
Deutschland erhebt Anklage gegen ehemaligen ukrainischen Soldaten wegen Nord-Stream-Sabotage – erste Anklage zu den Pipeline-Explosionen von 2022
Die deutsche Bundesanwaltschaft hat einen ehemaligen ukrainischen Spezialeinheitssoldaten für die Sprengung der Nord-Stream-Gaspipelines im Jahr 2022 angeklagt – die ersten Anklagen in dem Fall.
Die Anklage
Die Bundesanwaltschaft hat Serhij K., einen ukrainischen Staatsbürger und ehemaligen Soldaten, wegen der Sabotage der Nord-Stream-Pipelines angeklagt – die erste Strafanzeige in dem Fall fast vier Jahre nach den Explosionen. Die am 1. Juli 2026 bekanntgegebenen Anklagepunkte umfassen Kriegsverbrechen, Herbeiführen einer Explosion, Zerstörung von Gebäuden und Angriffe auf zivile Energieinfrastruktur. Mehrere deutsche Medien berichteten über die Einreichung unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft und die Anwälte des Verdächtigen.
Von der Festnahme bis zur Auslieferung
Serhij K. wurde im August 2025 an der Adriaküste Italiens während eines Familienurlaubs auf der Grundlage eines europäischen Haftbefehls festgenommen. Er wehrte sich monatelang gegen seine Auslieferung nach Deutschland und trat zeitweise in einen Hungerstreik aus Protest gegen seine Behandlung. Am 27. November 2025 wurde er nach Deutschland überstellt, und am nächsten Tag ordnete ein Richter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe seine Untersuchungshaft an. Eine Beschwerde gegen den Haftbefehl wurde im Dezember 2025 abgewiesen.
Wie die Operation ablief
Nach Angaben des Bundesgerichtshofs bestiegen Serhij K. und sechs Komplizen (ein Skipper, ein Sprengstoffexperte und vier Tiefseetaucher) am oder vor dem 8. September 2022 im Hafen von Wiek auf Rügen die gecharterte Segelyacht Andromeda. Sie segelten in das Gebiet nahe der dänischen Insel Bornholm und befestigten in Tiefen von bis zu 80 Metern vier Zeitzünder-Sprengsätze an den Nord-Stream-Pipelines. Die als militärische Hochleistungssprengstoffe beschriebenen Vorrichtungen detonierten am 26. September 2022 und beschädigten die Pipelines schwer. Zu diesem Zeitpunkt transportierte keine der Pipelines Gas; Nord Stream 1 war von Russland nach dessen Einmarsch in die Ukraine bereits früher im Jahr gedrosselt oder gestoppt worden.
- Explosionen beschädigen Nord-Stream-Pipelines nahe Bornholm
- Schweden bestätigt Sabotage nach Fund von Sprengstoffspuren
- Verdächtiger Serhij K. in Italien festgenommen
- Nach Deutschland ausgeliefert und in Untersuchungshaft genommen
- Bundesgerichtshof weist Haftbeschwerde ab
- Bundesanwaltschaft klagt Serhij K. wegen Sabotage an
Kontext und rechtliche Fragen
Die Sabotage verursachte massive Lecks und geopolitische Aufregung. Schweden bestätigte im November 2022, dass es sich um Sabotage handelte, und in Deutschland, Schweden und Dänemark wurden Ermittlungen eingeleitet. Während der Verdacht zunächst in mehrere Richtungen ging, konzentrierte sich die deutsche Untersuchung schließlich auf ein ukrainisches Team. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Operation im Auftrag eines fremden Staates durchgeführt wurde, betont jedoch, dass dies einer Strafverfolgung in Deutschland nicht entgegenstehe. Der Bundesgerichtshof entschied, dass die funktionelle Immunität von Staatsbediensteten nicht für „nachrichtendienstlich gesteuerte Gewaltakte“ gilt.
Das Hanseatische Oberlandesgericht Hamburg muss nun entscheiden, ob die Anklage zugelassen wird und wann der Prozess beginnt.Die funktionelle Immunität von Amtsträgern gilt nicht für nachrichtendienstlich gesteuerte Gewaltakte.


