
Musk fordert Selenskyjs Rücktritt, während Starlink-Drosselung die Ukraine-Front trifft
Musk schrieb auf X, Selenskyj solle gehen, während Kyjiw von Starlink-Einschränkungen berichtete, die den Einsatz an der Front beeinträchtigen, und Trump auf einen neuen ukrainischen Präsidenten drängte.
Ein Post nach einer Starlink-Drosselung
Elon Musk schrieb am Donnerstag, dem 15. Oktober 2026, auf X, es sei Zeit für Wolodymyr Selenskyj, sein Amt aufzugeben. Er antwortete damit auf einen Beitrag des politischen Kommentators Alexander Muse, der nahegelegt hatte, Selenskyj fürchte, den Krieg mit Russland zu beenden und Präsidentschaftswahlen abzuhalten, weil eine Niederlage ihn wie seine Vorgänger der Strafverfolgung aussetzen könnte. Musk schrieb zudem, das Massaker gehe weiter. Sein Konto hat mehr als 240 Millionen Follower, und der Beitrag kam wenige Stunden, nachdem die Ukraine mitgeteilt hatte, SpaceX habe Starlink-Dienste eingeschränkt.
Starlink, Starshield und die Frontlinie
Selenskyj hatte Musk gebeten, Starlink wiederherzustellen, das nach Angaben aus Kyjiw über Nacht stark gedrosselt worden war und die eigenen Einsätze an der Front beeinträchtigte. Laut Spiegel warnte Selenskyj, Menschen würden sterben, wenn die Angriffe weitergingen, während Starlink nicht funktioniere. Kurz darauf meldete das ukrainische Verteidigungsministerium bessere Verbindungen. Musk sagte, SpaceX habe zwei Dienste aufgebaut: Starlink für zivile und defensive Nutzung und Starshield für militärische Kommunikation, die nach seinen Worten von der US-Regierung kontrolliert wird. Er schrieb, etwaige Begrenzungen von Geschwindigkeit oder Nutzung würden vom US-Militär und letztlich vom Präsidenten entschieden, und jede Unterbrechung liege in der Verantwortung der US-Regierung. Einem Bericht zufolge ist die Ukraine für die Kommunikation auf dem Schlachtfeld auf Starshield angewiesen, während das zivile Starlink-System für offensive Operationen nicht zugelassen ist.
- Die Ukraine teilt mit, die Starlink-Dienste seien eingeschränkt worden, und Selenskyj bittet Musk um Wiederherstellung
- Musk schreibt auf X, es sei Zeit für Selenskyj zu gehen
Diesel-Deal, Geheimdienste und Trumps Haltung
Selenskyjs Kritik folgte auf Trumps Ankündigung einer Vereinbarung über russische Diesel-Lieferungen für die USA und die Weltmärkte, und auf die Frage, ob er sich verraten fühle, antwortete er mit Ja. Trump kritisierte Selenskyj einen Tag nach dem Abschluss der Vereinbarung mit Putin und sagte, er halte es für an der Zeit, dass die Ukraine einen neuen Präsidenten wähle, der eine Einigung mit Russland erzielen könne. Selenskyj hatte gesagt, die Genehmigung russischer Erdölverkäufe sei eine Investition in den Krieg. Kyjiw beschuldigte die Vereinigten Staaten, Russland zu helfen, indem sie nicht vor bevorstehenden Raketenangriffen warnten und die militärische Reaktion durch Änderungen am Satellitensystem von SpaceX behinderten. Ein hochrangiger ukrainischer Vertreter sagte, Washington habe gedroht, die Weitergabe von Geheimdienstinformationen über russische Raketenstarts einzustellen, was Trump bestritten hat. Trump, der im November die Zwischenwahlen zum Parlament vor sich hat, machte ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien für steigende Benzinpreise verantwortlich.
Wahlangebot und die Antwort des Kremls
Selenskyj sagte, die Ukraine sei bereit, Präsidentschaftswahlen abzuhalten, wenn Russland eine vollständige Waffenruhe von zwei Monaten akzeptiere, eine Frist, die er für die Absicherung des Wahlkampfs für nötig erklärte. Der Kreml erklärte, Russland sei bereit, nur am Wahltag selbst auf Angriffe zu verzichten. Dmitri Peskow, der Sprecher des Kremls, sagte, die 60-tägige Waffenruhe werde gebraucht, damit Selenskyj sich neu sammeln, seine Wunden lecken und den Krieg fortsetzen könne. Die letzte Präsidentschaftswahl der Ukraine fand 2019 statt, eine für März 2024 angesetzte Abstimmung wurde wegen des Kriegsrechts auf unbestimmte Zeit verschoben. Selenskyj nannte zudem die massenhafte Abwanderung von Ukrainern ins Ausland und die Besetzung von etwa 20 Prozent des Staatsgebiets als Hindernisse. Putin hat wiederholt erklärt, er betrachte Selenskyj nicht als legitimen Präsidenten der Ukraine.
Reaktionen im Netz
Die meisten Antworten auf Musk waren kritisch, und viele Nutzer forderten ihn auf, dasselbe zu Putin zu sagen. Der ukrainische Aktivisten-Account Saint Javelin fragte, ob es nicht auch Zeit für Putin sei zu gehen. Larry the Cat, der inoffizielle Account der Katze in der Downing Street Nr. 10 mit mehr als 900.000 Followern auf X, stellte dieselbe Frage. Jay in Kyiv, ein amerikanischer Blogger, der in der Ukraine lebt, argumentierte, Musk diene wie Trump russischen Interessen. Jimmy Rushton, ein britischer Journalist in der Ukraine, der für den Kyiv Independent schreibt, antwortete, Musk hätte 1940 auch den Rücktritt Churchills verlangt.

