
CDU-Mann Schulze und AfD-Mann Siegmund liefern sich in Sachsen-Anhalt-Debatte Schlagabtausch über Migration und Energie
Sechs Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt lieferten sich CDU-Ministerpräsident Sven Schulze und AfD-Herausforderer Ulrich Siegmund in einer Fernsehdebatte ein Schlagabtausch über doppelte Staatsbürgerschaft, russisches Gas und schulische Inklusion.
Umfragen und Ausgangslage
Sechs Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sieht die aktuelle Insa-Umfrage die AfD bei 41 Prozent und die CDU bei 24 Prozent. Ministerpräsident Sven Schulze, der zu Jahresbeginn die Nachfolge von Reiner Haseloff angetreten hat, konnte den Abstand nicht verringern. Die 90-minütige Debatte am Montagabend in Magdeburg, organisiert vom Redaktionsnetzwerk Deutschland und live gestreamt, war das erste ausführliche direkte Duell zwischen Schulze und AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund. Nach dem Eins-gegen-Eins stießen die Kandidaten der anderen Parteien hinzu.
- CDU
- 24 %
- AfD
- 41 %
Migration und der Berliner Anschlag
Die Debatte begann mit dem jüngsten Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day. Schulze kündigte an, den Umgang mit potenziellen Gefährdern auf die Tagesordnung der Ministerpräsidentenkonferenz zu setzen. Er sprach von der „ganzen Frage des Islam“ und Menschen, „die in unserem Land leben, aber unser Land nicht respektieren“. Er forderte Konsequenzen für Doppelstaatler, die als Gefährder eingestuft werden: „Ich will nicht mehr, dass Menschen die doppelte Staatsbürgerschaft haben, die deutsche und ihre eigene, wenn sie hier als Gefährder leben.“ Siegmund konterte, Schulze habe zuvor die Ausweisung deutscher Staatsbürger gefordert – eine Position, die den Kriterien entspricht, nach denen der Verfassungsschutz die AfD beobachtet. Schulze räumte ein, dass die Staatsbürgerschaft nicht entzogen werden könne, wenn die Person dadurch staatenlos würde, und merkte an, der Berliner Tatverdächtige sei als Deutscher geboren und besitze nur die deutsche Staatsbürgerschaft.
Die deutsche Staatsbürgerschaft wird derzeit zum Fenster rausgeworfen, sie wird verschenkt.
Siegmund warf Schulze vor, nur im Wahlkampf zu handeln und nach jedem Anschlag altbekannte Phrasen zu wiederholen. Schulze entgegnete, der Tatverdächtige gehöre nicht zu den „Hunderttausenden“, die Siegmund zuvor angeführt habe.
Energie und russisches Gas
In der Wirtschaftspolitik machte Siegmund hohe Energiepreise verantwortlich und forderte ein Ende der Sanktionen. Er sprach sich ausdrücklich für den Import von russischem Gas aus.
Wir werden natürlich die Frage der ideologischen Energiepolitik auf die Tagesordnung setzen, und zwar so, dass wir uns gegen Sanktionen aussprechen, für billige Energie, egal aus welchem Land, weil wir einfach unsere Wettbewerbsfähigkeit erhalten müssen.
Auf die Frage eines Moderators, ob das auch Gas aus Russland einschließe, antwortete Siegmund: „Ja, selbstverständlich.“ Schulze betonte seine persönlichen Gespräche mit Unternehmen wie Volkswagen und dessen Zulieferern, um Arbeitsplätze im Land zu erhalten, und zeigte sich zuversichtlich, bald eine positive Perspektive bieten zu können.
Inklusion und Bildung
Die Debatte über inklusive Beschulung wurde hitzig. Schulze warf der AfD vor, das Modell des gemeinsamen Unterrichts von Kindern mit und ohne Behinderung beenden zu wollen, und verwies auf das Wahlprogramm der Partei. „Was Sie wollen, ist, unsere Kinder auszusortieren, das hatten wir vor vielen, vielen Jahrzehnten, das will ich nicht“, sagte er. Siegmund betonte, niemand sei gegen ein Kind im Rollstuhl, aber jedes Kind müsse individuell beurteilt werden. „Deshalb kann man das nicht pauschal machen“, sagte er. SPD-Kandidat Armin Willingmann warf Siegmund vor, Nebelkerzen zu werfen. Beim jahrgangsübergreifenden Lernen fand Siegmund seltene Gemeinsamkeiten mit den Grünen und bezeichnete es als eine Variante, „bevor der Unterricht ganz ausfällt“.
Positionen der anderen Parteien
FDP-Kandidatin Lydia Hüskens sagte, das Land müsse klären, wie mit potenziellen Gefährdern umzugehen sei. Grünen-Kandidatin Susan Sziborra-Seidlitz betonte, dass Queerfeindlichkeit das Problem sei – sowohl im Islamismus als auch im Rechtsextremismus. SPD-Mann Willingmann warnte davor, sofort härtere Gesetze zu fordern, solange viele Fakten noch unklar seien. Linke-Landesvorsitzender Hendrik Lange hob die Bedeutung von Präventionsprogrammen wie „Demokratie leben!“ hervor. Siegmund argumentierte zudem, der Fachkräftemangel könne nicht aus dem Ausland gedeckt werden, sondern müsse durch Familienpolitik gelöst werden – worauf Schulze entgegnete, die AfD habe kein Konzept für die nächsten fünf Jahre.
