
Porsche plant bis zu 4.000 weitere Stellenstreichungen bei sich vertiefender europäischer Auto-Überkapazität
Der Sportwagenhersteller bereitet ein neues Sparpaket vor, das tausende Stellen streichen könnte – zusätzlich zu früheren Kürzungen –, während eine BCG-Analyse ergibt, dass fast jedes dritte europäische Autowerk überflüssig ist.
Porsche plant bis zu 4.000 zusätzliche Stellenstreichungen
Porsche bereitet eine weitere tiefgreifende Sparrunde vor, die bis zu 4.000 Stellen vernichten könnte, wie ein Bericht des Handelsblatts zeigt. Die Streichungen sollen sich auf Management und Verwaltung konzentrieren; rund 30 % der Kapazität am Entwicklungsstandort Weissach werden überprüft. Ein Unternehmenssprecher bestätigte die Zahl nicht, erklärte jedoch, dass ein umfassendes „Zukunftspaket“ mit den Arbeitnehmervertretern verhandelt und bis Ende Juli vorgestellt werde.
Wir prüfen derzeit alle Bereiche, wie wir schlanker und effizienter werden können. Der Fokus liegt zunächst auf den Managementstrukturen.
Die neuen Kürzungen kommen zu einem früheren Plan hinzu. Im März 2025 hatte Porsche unter dem damaligen CEO Oliver Blume 4.000 Stellenstreichungen angekündigt, die bis 2030 ohne betriebsbedingte Kündigungen umgesetzt werden sollten. Dieses Paket ist weitgehend abgeschlossen. Im März 2026 signalisierte der amtierende CEO Michael Leiters weitere Kürzungen. Bis 2029 sollen im Raum Stuttgart rund 1.900 Stellen sozialverträglich abgebaut werden; rund 2.000 befristete Verträge sind bereits ausgelaufen, und drei Tochtergesellschaften wurden im Mai geschlossen, was 500 Mitarbeiter betrifft.
Überkapazitäten in der gesamten europäischen Autoindustrie
Porsches Kürzungen sind Teil einer breiteren Krise. Eine BCG-Analyse ergab, dass fast jedes dritte europäische Autowerk überflüssig ist. Volumenhersteller fahren im Schnitt nur 58 % Auslastung, während Premiumhersteller mit 65 % etwas besser dastehen. BCG erwartet, dass europäische Werke bis weit in die 2030er Jahre unter einer Auslastung von 60 % bleiben werden.
- Volumenhersteller
- 58 %
- Premiumhersteller
- 65 %
Volkswagen erwägt die Schließung von vier deutschen Werken (Hannover, Zwickau, Emden sowie Audis Standort Neckarsulm). Stellantis will die europäische Kapazität um 800.000 Einheiten auf 3,85 Millionen Autos reduzieren – ein Rückgang um 17 %. Mercedes-Benz schrumpft die globale Kapazität von über 2,5 Millionen Fahrzeugen im Jahr 2024 auf 2,2 Millionen bis 2028. BMW produzierte im vergangenen Jahr 2,5 Millionen Fahrzeuge, 8 % weniger als 2023. Branchenexperte Stefan Bratzel erwartet, dass BMW und Mercedes gemeinsam 16.000 Stellen abbauen – ein mittlerer einstelliger Prozentsatz ihrer Belegschaften.
China-Abschwung und die „Value over Volume“-Wende
Porsches Probleme werden durch einen starken Absatzrückgang in China, seinem größten Markt, verschärft. Die Auslieferungen dort fielen 2025 um mehr als 26 %. Das Unternehmen reduziert sein Händlernetz von 116 auf rund 80 Standorte und hat den Ausbau der Schnellladeinfrastruktur bereits zurückgefahren. Porsche verfolgt eine „Value over Volume“-Strategie, die margenstarke Modelle über die Stückzahl stellt.
Volkswagen steht vor der Wahl: sich konsequent neu zu erfinden oder langfristig in einzelne Teile zerlegt zu werden.
Der Übergang zur Elektromobilität hat zudem eine Lücke gerissen: Die Verkäufe von Verbrennermodellen sind eingebrochen und hinterließen eine große Lücke. Porsches Umsatz 2025 betrug 36,27 Milliarden Euro, der operative Gewinn brach jedoch auf nur 413 Millionen Euro ein.
Was als Nächstes kommt
Die Details des neuen Sparpakets werden vor den Sommerwerksferien bei Porsche Ende Juli bekannt gegeben. Die Verhandlungen zwischen Management und Arbeitnehmervertretern laufen. Der Ausgang wird signalisieren, wie tief der Sportwagenhersteller bereit ist, zu schneiden, um angesichts einer strukturellen Abschwungphase im europäischen Automobilbau wieder profitabel zu werden.
- Erste 4.000 Stellenstreichungen unter Oliver Blume angekündigt, bis 2030 abgeschlossen.
- CEO Michael Leiters signalisiert weitere Kürzungen über das ursprüngliche Paket hinaus.
- Drei Tochtergesellschaften geschlossen, 500 Mitarbeiter betroffen.
- Zukunftspaket soll vorgelegt werden; bis zu 4.000 zusätzliche Kürzungen gemeldet.
- 1.900 Stellen im Raum Stuttgart sollen abgebaut werden, 2.000 befristete Verträge ausgelaufen.


