
Vier Jahre nach der Oder-Katastrophe: Fischbestände erholen sich, doch Muscheln leiden weiter
Vier Jahre nach einem der schlimmsten Flusssterben Europas sind die Fische in den deutsch-polnischen Grenzfluss zurückgekehrt, doch die für das Ökosystem essenziellen Süßwassermuscheln haben sich kaum erholt. Dies macht den Fluss weiterhin anfällig für eine erneute giftige Algenblüte.
Die Katastrophe von 2022
Im August 2022 tötete eine Kombination aus hohem Salzgehalt, Niedrigwasser, Hitze und einer Blüte der giftigen Goldalge (Prymnesium parvum) schätzungsweise 1.000 Tonnen Fisch in der Oder, zusammen mit großen Mengen an Muscheln und Wasserschnecken. Es war eines der schwersten Massensterben in einem Fluss in Europa seit Jahrzehnten.
Fische erholen sich schneller als Muscheln
Eine vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) geleitete Sonderuntersuchung, die am Montag in Schwedt vorgestellt wurde, zeigt, dass sich viele Fischarten in den vergangenen zwei Jahren relativ gut erholt haben, da sie über Rückzugsgebiete verfügten, von denen aus sie den Fluss wiederbesiedeln konnten. Große Süßwassermuscheln – die effektivsten natürlichen Filter des Flusses – sind dem Bericht zufolge jedoch weiterhin „massiv beeinträchtigt“. Ihr Fehlen könnte weitere Algenblüten begünstigen.
Die Umweltkatastrophe an der Oder im Sommer 2022 hat gezeigt, wie verwundbar unsere Gewässer und Auen sind. Wir sollten alles daransetzen, dass sich ein solches Ereignis nicht wiederholt – weder hier noch in anderen Flüssen.
Salzbelastung durch polnische Minen hält an
Die Wissenschaftler weisen auf die anhaltenden Salzeinleitungen aus dem polnischen Kohle- und Kupferbergbau als zentrale Ursache für die Vermehrung der Goldalge hin. Solange diese Praxis fortgesetzt werde, warnt der Bericht, bleibe eine weitere Katastrophe möglich. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) erklärte, er sei mit Polen bezüglich der Salzfrachten im Gespräch und Warschau prüfe Maßnahmen zur Reduzierung der Einleitungen.
Langer Weg zur vollständigen Regeneration
Es wird prognostiziert, dass sich die Fischbestände bis 2027 vollständig erholen werden, doch die Fischereierträge werden sich erst normalisieren, wenn größere Fische herangewachsen sind – ein Prozess, der noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird. Die Experten empfehlen eine drastische Reduzierung des Salzgehalts, die Wiederherstellung natürlicher Auen, die Wiederanbindung von Seitenarmen sowie Deichrückverlegungen, um die Widerstandsfähigkeit des Flusses gegenüber klimabedingtem Niedrigwasser und hohen Temperaturen zu stärken.
- Schätzungsweise 1.000 Tonnen Fische, Muscheln und Schnecken sterben nach einer giftigen Goldalgenblüte in der Oder.
- Leibniz-Institut stellt Studie in Schwedt vor: Fischbestände teilweise erholt, aber große Muscheln weiterhin massiv beeinträchtigt.
- Experten prognostizieren eine vollständige Erholung der Fischbestände, wobei die Fischereierträge länger brauchen werden.
Politische Spannungen um den Flussausbau
Ein früherer Streit zwischen Deutschland und Polen über den Bau von Buhnen entlang der Oder flammte in den Äußerungen des Ministers erneut auf. Schneider äußerte starke Vorbehalte gegen einen weiteren Ausbau und betonte, dass Berlin lediglich Instandhaltungs- und Renaturierungsmaßnahmen plane. Die Schaffung von Rückzugsräumen für Wasserlebewesen sei angesichts immer heißerer Sommer und anhaltender Trockenperioden von entscheidender Bedeutung.


