- 17.10.61 Festnahmen in Paris und 589 vorbeugende Kontrollen gemeldet
- Am Nachmittag163 Festnahmen in Paris
- NachmittagNach Angaben des Innenministeriums mehr als 270 Festnahmen in ganz Frankreich
Ein landesweiter Protesttag
Am Samstag, 17. Oktober, gingen in ganz Frankreich Menschen für eine nationale Mobilisierung gegen steigende Lebenshaltungskosten, höhere Spritpreise und schwächere öffentliche Dienste auf die Straße. Studierende, Gewerkschaften, Aktivistinnen und Aktivisten sowie Anhänger der Gelbwesten-Bewegung folgten dem Aufruf. Nach Berichten der BBC hatten die Proteste Wochen zuvor an Schulen in den armen nördlichen Vierteln von Paris begonnen, wo sich die Wut über fehlende Lehrkräfte und marode Gebäude zu einer nationalen Bewegung gegen Ungleichheit und schwache öffentliche Investitionen ausweitete. Die Forscherin Magali Della Sudda, die ein Buch über die Gelbwesten geschrieben hat, sagte gegenüber Adnkronos, der Einsatz von Gewalt der Behörden gegen Schülerinnen und Schüler habe bei vielen Menschen das Gefühl hinterlassen, nicht respektiert und verunsichert zu werden. Sie äußerte die Vermutung, die vergangenen Wochen könnten Menschen, die bislang zurückhaltend gewesen seien, dazu bewogen haben, sich dem Zusammenlauf der Märsche anzuschließen.
Paris: ein genehmigter Marsch und Zusammenstöße
Der genehmigte Marsch führte von der Place de la République zur Place de Clichy, und die ersten Demonstrierenden erreichten das Ziel ruhig. Das Innenministerium erklärte, die überwiegende Mehrheit der Menschen demonstriere ohne Zwischenfälle, meldete aber auch Sachbeschädigungen und mehrere hundert linksextreme Militante, die die Konfrontation mit Polizei und Rettungskräften suchten. Der Großteil der feindseligen Menge blieb auf der Place de la République, wo die Einsatzkräfte sie mit Wasserwerfern und Tränengas zurückdrängten. Feuerwehrleute löschten mehrere Fahrzeugbrände, und in der Gegend wurde ein Auto in Brand gesetzt, während Umstehende Beifall klatschten. Berichten zufolge lag die Zahl der Festnahmen in Paris um 11 Uhr bei 61, bei 589 vorbeugenden Kontrollen, und am Nachmittag bei 163. Polizeiquellen sagten gegenüber Bfmtv, in Paris würden zwischen 30.000 und 60.000 Menschen erwartet, landesweit zwischen 90.000 und 170.000.
CNews-Redaktion und andere Städte
Vermummte blockierten nach Angaben von Adnkronos gegen 7 Uhr den Zugang zum Parkplatz vor dem CNews-Gebäude im Westen von Paris. Le Figaro berichtete, Gegenstände seien auf die Fenster geworfen worden und hätten Schäden verursacht; etwa hundert Menschen hätten teilgenommen, nicht die zunächst gemeldeten wenigen Dutzend. Der Sender gehört dem ultrarechten Tycoon Vincent Bolloré, und Le Figaro zufolge wurden mehrere Redaktionen in Diskussionsgruppen der Demonstrierenden als „feindliche Propagandasender“ genannt. In Marseille wurden eine Dienststelle der Stadtpolizei und mehrere Geschäfte angegriffen, Fenster zertrümmert und Rauchbomben hineingeworfen, während ein vorsätzlicher Brandanschlag vereitelt wurde und nach Angaben der Präfektur keine Verletzten gemeldet wurden. Ein Laden des Telekommunikationsanbieters Sfr gehörte dort zu den Zielen. In Lyon wurde nach Angaben der Präfektur eine Gruppe von 40 Personen nahe einer Brücke über die Rhône zerstreut und etwa zehn Personen nahe der Raffinerie Feyzin vertrieben, während AFP und lokale Medien berichteten, Demonstrierende hätten das Tourismusbüro der Stadt in Brand gesetzt. In Rennes blockierten etwa zwanzig Menschen mit Mülltonnen und Paletten eine Straße nahe einem großen Einkaufszentrum, und in Marseille war der Boulevard du Prado kurzzeitig blockiert, bevor CRS-Beamte ihn räumten.
Appelle der Regierung und Warnungen vor Blockaden
Emmanuel Macron rief am 16. Oktober aus Brüssel zur Ruhe auf und sagte, das Recht zu protestieren müsse mit Respekt einhergehen, ohne Beleidigungen oder Schäden. Quellen aus dem Umfeld von Innenminister Laurent Nuñez warnten, Blockaden auf strategischen Straßen oder an wichtigen Infrastrukturen würden nicht toleriert. Die Website 17octobregiletjaune.net listete mehr als 1.750 geplante Aktionen auf, darunter Kundgebungen, Blockaden von Kreisverkehren, Aktionen an Brücken, Tankstellen, Mautstellen, Bahnhöfen, Häfen, Raffinerien und Öldepots. Die bislang verzeichneten Blockaden blieben hinter den am Vorabend der Proteste angekündigten zurück. Das Innenministerium bestätigte nach Angaben der BBC bis zum Nachmittag mehr als 270 Festnahmen in ganz Frankreich. Der BBC-Korrespondent in Paris, Hugh Schofield, sagte, der Hauptmarsch habe friedlich gewirkt, während kleine Gruppen durch die Hauptstadt zogen, von denen einige offensichtlich auf Unruhe aus waren.