
Hunderte leere Schreibtische: Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern kämpfen um Verwaltungspersonal
Eine dpa-Umfrage zeigt hunderte unbesetzte Stellen in Stadt- und Kreisverwaltungen Mecklenburg-Vorpommerns – besonders schwer zu rekrutieren sind Ingenieure, Ärzte und IT-Spezialisten.
Das Ausmaß der Vakanzen
Die Kommunalverwaltungen in Mecklenburg-Vorpommern kämpfen mit Hunderten unbesetzten Stellen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bei Stadt- und Kreisbehörden ergab. In der Landeshauptstadt Schwerin waren Ende April 53 Stellen vakant, das entspricht rund fünf Prozent der insgesamt mehr als 1.100 Stellen der Stadt. Rostock meldet durchschnittlich 160 unbesetzte Stellen pro Jahr bei rund 2.600 Verwaltungsposten, eine Vakanzquote von sechs Prozent. Allerdings ist nur etwa die Hälfte dieser Rostocker Vakanzen zur Nachbesetzung vorgesehen.
Stadt für Stadt
Auch andere Städte zeigen ähnliche Muster. Greifswald hat derzeit 23 offene Stellen, Neubrandenburg meldet 25 Vakanzen, von denen zehn öffentlich ausgeschrieben sind. Die übrigen Stellen werden auf anderem Wege besetzt oder sind noch nicht ausgeschrieben. Wismar hat vier freie Stellen. Stralsund sticht mit 51 unbesetzten Stellen hervor, wobei die Stadtverwaltung betont, dass nur eine davon ungeplant sei. Viele der anderen sollen in Kürze besetzt werden; Verzögerungen werden auf gesetzliche Kündigungsfristen zurückgeführt, die bereits ausgewählten Kandidaten einen sofortigen Dienstantritt verwehren.
- Schwerin
- 53 vacant posts
- Rostock (Jahresschnitt)
- 160 vacant posts
- Stralsund
- 51 vacant posts
- Neubrandenburg
- 25 vacant posts
- Greifswald
- 23 vacant posts
- Wismar
- 4 vacant posts
Warum Stellen leer bleiben
Mehrere strukturelle Faktoren tragen zu den Vakanzen bei. Stralsunder Behörden verweisen auf das verfassungsrechtlich verankerte Prinzip der Bestenauslese und gründliche Prüfverfahren, die die Einstellungszeiten im öffentlichen Dienst erheblich verlängern. Zudem werden einige Stellen bewusst freigehalten: Sie sind für Auszubildende reserviert, die ihre Lehre abschließen, werden während Umstrukturierungen offen gehalten oder sogar eingefroren, damit die bereitgestellten Mittel für projektbezogene Stellen anderweitig verwendet werden können.
Die Qualifikationslücke
Die Verwaltungen berichten durchweg von akuten Rekrutierungsschwierigkeiten in bestimmten Berufen. Ingenieure werden in mehreren Kommunen als besonders schwer zu besetzen genannt. Die Rostocker Verwaltung ergänzt Ärzte und IT-Spezialisten auf die Liste der kritisch knappen Profile, während Greifswald allgemein Schwierigkeiten bei der Besetzung technischer Stellen hervorhebt. Trotz dieses Drucks bezeichnen die meisten Verwaltungen die Gesamtsituation als stabil, wobei Greifswald einen Anstieg der unbesetzten Stellen verzeichnet.
Eine drohende demografische Klippe
Dietmar Knecht, Landesvorsitzender des dbb Beamtenbundes, warnt, dass die derzeitige Situation erst der Anfang sein könnte. Er mahnt, dass die bevorstehende Rentenwelle der Babyboomer-Jahrgänge den Personalmangel drastisch verschärfen werde.
Ich fürchte, wir sehen nur die Spitze des Eisbergs. Die Altersgruppen, die kurz vor dem Ruhestand oder der Rente stehen, kommen noch und werden wahre Schneisen unbesetzter Stellen hinterlassen.


