
Russische Angriffe versetzen Kyjiw vor dem Winter in den Überlebensmodus
Bürgermeister Vitali Klitschko sagte gegenüber AFP, russische Angriffe auf Brücken und das Stromnetz hätten Teile der Hauptstadt ohne Strom und Wasser zurückgelassen, und er regte an, dass Einwohner mit Verwandten andernorts einen vorübergehenden Wegzug erwägen sollten.
Überlebensmodus vor dem Winter
Der Kyjiwer Bürgermeister Vitali Klitschko sagte am Donnerstag gegenüber AFP, eine Welle russischer Angriffe in den vergangenen Wochen habe die ukrainische Hauptstadt vor dem Winter in den Überlebensmodus versetzt. Russland hat seine Angriffe auf Kyjiw ausgeweitet, bei Drohnenangriffen am Tag wichtige Brücken und das Stadtzentrum getroffen und die Angriffe auf das Stromnetz wieder aufgenommen. Die Stromausfälle wiederholen Angriffe, die im vergangenen Winter Heizung und Strom für Tage ausfallen ließen, als die Temperaturen auf -20 Grad Celsius fielen. Bei Angriffen am Donnerstag wurden nach AFP-Bericht drei Menschen in der Hauptstadt getötet.
Jeder Tag bringt neue Berichte über zerstörte Gebäude, über Verletzte oder tragisch Getötete, während der Beschuss unserer Stadt zunimmt.
Er fügte hinzu: „Heute geht es ums Überleben.“
Strom, Wasser und Verkehr
Der nationale Netzbetreiber Ukrenergo ordnete am Donnerstagmorgen in Kyjiw und mehreren Bezirken der angrenzenden Region Notabschaltungen an, wie Mediafax berichtet. Das Netz kehrte kurzzeitig zu einem Plan mit geplanten Abschaltungen zurück, bevor neue russische Angriffe die Notabschaltungen wieder erzwangen. Stunden nach dem AFP-Interview teilten die Stadtbehörden von Kyjiw mit, dass der U-Bahn-Betrieb und die Rolltreppen wegen eines Spannungsabfalls an externen Stromzentren eingestellt worden seien und Straßenbahnen und Trolleybusse stillstanden. Energieminister Denys Schmyhal sagte, der Ausfall sei nach dem Zusammenbruch „einer der lebenswichtigen Energieanlagen Kyjiws“ erfolgt. Der niedrigere Druck in den Hauptwasserleitungen hat viele Haushalte ohne fließendes Wasser gelassen. Teile der Hauptstadt waren laut France 24 am Dienstag zudem mehrere Stunden ohne Wasser.
- Russische Rakete trifft einen Wohnblock in Prilyuky und tötet 28 Menschen, darunter fünf Kinder
- Ukrenergo ordnet Notabschaltungen in Kyjiw und mehreren Bezirken der angrenzenden Region an
- Kyjiwer U-Bahn-Betrieb wegen Stromstörungen eingestellt
Brücken und Flussübergänge
Russland hat nach AFP-Angaben die Brücken über den Dnipro in Kyjiw erstmals seit Beginn seiner Invasion im Jahr 2022 getroffen und damit den täglichen Verkehr für Menschen gestört, die an beiden Ufern leben oder arbeiten. France 24 berichtet, dass die wichtigsten Brücken wiederholt getroffen wurden, was den Verkehr in der ganzen Stadt zum Erliegen brachte. Die Stadt entwickelt alternative Pontonübergänge, um den Stau zu entlasten, sagte der Bürgermeister.
Die Verbindung zwischen dem linken und dem rechten Ufer ist einer der entscheidenden Faktoren dafür, dass die Stadt funktionieren kann.
Vorbereitung auf den Winter und Ratschläge an die Einwohner
Die Stadt installiert Ersatzheizsysteme und hortet Brennstoff, Lebensmittel und Trinkwasser für mögliche Störungen in diesem Winter. Klitschko sagte, er werde keine vollständige Evakuierung der Hauptstadt fordern, regte aber an, dass Menschen, die vorübergehend zu Verwandten oder Freunden außerhalb Kyjiws ziehen können, dies erwägen sollten. Er warnte, dass schwere Schäden an der Wasserinfrastruktur eine Krise beträchtlichen Ausmaßes auslösen könnten. Zudem argumentierte er, dass massenhafte Abwanderung dem Kreml dienen würde; das beste Szenario für Putin wäre, dass alle gehen und leere Städte zurücklassen.
Egal wie gut wir uns vorbereiten, wenn die Luftverteidigung nicht funktioniert, könnten wir in einem schlechten Szenario enden.
Reaktionen aus Kyjiw und dem Ausland
Der britische Außenminister Ed Miliband sagte am Donnerstag in der Ukraine, Putin versuche zu gewinnen, indem er „Zivilisten terrorisiert“. Er sprach neben Trümmern in Prilyuky, wo am Mittwoch eine russische Rakete einen Wohnblock traf und nach Angaben von Libertatea 28 Menschen tötete, darunter fünf Kinder. Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte, die ukrainischen Behörden bereiteten Antworten auf die Angriffe vor. Er dankte der Europäischen Union für 1,2 Milliarden Euro Verteidigungsunterstützung, bat um mehr Militärhilfe und sprach mit António Costa über die Angriffe. Selenskyj sagte, er werde Costa und Ursula von der Leyen bald treffen. Russische Angriffe der vergangenen Tage haben nach Angaben von Observador landesweit 78 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt.

