
Monaco erhebt Anklage gegen Thierry Lacoste, Jugendfreund von Fürst Albert II., wegen Korruption
Die monegassische Staatsanwaltschaft hat den Pariser Anwalt Thierry Lacoste wegen aktiver Korruption und Geldwäsche angeklagt, nachdem er im Rahmen einer Untersuchung des gestoppten Bauprojekts Esplanade des Pêcheurs in Haft genommen worden war.
Rechtliche Schritte gegen ehemaligen königlichen Berater
Die Staatsanwaltschaft von Monaco gab am Samstag, den 5. September 2026, bekannt, dass der Pariser Anwalt Thierry Lacoste formell wegen mehrerer Korruptionsvorwürfe angeklagt wurde. Lacoste, ein Jugendfreund und ehemaliger Rechtsberater von Fürst Albert II., wurde nach umfangreichen Vernehmungen unter formelle richterliche Aufsicht gestellt. Die monegassische Kriminalpolizei nahm Lacoste am Mittwoch, den 2. September 2026, nach Eingang einer Strafanzeige des Immobilienentwicklers Patrice Pastor fest. Die Ermittlungsrichter verlängerten die anfängliche Haftzeit zweimal, bevor am Samstagmorgen eine formelle Anhörung zur Anklageerhebung stattfand. Der Fall stellt eine weitere Phase der Gerichtsverfahren im Zusammenhang mit der Verwaltung des Fürstentums dar.
Die Staatsanwaltschaft von Monaco erläuterte die formellen Anklagepunkte in einer offiziellen öffentlichen Erklärung am Samstag.
Am Ende seiner Vernehmungen und nach zwei Verlängerungen seiner Polizeihaft wurde er heute Morgen dem Ermittlungsrichter vorgeführt, der ihn wegen krimineller Verschwörung, aktiver Korruption eines nationalen Amtsträgers in organisierter Gruppe, passiver Einflussnahme in organisierter Gruppe und Geldwäsche angeklagt hat.
Der Streit um das Bauprojekt Esplanade des Pêcheurs
Die strafrechtlichen Ermittlungen konzentrieren sich auf ein abgebrochenes Immobilienprojekt namens Esplanade des Pêcheurs, das sich am Hafen von Monaco befindet. Das Bauprojekt wurde gestoppt, nachdem die Behörden festgestellt hatten, dass seine Anordnung mit der Austragung des jährlichen Formel-1-Grand-Prix unvereinbar war. Nach dem Stopp entschied der Oberste Gerichtshof von Monaco gegen den Staat und ordnete an, dass die öffentlichen Behörden dem monegassischen Bauunternehmen Caroli eine erhebliche Entschädigung zahlen müssen. Gerichtsdokumente verzeichnen unterschiedliche Zahlen für das Urteil: Eine Abrechnung nennt 136 Millionen Euro ohne seit 2018 aufgelaufene Zinsen, eine andere beziffert die Entschädigung auf 139 Millionen Euro. Gegen das Urteil des Obersten Gerichtshofs wurde anschließend Berufung eingelegt.
Die Ermittler prüfen frühere Kommunikation zwischen Lacoste und Antonio Caroli, dem Unternehmer, der die Caroli-Gruppe bis zu seinem Tod im Oktober 2025 leitete. Die Behörden untersuchen Szenarien, in denen die hochrangige gerichtliche Entscheidung zur Gewährung der Entschädigung möglicherweise unangemessen beeinflusst wurde. Fürst Albert II. hat sich den laufenden Gerichtsverfahren als Zivilpartei in eigener Person angeschlossen, ebenso wie der Staat Monaco selbst.
Überprüfung des Beraterkreises des Palastes
Die Vorwürfe gegen Lacoste stehen in direktem Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Dossiers du Rocher im Jahr 2021. Diese durchgestochenen Dokumente beschrieben die angebliche Existenz eines Geschäftsausschusses, der innerhalb des Regierungsapparats des souveränen Staates tätig war. Im Jahr 2023 entließ Fürst Albert II. Lacoste aus allen Aufgaben zur Koordinierung monegassischer Angelegenheiten und entzog ihm sein persönliches Vertrauen. Der Fürst entließ auch Claude Palmero, den ehemaligen Verwalter des Kronvermögens, und Didier Linotte, den ehemaligen Präsidenten des Obersten Gerichtshofs.
- Veröffentlichung der Dossiers du Rocher behauptet unangemessenen Einfluss von Palastberatern.
- Fürst Albert II. entlässt Thierry Lacoste, Claude Palmero und Didier Linotte aus ihren Beraterposten.
- Immobilienunternehmer Antonio Caroli stirbt während laufender Rechtsstreitigkeiten um das Hafenprojekt.
- Monacos Polizei nimmt Thierry Lacoste nach einer Beschwerde von Patrice Pastor in Haft.
- Ein Ermittlungsrichter klagt Thierry Lacoste wegen Korruption und Geldwäsche an.
Patrice Pastor, dessen Familie in der Nachkriegszeit große Teile der Immobilien in Monaco entwickelte, leitete das aktuelle Gerichtsverfahren ein. Pastor reichte eine formelle Beschwerde ein, in der er mehreren ehemaligen Beamten Amtsmissbrauch, Betrug, Geldwäsche und Korruption vorwarf. Diese Beschwerde führte bereits zuvor zur Festnahme des ehemaligen Richters des Obersten Gerichtshofs, Didier Linotte, bevor sie zu Lacostes Haft und Anklage führte.
Reaktion der Verteidigung und Verfahrensstand
Die Anwälte von Thierry Lacoste bestätigten, dass ihr Mandant eigens nach Monaco gereist sei, um Fragen der Justizbehörden und Polizeiermittler zu beantworten. Das Verteidigungsteam hält daran fest, dass Lacoste aller strafrechtlichen Vorwürfe unschuldig und unfair ins Visier genommen worden sei. Seine Anwälte erklärten öffentlich, ihr Mandant sei in ein Netz aus Lügen und Verleumdungen geraten, das aus lokalen Geschäfts rivalitäten herrühre. Nach der formellen Anklageerhebung am 5. September stellte der Ermittlungsrichter Lacoste unter richterliche Aufsicht, während die strafrechtlichen Ermittlungen fortgesetzt werden.


