
Friedrich Merz sieht sich in Kühlungsborn Protesten ausgesetzt und warnt vor AfD-Sieg in Quedlinburg
Bundeskanzler Friedrich Merz besuchte am Montag Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt und sah sich angesichts niedriger Umfragewerte und lauter Zwischenrufer vor den Landtagswahlen in beiden ostdeutschen Bundesländern konfrontiert.
Wahlkampf an der Ostseeküste
Bundeskanzler Friedrich Merz reiste am Montag, den 31. August 2026, nach Ostdeutschland, um die regionalen Wahlkämpfe der Christlich Demokratischen Union (CDU) vor den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt zu unterstützen. Die Tour begann in Mecklenburg-Vorpommern mit einem privaten Treffen mit lokalen Wirtschaftsvertretern in Rostock, bevor es zum Ostseebad Kühlungsborn weiterging. Merz trat gemeinsam mit dem regionalen CDU-Spitzenkandidaten Daniel Peters und dem Staatsminister im Bundeskanzleramt Philipp Amthor an einem Parteistand vor dem Restaurant Kepplers Fisch auf der Promenade auf. Der Landesverband hatte seinen Wahlkampf um das Fischbrötchen aufgebaut, mit dem Slogan, dass das Beste in der Mitte steckt, und verwies auf die 40 Millionen jährlich verkauften Fischbrötchen in über 800 Verkaufsstellen im Land.
Das Fischbrötchen ist für sich genommen auch ein Wirtschaftsfaktor für Mecklenburg-Vorpommern.
- Führt vertrauliche Gespräche mit regionalen Wirtschaftsvertretern.
- Besucht mit Daniel Peters den CDU-Fischbrötchenstand unter Protesten.
- Tritt mit Sven Schulze vor der Stiftskirche auf.
Proteste und lokaler Widerstand
Während des Stopps schilderte Restaurantbetreiber Roberto Keppler die Schwierigkeiten der regionalen Fischerei, darunter die Fangquoten der Europäischen Union. Merz probierte ein Sherry-Bismarck-Heringbrötchen mit Zwiebeln und Salat, lobte das Gericht und argumentierte, dass das Land Wachstumschancen verpasst habe, als die Sozialdemokraten vor fünf Jahren eine Koalition mit der Linken eingingen.
Dann stünde das Land heute sicher weiter vorne.
Der Besuch stieß auf sichtbaren Widerstand von Passanten entlang der abgesperrten Promenade. Demonstranten pfiffen und riefen Merz Beleidigungen zu, nannten ihn Kriegstreiber, Pinocchio und forderten seinen Rücktritt, obwohl einige Umstehende zur Mäßigung aufriefen. Eine geplante Fernsehansprache wurde daraufhin ohne öffentliche Erklärung der Parteiorganisatoren abgesagt. Kühlungsborn hatte bereits im Frühjahr 2025 interne Querelen erlebt, als mehr als 20 Mitglieder wegen Meinungsverschiedenheiten mit Merz den örtlichen CDU-Ortsverband verließen. Eine bundesweite Umfrage von Infratest dimap ergab für Merz eine Zustimmungsrate von 14 %, den niedrigsten Wert, der jemals für einen amtierenden Kanzler in dieser Umfragereihe gemessen wurde.
Wirtschaftliche Warnungen in Quedlinburg
Am Montagabend reiste Merz weiter südlich nach Quedlinburg in Sachsen-Anhalt und trat gemeinsam mit Ministerpräsident Sven Schulze in dessen Geburtsstadt auf. Der Besuch in der über 1000 Jahre alten Stadt, bekannt für ihre mehr als 2000 Fachwerkhäuser, wurde von Polizeiabsperrungen rund um die Stiftskirche auf dem Stiftsberg gesichert. Merz thematisierte die möglichen wirtschaftlichen Auswirkungen eines Sieges der Alternative für Deutschland (AfD) und warnte, dass ausländische Unternehmen künftige Projekte überdenken würden, wenn eine rechtspopulistische Partei eine absolute Mehrheit erlangte.
Sachsen-Anhalt darf nicht zum Experimentierfeld für wütende Bürger werden.
Unterschiedliche Umfrageentwicklungen
Die Wahlkampfbesuche finden vor Landtagswahlen statt, die zwei Wochen auseinanderliegen. Sachsen-Anhalt wählt am Sonntag, den 6. September 2026, während Mecklenburg-Vorpommern am 20. September 2026 zur Wahl geht. In Sachsen-Anhalt liegt die AfD in aktuellen Umfragen bei knapp 40 %, die CDU folgt mit rund 23 %. Merz verwies auf die Landtagswahl 2021, bei der die CDU die knappen Prognosen übertraf und mit 37,1 % gegenüber 20,8 % für die AfD abschloss.
- CDU
- 37.1 %
- AfD
- 20.8 %
In Mecklenburg-Vorpommern liegt die CDU in Umfragen bei knapp 10 %, womit die Partei Gefahr läuft, in den einstelligen Bereich zu fallen. Die Umfragen im Land werden von einem Wettstreit zwischen Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) und Leif-Erik Holm (AfD) dominiert, sodass die CDU keinen klaren Weg in die Regierung hat.

