
Tausende protestieren in Magdeburg, während die AfD vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt in Umfragen führt
Am Samstag versammelten sich Demonstranten auf dem Domplatz, um gegen die rechtsextreme AfD zu protestieren, die vor der Landtagswahl am Sonntag bei 41 % lag.
Mobilisierung auf dem Domplatz
Am Samstag, dem 5. September 2026, versammelten sich tausende Demonstranten in Magdeburg zu einem Fest zur Verteidigung demokratischer Institutionen am Vorabend der Landtagswahl. Die zivilgesellschaftliche Mobilisierung wurde von der Koalition Sachsen-Anhalt Weltoffen nach sechsmonatiger Vorbereitung organisiert. Die Demonstranten zogen zunächst vom Magdeburger Hauptbahnhof los, bevor sie sich auf dem Domplatz zu Musikdarbietungen und Reden versammelten. Die Organisatoren schätzten die Teilnehmerzahl auf 15.000 bis 20.000 Personen im Laufe des Tages, während die Polizei von 10.000 Menschen ausging. Aktivisten projizierten den Satz „Wir werden nicht aufgeben, was wir lieben, wahrer Patriotismus ist nicht die AfD“ direkt auf die Fassade des Doms. Die Spitzenkandidatinnen Eva von Angern (Die Linke) und Susan Sziborra-Seidlitz (Grüne) nahmen an der Versammlung teil, ebenso wie Kulturschaffende, darunter die 92-jährige Autorin und Holocaust-Überlebende Henriette Kretz.
AfD-Wahlkampfabschluss in Magdeburg
In einem wohlhabenden Stadtteil Magdeburgs hielt die Alternative für Deutschland ihren Wahlkampfabschluss in einem Theater mit knapp 1.000 Sitzplätzen ab. Schwere Polizeieinheiten bewachten den Veranstaltungsort, als die Parteivorsitzenden Tino Chrupalla und Alice Weidel auf der Bühne erschienen, um den Kandidaten Ulrich Siegmund zu unterstützen. Der 35-jährige Kandidat hat sein Wahlprogramm auf die Abschaffung des Asylrechts in einer von Deindustrialisierung und Abwanderung von Fachkräften betroffenen Region ausgerichtet. Der Verfassungsschutz hat Siegmund mit Netzwerken in Verbindung gebracht, die als gesichert rechtsextrem eingestuft werden. Während der Kundgebung stellte die Parteiführung die Landtagswahl als Sprungbrett für die Bundesregierung dar.
Natürlich werden wir auch auf Bundesebene triumphieren, spätestens 2029.
Die Co-Vorsitzende Alice Weidel lobte Siegmund vor dem Publikum und bezeichnete die Partei als die Kraft der Zukunft.
Sie sind der erste Ministerpräsident der AfD in ganz Deutschland!
Umfragen und parlamentarische Arithmetik
Aktuelle Meinungsumfragen sehen die AfD mit deutlichem Vorsprung vor den etablierten Parteien in Sachsen-Anhalt. Eine am Donnerstag veröffentlichte Umfrage ergab 41 % der Stimmen für die AfD, während die Christlich Demokratische Union des amtierenden Ministerpräsidenten Sven Schulze bei 23 % lag. Eine separate Erhebung des öffentlich-rechtlichen Senders ARD zeigte die AfD bei 42 % und die CDU bei 22 %. Die Umfrage vom Donnerstag wies 11,5 % für Die Linke, 8,5 % für die Sozialdemokratische Partei und 6 % für die Grünen aus. Die Freie Demokratische Partei, derzeit Teil von Schulzes Koalition mit der SPD, und das Bündnis Sahra Wagenknecht lagen beide unter der 5-Prozent-Hürde für den Einzug in den Landtag.
- AfD
- 41 %
- CDU
- 23 %
- Die Linke
- 11.5 %
- SPD
- 8.5 %
- Grüne
- 6 %
Brandmauer und regionaler Kontext
Ein Wahlsieg, der der AfD eine absolute Mehrheit oder Regierungsbeteiligung verschaffen würde, würde die traditionelle politische Brandmauer in Frage stellen. Die etablierten Parteien des gesamten politischen Spektrums haben diese Brandmauer historisch aufrechterhalten, um eine rechtsextreme Beteiligung an Landes- und Bundesregierungen zu verhindern. Die Wahlverschiebungen folgen auf zwei Jahre Wirtschaftsrezession in Deutschland und öffentliche Unzufriedenheit mit der Migrationspolitik. Sachsen-Anhalt hat einen Ausländeranteil von 7,9 %, etwa die Hälfte des bundesdeutschen Durchschnitts von 15 %. In der Gemeinde Raguhn-Jessnitz errang die AfD 2023 ihr erstes Bürgermeisteramt in Deutschland, als Hannes Loth 51 % der Stimmen gewann.
- Sachsen-Anhalt
- 7.9 %
- Bundesdurchschnitt
- 15 %
Sicherheitsmaßnahmen und lokale Spannungen
Die Sicherheitskräfte bereiteten im gesamten Bundesland umfangreiche Maßnahmen für den Wahltag vor. Die Polizei registrierte am Wochenende 26 verschiedene Demonstrationen in ganz Sachsen-Anhalt und setzte Hunderte von Beamten ein, um mögliche Unruhen zu verhindern. In der Magdeburger Innenstadt hielten mehrere Dutzend rechtsextreme Sympathisanten eine separate Demonstration namens „Autokorso für den Frieden“ entlang der Geschäftsstraße Breiter Weg ab. Die Teilnehmer zeigten deutsche Flaggen aus ihren Fahrzeugen, während sie durch die Innenstadt fuhren. Die Wahllokale in Sachsen-Anhalt öffnen am Sonntag, um die Zusammensetzung des neuen Landtags zu bestimmen.


