, die dem Durchladen einer Schusswaffe ähnelte, und drehte sich mit erhobener Waffe zu den Beamten um. Die Mutter des Jungen stellte eine gegenteilige Darstellung dar und erklärte, ihr Sohn habe den Gegenstand in einem Geschäft mit seinem Taschengeld gekauft und zuvor mit Wasserpistolen gespielt. Sie berichtete, ihr Sohn habe ihr erzählt, er habe beim Anblick der Beamten die Hände gehoben und gerufen: "Es ist ein Spielzeug, bitte schießen Sie nicht."
- Polizei schießt auf einen 14-Jährigen mit einer Softair-Waffe im Münchner Stadtteil Schwabing und verletzt ihn schwer
- Polizeieinsatz in Würzburg, nachdem zwei Männer realistische Spielzeugpistolen in der Öffentlichkeit tragen
- Rund 100 Demonstranten ziehen vom Hohenzollernplatz zur Belgradstraße in München, um gegen Polizeigewalt zu protestieren
Forderungen nach transparenter Untersuchung und Diskriminierungsbedenken
Während der Kundgebung am Hohenzollernplatz kritisierten Redner das operative Vorgehen der beteiligten Beamten scharf und forderten eine transparente Untersuchung des Waffeneinsatzes. Die Teilnehmer skandierten im Chor und trugen Transparente, die einen sofortigen Stopp dessen forderten, was sie als rassistische Polizeigewalt bezeichneten. Redner fragten auch, ob der Polizeibeamte geschossen hätte, wenn der Jugendliche Deutscher statt Kurde gewesen wäre. Der Schüler befindet sich nach der Schussverletzung, die er bei der Konfrontation an der Belgradstraße erlitt, weiterhin in einem kritischen Zustand. Polizeibeamte stellten fest, dass der Samstagabend-Protest während seiner gesamten Dauer friedlich verlief, während die offiziellen Ermittlungen zu dem Schießvorfall andauern.
Parallelvorfall mit Spielzeugwaffe in Würzburg
Die Schießerei in München ereignete sich vor dem Hintergrund allgemeiner Probleme mit Nachbildungen von Schusswaffen in ganz Deutschland, wo Polizeikräfte häufig auf Personen reagieren, die mit täuschend echt aussehenden Spielzeugwaffen hantieren. Am Donnerstag, dem 20. August 2026, kam es in Würzburg zu einem weiteren Polizeieinsatz, nachdem zwei Männer mit realistisch aussehenden Spielzeugpistolen in der Öffentlichkeit hantierten. Das Erscheinungsbild der Waffen erschreckte Passanten, Anwohner und lokale Geschäftsinhaber, was zu mehreren Notrufen führte. Eine große Anzahl von Polizeibeamten wurde zum Ort entsandt, sicherte die Umgebung und stellte fest, dass die Gegenstände keine tatsächliche Gefahr darstellten. Die Behörden leiteten daraufhin Strafverfahren gegen die beiden Männer im Alter von 66 und 34 Jahren ein, wegen Störung des öffentlichen Friedens und Führens von Anscheinswaffen.

