Helmut Martin: Leihmutterschaftsverbot muss bleiben, Spahns Heimlichtuerei ‚nicht angemessen‘ für sein Amt
Der neue rheinland-pfälzische Justizminister Helmut Martin (CDU) hat der dpa gesagt, er lehne jede Lockerung des deutschen Leihmutterschaftsverbots ab, und warnte vor einem ‚schrecklichen Gedanken‘ eines Marktes für Kinder. Zudem erklärte er, der frühere CDU-Fraktionsvorsitzende Jens Spahn, der nach der Inanspruchnahme einer Leihmutter in den USA zurückgetreten war, habe den Ansprüchen seines Amtes nicht genügt.
Martin lehnt Liberalisierung ab
Der neue rheinland-pfälzische Justizminister Helmut Martin hat jede Lockerung des deutschen Leihmutterschaftsverbots entschieden abgelehnt. In einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Mainz am 23. Juli 2026 sagte der CDU-Politiker, seine Bedenken gegen eine Liberalisierung überwögen mögliche Vorteile. Er warnte davor, dass die Öffnung eines Marktes zu vorhersehbaren und problematischen Konsequenzen führen würde.
Wenn wir einen Markt öffnen, wissen wir genau, was passiert. Und das finde ich einen schrecklichen Gedanken.
Martin betonte, dass seine Haltung in seinem Verständnis der Menschenwürde und des Wertes des Lebens wurzele. Er argumentierte, ein Kind als etwas Verfügbares zu behandeln oder den Eindruck zu erwecken, Geld könne Elternschaft sichern, widerspreche seiner Vorstellung davon, was Elternschaft bedeuten solle.
Aus meinem Menschenbild heraus fällt es mir schwer, den Eindruck zu erwecken, ein Kind sei etwas Verfügbares und jeder habe einen Anspruch auf ein Kind. Von diesem Grundsatz abzuweichen und zu sagen: Ich will, und wenn ich nur genug Geld habe, bekomme ich es auch, wird meinem Verständnis vom Wert des Lebens und der Elternschaft nicht gerecht.
Anerkennung persönlicher Notlagen
Martin sagte, er sei sich der emotionalen Belastung von Paaren, die keine Kinder bekommen können, voll bewusst. Er stellte klar, dass er Menschen, die im Ausland eine Leihmutterschaft in Anspruch nehmen, nicht verurteile, beharrte jedoch darauf, dass eine umfassende politische Billigung dieser Praxis nicht die richtige Antwort sei.
Ich sage das in vollem Bewusstsein darum, wie schwierig es für diejenigen Fälle ist, in denen ein Paar aus welchen Gründen auch immer kein Kind bekommen kann. Ich sehe die psychischen Härten, und deshalb möchte ich einzelne Menschen nicht verurteilen. Aber es politisch in der Breite zuzulassen, wäre nicht meine Antwort auf das Thema.
Kritik an Spahns Vorgehen
Die Debatte über Leihmutterschaft entbrannte erneut, nachdem der frühere CDU-Fraktionsvorsitzende Jens Spahn und sein Ehemann bekannt gegeben hatten, Eltern geworden zu sein. Eine Leihmutter in den Vereinigten Staaten hatte ihren Sohn zur Welt gebracht, womit sie das deutsche Verbot umgingen, das Spahn selbst innerhalb der Partei unterstützt hatte. Die darauf folgende Empörung in der CDU führte am Samstag, dem 18. Juli 2026, zu Spahns Rücktritt als Fraktionsvorsitzender.
Martin zeigte wenig Verständnis für Spahns Umgang mit der Situation. Er kritisierte Spahn dafür, die Angelegenheit geheim gehalten zu haben, während er ein prominentes politisches Amt bekleidete.
Ich habe nicht viel Verständnis für die Vorgehensweise von Jens Spahn. Dass er die ganze Zeit geschwiegen hat, positiv formuliert, und dann damit rausgekommen ist. Trotzdem: Wer ein solches Amt innehat, bei dem ist es legitim, bestimmte Erwartungen zu formulieren. Meiner Ansicht nach hat er sie nicht erfüllt.
Eine persönliche Entscheidung mit öffentlichen Konsequenzen
Martin räumte ein, dass die Entscheidung für eine Leihmutterschaft zutiefst persönlich sei und beide Partner einer Ehe betreffe. Er sagte, es gebe nachvollziehbare Gründe für Spahns Handeln, hielt aber daran fest, dass der frühere Fraktionsvorsitzende hinter den Erwartungen an jemanden in seiner Position zurückgeblieben sei. Die Äußerungen des Ministers unterstreichen die anhaltende Spannung innerhalb der CDU zwischen persönlichen Lebensentscheidungen und der offiziellen Parteiposition zur Leihmutterschaft.


