
Boris Nadeschdin verlässt die russische Opposition nach Geldstrafe und Ausländischer-Agent-Status
Der 63-jährige ehemalige Präsidentschaftskandidat erklärte, sein Status als ausländischer Agent und eine Geldstrafe von 1.000 Rubel wegen extremistischer Symbole machten es unmöglich, bei der Duma-Wahl im September anzutreten.
## Rückzugsankündigung Boris Nadeschdin, der 63-jährige russische Oppositionspolitiker, gab am Sonntag bekannt, dass er seine politische Tätigkeit aufgibt und bei der Duma-Wahl im September nicht antreten wird. In einem Telegram-Beitrag erklärte er, seine Fähigkeit, legal Oppositionspolitik in Russland zu betreiben, sei „erschöpft“ und er hoffe, dass die Situation vorübergehend sei. Nadeschdin erklärte, sein Wahlkampfteam werde die bereits gesammelten Hunderte von Unterschriften nicht bei der Wahlkommission einreichen, und begründete dies mit dem Wunsch, seine Familie, seine Wahlkampfmitarbeiter, die Unterschriftensammler und seine Unterstützer zu schützen.
Ich bin nicht bereit, diejenigen zu gefährden, die mich unterstützen. Wir werden die Hunderte und Aberhunderte von Unterschriften, die wir gesammelt haben, nicht bei der Wahlkommission einreichen.
Druck von den Behörden
Der Rückzug folgt auf eine Reihe von Maßnahmen gegen Nadeschdin in rascher Folge. Letzte Woche stufte ihn die Behörde als „ausländischen Agenten“ ein – ein Status, der ihn nach russischem Wahlrecht daran hindert, die für eine Kandidatur erforderlichen Unterschriften zu sammeln. Am Montag wurde er kurzzeitig festgenommen, und am Freitag verurteilte ihn ein Gericht in der Region Moskau zu einer Geldstrafe von 1.000 Rubel wegen des Zeigens extremistischer Symbole. Am Donnerstag wurde ihm zudem die Ausreise aus Russland verboten, nachdem er in einem Interview eingeräumt hatte, dass seine Familie eine Auswanderung erwäge. Das Ausreiseverbot steht Berichten zufolge im Zusammenhang mit der Wiedereröffnung eines ein Jahr alten Insolvenzverfahrens.
- Zum „ausländischen Agenten“ erklärt (genaues Datum nicht angegeben)
- Kurzzeitig festgenommen
- Ausreiseverbot aus Russland
- Mit 1.000 Rubel Geldstrafe belegt wegen Zeigens extremistischer Symbole
- Gibt seinen Rückzug aus der Politik bekannt
Der Fall der extremistischen Symbole
Die Geldstrafe geht auf einen Telegram-Beitrag aus dem Jahr 2023 zurück, in dem Nadeschdin eine Werbung für ein Programm einer anderen Oppositionsfigur teilte. Das Video enthielt ein flüchtiges Bild von Alexej Nawalny, dem Oppositionsführer, der 2024 im Gefängnis starb und dessen Organisationen als extremistisch eingestuft wurden. Seit Nawalnys Tod verfolgen die russischen Behörden routinemäßig Personen, die seine Aussagen oder Fotos teilen. Während der Gerichtsverhandlung, die von Unwohlsein des Angeklagten und dem Eintreffen von Sanitätern geprägt war, bezeichnete Nadeschdin den Staat als „krank“ und sagte, das Verfahren sei eingeleitet worden, um ihn an einer Kandidatur zu hindern.
Sie bringen mich zum Schweigen, drängen mich aus der Politik, und mein Leben ist viel schwieriger geworden.
Eine seltene Anti-Kriegs-Stimme
Nadeschdin ist einer der wenigen Menschen in Russland, die Präsident Wladimir Putin und die groß angelegte Offensive gegen die Ukraine öffentlich verurteilen, ohne inhaftiert zu werden. Er erlangte während seiner Präsidentschaftskandidatur 2024 Bekanntheit, als er mit einer Friedensplattform Wahlkampf machte und Tausende von Anhängern im ganzen Land anzog. Zuvor war er von 1999 bis 2003 Abgeordneter der Staatsduma und von 2019 bis 2024 lokaler Volksvertreter in der Region Moskau. Sein Rückzug hinterlässt fast keine freien Oppositionsfiguren mehr; die meisten sind jetzt inhaftiert, tot oder im Exil.
Was als Nächstes passiert
Nadeschdin beendete seine Telegram-Nachricht mit einem Dank an seine Unterstützer und der Aussage, dass er jetzt herausfinden müsse, wie er weiterleben könne. Er äußerte die Hoffnung, am Leben und in Freiheit zu bleiben, und fügte hinzu, er sei sicher, dass alles gut werde, wenn auch nicht sofort. Die Duma-Wahl im September wird nun ohne den einzigen offen kriegsgegnerischen Kandidaten stattfinden, der versucht hatte, sich zu registrieren.
Jetzt muss ich herausfinden, wie ich weiterleben kann. Ich hoffe, am Leben und in Freiheit zu bleiben. Ich bin sicher, dass alles gut wird, wenn auch nicht sofort!


