CDU und Grüne in NRW setzen ABC-Klassen und Kita-Reform trotz heftiger Opposition im Landtag durch
Die schwarz-grüne Landesregierung in Düsseldorf will an den letzten Sitzungstagen vor der Sommerpause zwei umstrittene Bildungsgesetze verabschieden und damit den breiten Widerstand von Opposition, Gewerkschaften und Kita-Verbänden überwinden.
Parlamentarischer Showdown
An den letzten Plenartagen vor der Sommerpause bringt die schwarz-grüne Koalition in Nordrhein-Westfalen zwei heftig kritisierte Gesetze zur Abstimmung: die Einführung von ABC-Klassen für Vorschulkinder mit Sprachdefiziten und eine Reform des Kita-Gesetzes. Die SPD-Opposition beantragte für beide Gesetze eine dritte Lesung, ein Verfahrensschritt, der die endgültigen Abstimmungen ans Ende der Sitzung am Donnerstag verschiebt. Der familienpolitische Sprecher der SPD, Dennis Maelzer, nannte die Gesetze „hoch umstritten“ und beklagte, dass die Regierung die Entwürfe trotz massiver Expertenkritik nicht angemessen überarbeitet habe.
Beide Gesetze sind hoch umstritten. Leider ist es der Landesregierung nicht gelungen, die Entwürfe trotz massiver Kritik aus der Fachwelt angemessen zu verbessern. Es darf nicht sein, dass sie einfach spätabends durchgewunken werden.
Der Zeitplan stellt sicher, dass die entscheidenden Abstimmungen als letzte Tagesordnungspunkte am Donnerstagabend stattfinden – ein Zeitfenster, das nach Ansicht von Kritikern die öffentliche Kontrolle einer Reform, die Zehntausende Familien betrifft, einschränkt.
ABC-Klassen: ein neues Modell der Sprachförderung
Ab dem Schuljahr 2028/29 wird Nordrhein-Westfalen ABC-Klassen für Kinder einrichten, die vor dem Eintritt in die Grundschule erhebliche Sprachdefizite aufweisen. Rund ein Drittel aller Kinder im Land zeigen derzeit bei der Schuleingangsuntersuchung unzureichende Sprachkenntnisse. Schulministerin Dorothee Feller (CDU) schätzt, dass jährlich etwa 50.000 Kinder die Zusatzstunden besuchen werden. Die Klassen sind für zwei Einheiten von jeweils zwei Stunden pro Woche über ein ganzes Jahr für jedes Kind vorgesehen, das ab dem 1. August 2029 eingeschult wird.
Um Kinder früher zu identifizieren, wird das Anmeldeverfahren für die Schule vom Herbst auf das Frühjahr vorgezogen. Im Frühjahr 2028 werden erstmals alle Kinder in NRW einer einheitlichen standardisierten Sprachtests unterzogen. Das Programm erfordert nach Planungen des Landes rund 1.650 zusätzliche Lehrkräfte.
- Landtag beginnt Debatte über ABC-Klassen und Kita-Reform
- Endgültige Abstimmungen als letzte Tagesordnungspunkte am Donnerstagabend geplant
- Landesweite standardisierte Sprachtests für alle Vorschulkinder
- Erste ABC-Klassen starten für Kinder mit Sprachdefiziten
- Erster Jahrgang der ABC-Klassen-Kinder tritt in die Grundschule ein
Organisierte Kritik von Gewerkschaften und Verbänden
Der Deutsche Kita-Verband NRW richtete einen offenen Brief an Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) mit dem Argument, dass die Verlagerung der Sprachförderung aus den Kitas in die Schulen den Alltag der Kinder störe. Der Verband warnt zudem vor Millionenkosten für den Bustransport der Kinder von vertrauten Kitas zu unbekannten Schulen und Lehrkräften. Als Alternative schlägt er vor, das bundesweit initiierte Programm „Sprach-Kitas“ fortzuführen und auszubauen, das bereits rund 1.300 Einrichtungen im Land mit NRW-eigenen Mitteln über 2026 hinaus erreicht.
Gewerkschaften und die liberale FDP fragen, wo die 1.650 benötigten Lehrkräfte für die ABC-Klassen herkommen sollen, angesichts eines bereits angespannten Arbeitsmarktes für Pädagogen. Der Vorschlag des Kita-Verbandes, bestehende Sprach-Kitas zu stärken statt ein paralleles System von Grund auf aufzubauen, wurde von der Koalition nicht aufgegriffen.
Verteidigung der Regierung
Ministerin Feller betont, dass ABC-Klassen nicht ausschließlich in öffentlichen Schulen stattfinden müssten; sie könnten je nach Platz und lokaler Nachfrage auch an Kitas oder anderen geeigneten Standorten angesiedelt werden. Sie bezeichnet die Umsetzung als pragmatisch und verspricht, dass das Land sämtliche Transportkosten übernehme. Trotz dieser Zusicherungen bleiben die Gesetze unverändert und haben über die politische Opposition hinaus Kritik von Bildungsexperten auf sich gezogen. Die endgültigen Abstimmungen sind nun für den späten Donnerstagabend angesetzt, und es wird allgemein erwartet, dass der Ausgang den Koalitionslinien folgt.


