Merz drängt auf mehr EU-Hilfen für die Ukraine, während der Brüsseler Gipfel mit Le-Pen-Warnung beginnt
Kanzler Friedrich Merz hat die EU-Staats- und Regierungschefs gebeten, die Finanzierung für die Ukraine über den Winter und bis ins nächste Jahr aufzustocken, während Wolodymyr Selenskyj zum Gipfel in Brüssel eintraf.
Merz drängt auf mehr Geld
Kanzler Friedrich Merz nutzte die Eröffnung des EU-Gipfels in Brüssel am Donnerstag, dem 15. Oktober, um eine weitere Aufstockung der Unterstützung für die Ukraine zu fordern. Er sagte, er habe am Morgen in mehreren kleineren Runden dafür geworben, mit dem Ziel, der Ukraine über den Winter und bis ins nächste Jahr zu helfen. Eine konkrete Zahl nannte Merz nicht.
Wir werden die Mittel hier noch einmal aufstocken müssen, um der Ukraine wirklich dauerhaft zu helfen.
Merz verwies zudem auf seinen Besuch in Kiew am 4. Oktober, wo er mit Wolodymyr Selenskyj zusammentraf. Was er dort gesehen habe, beschrieb er als eine zunehmend rücksichtslose Welle russischer Angriffe, und er argumentierte, Russland setze die politische Ordnung Europas in jeder Hinsicht unter Druck.
Selenskyjs Programm in Brüssel
Selenskyj sagte, er sei bereits am Donnerstag in Brüssel eingetroffen und habe eine Reihe von Terminen geplant, die er als wichtig bezeichnete. Dazu gehören Gespräche mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte, dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron sowie den Ministerpräsidenten Polens, Dänemarks und Belgiens. Am Freitag, dem 16. Oktober, will er mit den EU-Staats- und Regierungschefs sowie den Regierungschefs Ungarns, Finnlands und Schwedens zusammenkommen; die Unterstützung der Ukraine steht an diesem Tag auf der Gipfelagenda. Ein Treffen mit Merz erwähnte er nicht. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk schrieb nach Gesprächen mit europäischen Spitzenvertretern in Brüssel auf X, die Ukraine sei nicht allein.
- Merz trifft Selenskyj in Kiew
- Le Pen sagt, sie werde die französische Hilfe für die Ukraine sechs Monate nach einem Wahlsieg beenden
- EU-Gipfel beginnt in Brüssel; Merz fordert mehr Ukraine-Finanzierung
- Ukraine auf der Gipfelagenda; Selenskyj will EU-Staats- und Regierungschefs sowie die Regierungschefs Ungarns, Finnlands und Schwedens treffen
Eingefrorene russische Vermögen und die Finanzierungslücke
Merz lehnte es ab, einen Teil der rund 210 Milliarden Euro an in der EU eingefrorenen russischen Vermögen in die Vereinigten Staaten zu überführen, wo sie als Druckmittel in Friedensverhandlungen dienen könnten. Er sagte, die Vermögen sollten in Europa bleiben, und die Entscheidung sei eine europäische Angelegenheit. Die Financial Times hatte berichtet, die Idee sei bei einem Treffen von Regierungsvertretern der Vereinigten Staaten, der Ukraine und Europas in Miami aufgebracht worden, an dem Deutschland, das Vereinigte Königreich und Frankreich teilgenommen hätten.
Der ukrainische Finanzminister Serhij Martschenko sagte während eines Besuchs in Brüssel im September, dem regulären Haushalt des kommenden Jahres fehlten 32,6 Milliarden US-Dollar (29,1 Milliarden Euro). Die Lücke bei den Verteidigungsausgaben bezifferte er auf 45 Milliarden US-Dollar (40,1 Milliarden Euro). Die Finanzierung für das laufende Jahr sei gesichert, heißt es in den Berichten.
- Lücke im regulären Haushalt des kommenden Jahres
- 32.6 Mrd. USD
- Lücke bei den Verteidigungsausgaben
- 45 Mrd. USD
Le Pens Bedingung
Die rechtsextreme französische Politikerin Marine Le Pen sagte am Mittwoch, dem 14. Oktober, in Brüssel, sie werde im Falle eines Wahlsiegs die französische Hilfe für die Ukraine nach sechs Monaten beenden. Sie knüpfte die Entscheidung an die Lage des französischen Haushalts und erklärte, das Land habe das Geld für eine solche Unterstützung nicht mehr. Spiegel Online zitierte sie mit den Worten, sie wolle niemanden überraschen, und es wäre ehrlich, Selenskyj zu sagen, dass Frankreich sich diese Finanzhilfe nicht mehr leisten könne. Ihre Aussage birgt ein weiteres Risiko: Die Berichte merken an, dass die EU-Unterstützung für die Ukraine und der mittelfristige EU-Haushalt ernsthaft unter Druck geraten könnten, sollten bei Wahlen in mehreren Mitgliedstaaten im kommenden Jahr euroskeptische Kandidaten gewinnen.
Wettbewerbsfähigkeit und der EU-Haushalt
Merz verknüpfte den EU-Haushalt mit Fortschritten beim Bürokratieabbau. Zu Beginn des EU-Rates am Donnerstag nannte er Wettbewerbsfähigkeit und Verteidigung als Prioritäten, sagte aber, die Fortschritte blieben hinter dem zurück, was er zu Jahresbeginn erwartet habe. Der Block liege weit hinter dem Zeitplan zurück, den er sich im Frühjahr gesetzt habe. Diese Ziele wurden bei einer Klausur im Februar auf Schloss Alden Biesen in Belgien festgelegt, wo die Staats- und Regierungschefs über schwächere Wettbewerbsfähigkeit, Binnenmarkthindernisse und Abhängigkeiten von Drittstaaten berieten; Berichte von Mario Draghi und Enrico Letta flossen in die Gespräche ein. Merz will, dass das Thema zu einem festen Punkt auf jeder EU-Gipfelagenda wird, damit Lücken früh erkannt werden können. António Costa, Präsident des Europäischen Rates, sagte am Rande, politische Ambitionen müssten in "konkrete Ergebnisse" münden.
