
Ancelottis Brasilien kommt gegen Marokko nicht über ein 1:1-Unentschieden hinaus
Carlo Ancelottis erstes Spiel als brasilianischer Nationaltrainer endete mit einem 1:1-Unentschieden gegen Marokko. Vinicius Junior glich die Führung von Ismael Saibari im ausverkauften MetLife Stadium in New Jersey aus.
Ancelottis Debüt bleibt blass
Der fünfmalige Weltmeister ging als Sechster der FIFA-Weltrangliste ins Turnier, tat sich aber schwer gegen das auf Rang sieben notierte Marokko, das seine zweite WM in Folge bestreitet. Ancelotti zeigte sich nach der Partie unverblümt.
Er räumte ein, dass seine Mannschaft zu unausgeglichen war und zu leicht den Ball verlor, fügte aber hinzu:Man muss die Kritik akzeptieren.
Niemand gewinnt eine Weltmeisterschaft danach, wie er das erste Spiel bestreitet.
Marokkos mutiger Auftakt
Marokko ging von Beginn an mutig zu Werke. Brahim Díaz spielte einen feinen Pass, und Ismael Saibari lupfte den Ball über Alisson hinweg zur verdienten Führung der Nordafrikaner. Trainer Mohamed Ouahbi lobte den Mut seiner Spieler.
Marokko hielt stand, absorbierte den Druck Brasiliens und lauerte auf Konter.Wir hätten natürlich gewinnen wollen, aber ich bin nicht traurig. Worauf ich wirklich stolz bin, ist, dass wir den Mut haben, unter Druck zu spielen und den Ball zu fordern.
Vinicius rettet einen Punkt
Der Ausgleich fiel in der 32. Minute gegen den Spielverlauf. Vinicius Junior zog nach innen, ließ Achraf Hakimi stehen und donnerte einen scharfen Schuss unhaltbar für Torhüter Yassine Bounou ins Netz. Der Stürmer von Real Madrid wurde zum Spieler des Spiels gewählt, zeigte sich aber selbstkritisch.
Er lobte auch Ancelotti und sagte, das Vertrauen des Trainers habe zusätzliche Kräfte freigesetzt.Ich habe getroffen, aber ich hatte nicht mein bestes Spiel. Ich kann mich technisch und offensiv verbessern. Ich habe auch in der Defensive geholfen. Ich muss mich steigern, denn es ist entscheidend, die WM zu gewinnen.
Kreativlücke ohne Neymar
Brasiliens Angriff mit Vinicius, Raphinha und dem Premier-League-Entdeckung Igor Thiago stockte, weil niemand das Mittelfeld mit der Sturmreihe verband. Casemiro und Lucas Paquetá wurden überrannt, während Rechtsverteidiger Roger Ibáñez, ein Innenverteidiger, der in Saudi-Arabien spielt, völlig überfordert wirkte. Der fehlende Baustein ist Neymar, der sich noch von einer Wadenverletzung erholt. Sein Rückkehrtermin ist ungewiss, und es bleiben Fragen, ob der 34-Jährige auf diesem Niveau noch liefern kann.
Wie es weitergeht
Brasilianische Fans füllten rund 70 Prozent des MetLife Stadiums, doch die Feierlichkeiten waren verhalten. Ancelotti versprach Besserung vor dem nächsten Gruppenspiel, während Ouahbi sich mehr als das Halbfinale vornimmt, jene Hürde, die sein Team 2022 in Katar erreicht hatte. Für Brasilien offenbart das Unentschieden ein bekanntes Problem: eine Fülle individueller Talente ohne den Orchestrator, der sie zum Fließen bringt.


