
Mecklenburg-Vorpommern öffnet Wahllokale zur Landtagswahl – SPD und AfD im Wettstreit
Um 08:00 Uhr öffneten in ganz Mecklenburg-Vorpommern die Wahllokale für 1,3 Millionen Wahlberechtigte – die erste Landtagswahl, bei der bereits ab 16 Jahren gewählt werden darf.
Wahllokale in ganz Mecklenburg-Vorpommern geöffnet
Die Wahllokale öffneten am Sonntag um 08:00 Uhr in ganz Mecklenburg-Vorpommern zur Wahl des neunten Landtages in Schwerin; die Abstimmung dauert bis 18:00 Uhr. Rund 1,3 Millionen Bürger sind wahlberechtigt und können zwischen 19 auf Landeslisten antretenden Parteien wählen. Erstmals bei einer Landtagswahl in diesem Bundesland dürfen 16- und 17-Jährige ihre Stimme abgeben – das Wahlalter wurde herabgesetzt. Wahlberechtigt ist, wer die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt und seit mindestens 37 Tagen mit Hauptwohnsitz im Land gemeldet ist. Die gesetzliche Größe des Landtages beträgt 71 Sitze, kann aber durch Überhang- und Ausgleichsmandate anwachsen.
Stimmabgabe und zentrale Wahlkampfthemen
Die Wähler geben zwei getrennte Stimmen auf dem Stimmzettel ab. Die Erststimme (linke Seite) wählt einen Direktkandidaten aus dem Wahlkreis, der ins Parlament einzieht. Die Zweitstimme (rechte Seite) wählt eine Partei und deren Landesliste – sie bestimmt die Sitzverteilung. Parteien müssen die Fünf-Prozent-Hürde der gültigen Stimmen überspringen, um in den Landtag einzuziehen. Der Wahlkampf im Land konzentrierte sich auf sechs vom NDR erhobene Politikfelder: Bildungspolitik, Arbeit, Energiepolitik, bezahlbares Wohnen, Migration und Integration sowie innere Sicherheit. Aus der Region wurde vor der Wahl unter anderem aus Güstrow, einer Stadt mit über 44.000 Einwohnern, berichtet.
Direktkandidaten-Duell und Umfragen vor der Wahl
Der Wahlkampf war von Polarisierung zwischen der Alternative für Deutschland (AfD) und den etablierten Parteien geprägt. Der Schwerpunkt liegt auf dem Wahlkreis 8 (Schwerin I), in dem Amtsinhaberin Manuela Schwesig (SPD) auf den AfD-Spitzenkandidaten Leif-Erik Holm trifft. Die Abstimmung findet zwei Wochen nach dem AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt statt und zeitgleich mit den Berliner Landtagswahlen.
Frühe Umfragen sahen die AfD vorn, bevor die SPD den Abstand in den folgenden Wochen verringerte. In einer für die ARD am 10. September durchgeführten Infratest-dimap-Erhebung kam die AfD auf 38 %, die SPD auf 33 %. Die Linke erreichte 9 %, die CDU 7 %, die Grünen 5 % und das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) lag mit 4 % unter der Fünf-Prozent-Hürde. In der letzten Umfrage vor der Wahl setzte sich die SPD dann an die Spitze.
- AfD
- 38 %
- SPD
- 33 %
- Die Linke
- 9 %
- CDU
- 7 %
- Grüne
- 5 %
- BSW
- 4 %
Koalitionsoptionen und parlamentarische Hürden
Die regierende rot-rote Koalition aus SPD und Linken wird voraussichtlich ihre parlamentarische Mehrheit verlieren, sodass kleinere Parteien entscheidend werden. Politikwissenschaftler halten eine rot-rot-grüne Koalition aus SPD, Linken und Grünen für die wahrscheinlichste Konstellation, in der Schwesig das Amt der Ministerpräsidentin behalten könnte. Scheitern die Grünen oder andere kleinere Parteien an der Fünf-Prozent-Hürde, sind eine Minderheitsregierung oder eine Zweierkoalition aus SPD und CDU möglich. Die Wahl hat auch bundespolitische Auswirkungen: Die CDU läuft Gefahr, erstmals unter 5 % zu fallen und aus einem Landesparlament auszuziehen; ein Einzug des BSW könnte Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit mit oder Duldung durch die AfD eröffnen.


