
Karol Nawrocki fordert deutsche Reparationen für den Zweiten Weltkrieg beim 87. Jahrestag von Westerplatte
Der polnische Präsident Karol Nawrocki sprach beim 87. Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs in Westerplatte über deutsche Reparationen und bilaterale Vertragsstreitigkeiten.
Gedenkfeier auf der Westerplatte
Polnische Staatsvertreter versammelten sich am Dienstagmorgen um 04:45 Uhr auf der Westerplatte in Danzig, um den 87. Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs zu begehen. Die Zeremonie begann mit Alarmsirenen genau zu dem Zeitpunkt, als das deutsche Schlachtschiff Schleswig-Holstein am 1. September 1939 das Feuer auf das polnische Militärtransitdepot eröffnete. Die Teilnehmer sangen die Nationalhymne, hissten die Staatsflagge, entzündeten die Friedensfackel und verlasen den Gedenkappell vor dem Denkmal der Küstenverteidiger. Präsident Karol Nawrocki nahm zusammen mit Premierminister Donald Tusk und dem stellvertretenden Premierminister und Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz an der Versammlung teil.
- Das deutsche Schlachtschiff Schleswig-Holstein eröffnet das Feuer auf das polnische Militärtransitdepot auf der Westerplatte
- Deutsche Streitkräfte bombardieren die schlafende Zivilstadt Wieluń
- Polnische Verteidiger unter Major Henryk Sucharski kapitulieren auf der Westerplatte nach fast sieben Tagen Kampf
Historisches Gedenken und Ausmaß der Opfer
In seiner Rede stellte Nawrocki die Westerplatte als Urbild des polnischen Militärdienstes und Wieluń als Symbol der unprovozierten zivilen Tragödie während der deutschen Luftangriffe zu Beginn dar. Historische Darstellungen von Jarosław Tuliszka und Andrzej Drzycimski berichten, dass die polnische Garnison von etwa 200 Soldaten (mit Aufzeichnungen zwischen 182 und 210 Mann) unter Major Henryk Sucharski ursprünglich den Auftrag hatte, sechs Stunden durchzuhalten. Konfrontiert mit Marineartillerie, Luftwaffenbombardement und der deutschen Kompania Szturmowa hielten die Verteidiger die Stellung fast sieben Tage lang, bis sie am 7. September 1939 kapitulierten. Der gemeinsame Einmarsch von Nazi-Deutschland und der Sowjetunion führte zur Ermordung von 6 Millionen polnischen Bürgern, was 17 % der Vorkriegsbevölkerung der Zweiten Polnischen Republik entspricht, wobei Zivilisten fast 90 % der Opfer ausmachten.
Die Erinnerung an den 1. September verlangt von uns Wahrheit und Verantwortung, und die Wahrheit hat ihre Symbole, sie hat ihre Fakten, die Wahrheit hat auch ihre Zeichen.
Bergung der Verteidiger und deutsch-polnische Beziehungen
Nawrocki konzentrierte sich auch auf den Friedhof der Westerplatte-Verteidiger und erinnerte daran, dass die Überreste polnischer Soldaten jahrzehntelang in Schlamm und Gestrüpp lagen, bevor archäologische Bemühungen des Museums des Zweiten Weltkriegs sie unter öffentlicher Kritik bargen. In der Außenpolitik appellierte Nawrocki direkt an den deutschen Bundeskanzler und die deutsche Öffentlichkeit, die Frage der Kriegsreparationen zu klären. Er argumentierte, dass die deutsche Verachtung gegenüber Polen vor dem Aufstieg des Nationalsozialismus bestand, und verwies auf preußische Schriften des 19. Jahrhunderts, die Polen als östliche Irokesen bezeichneten, sowie auf die Zwischenkriegspolitik unter Führern der Weimarer Republik, darunter Reichswehrchef Hans von Seeckt und Kanzler Joseph Wirth, bevor sie in Adolf Hitlers Obersalzberg-Befehl gipfelte.
Wenn Europa zusammenbleiben soll, wenn das Bündnis echt sein soll, wenn gute Nachbarschaft oder Freundschaft verwirklicht werden sollen, brauchen wir endlich Taten und nicht nur schöne und abgerundete Worte.
Bilaterale Verträge und moderne regionale Sicherheit
Mit Blick auf den 35. Jahrestag des Deutsch-Polnischen Nachbarschaftsvertrags skizzierte Nawrocki mehrere ungelöste Streitigkeiten in den bilateralen Beziehungen. Er wies auf Asymmetrien bei den Rechten der polnischen Minderheit in Deutschland im Vergleich zur deutschen Minderheit in Polen hin, auf die ungeklärten Eigentumsverhältnisse des Dom Polski in Bochum und auf das Fehlen eines eigenen Denkmals für polnische Opfer des Zweiten Weltkriegs in Berlin, wo nur ein Gedenkstein existiert. Nawrocki verband die frühere westliche Zusammenarbeit mit der Weimarer Republik und der Sowjetunion mit modernen europäischen Wirtschaftsinvestitionen in der Russischen Föderation und stellte fest, dass frühere Warnungen des verstorbenen polnischen Präsidenten Lech Kaczyński vor russischem Expansionismus unbeachtet geblieben waren.

