
Keine Kurzsichtigkeitsepidemie bei deutschen Kindern in 25 Jahren, groß angelegte Studie bestätigt
Eine neue Analyse von über 1,2 Millionen Brillenverordnungen von fast 438.000 Kindern zeigt von 2001 bis 2025 keinen Anstieg der Kurzsichtigkeit in Deutschland – ein Widerspruch zu globalen Befürchtungen einer Kurzsichtigkeitsepidemie.
Die Daten: Kein Anstieg bei Kurzsichtigkeitsverordnungen
Die im Fachjournal Frontiers in Public Health veröffentlichte Forschung stützt sich auf 1,25 Millionen Brillenverordnungen, die zwischen 2001 und 2025 an etwa 437.700 Kinder im Alter von 3 bis 18 Jahren ausgestellt wurden. Die Daten stammen aus echten Optikeraufzeichnungen, nicht aus standardisierten augenärztlichen Untersuchungen, erfassen also nur Kinder, die tatsächlich eine Brille erhielten. Kurzsichtigkeit wurde ab minus 0,50 Dioptrien oder schlechter definiert. Über die gesamten 25 Jahre hinweg blieb die Wahrscheinlichkeit, eine Verordnung für Kurzsichtigkeit zu erhalten, stabil, und die durchschnittliche Verordnungsstärke nahm nicht zu. Die Forscher weisen zudem darauf hin, dass ihr Datensatz unkorrigierte Kurzsichtigkeit nicht erfassen kann, sodass Kinder mit leichten Sehproblemen, die nie eine Brille bekamen, in der Analyse fehlen.
Entgegen der weit verbreiteten Annahme einer sich rasch beschleunigenden globalen Kurzsichtigkeitsepidemie fanden wir zwischen 2001 und 2025 keinen Anstieg bei Brillenverordnungen für Kurzsichtigkeit.
Das Team stellte außerdem fest, dass Brillen heute in etwas jüngerem Alter verschrieben werden, vermutet jedoch, dass dies eher auf eine erhöhte Wachsamkeit von Eltern und Ärzten zurückzuführen ist als auf eine tatsächliche Verschlechterung des Sehvermögens von Kindern. Dieses Ergebnis deckt sich mit einer aktuellen europäischen Metaanalyse, die zeigt, dass die Kurzsichtigkeitsprävalenz auf dem Kontinent seit der Jahrtausendwende stagniert.
Europas Plateau vs. Asiens Anstieg
In Ostasien ist die Situation dramatisch anders. Die Kurzsichtigkeitsraten junger Erwachsener stiegen dort von 20–40 % vor dem Zweiten Weltkrieg auf 60–90 % heute. Die Freiburger Forscher verweisen auf extrem intensiven, frühen akademischen Druck und ein schweres Defizit an Zeit im Freien als Hauptbeschleuniger. Im Gegensatz dazu verbringen deutsche Kinder typischerweise mehr Stunden draußen und sind einem weniger prüfungsgetriebenen Bildungssystem ausgesetzt, was das Plateau wahrscheinlich erklärt.
Bildschirmzeit: Das Dosis-Wirkungs-Risiko
Die Autoren befassten sich auch mit der Bildschirmzeit. Ihre Auswertung der Evidenz ergab, dass weniger als eine Stunde tägliche Bildschirmnutzung fast kein zusätzliches Kurzsichtigkeitsrisiko birgt. Jede weitere Stunde darüber hinaus erhöht das Risiko jedoch um etwa 20 %, bis zu etwa fünf Stunden. Jenseits dieser Schwelle flacht die Risikokurve ab, und weitere Steigerungen fügen nur noch marginale zusätzliche Gefahr hinzu.
- 1 h
- 1 relatives Risiko
- 2 h
- 1.2 relatives Risiko
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- 1.4 relatives Risiko
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- 1.6 relatives Risiko
- 5 h
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- 6 h
- 1.85 relatives Risiko
Der Artikel betont, dass dieses Dosis-Wirkungs-Muster bedeutet, dass moderate Bildschirmnutzung, insbesondere wenn sie mit Zeit im Freien ausgeglichen wird, nicht so schädlich ist, wie einige alarmistische Narrative suggerieren.
Kein Pandemie-Anstieg
Die COVID-19-Pandemie und der damit verbundene digitale Schub ließen Befürchtungen aufkommen, dass Kinder in Quarantäne einen Kurzsichtigkeitsboom erleiden würden, wie er in mehreren asiatischen Studien dokumentiert wurde. Die deutschen Daten liefern keine Hinweise auf einen solchen Anstieg.
Dies widerlegt die Befürchtung, dass die COVID-19-Pandemie und die zunehmende Digitalisierung in Deutschland während der Quarantäne zu einem Anstieg der Kurzsichtigkeit geführt haben, wie in anderen, vor allem asiatischen Studien berichtet.
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Deutschlands Umgebung und Lebensstil Kinder offenbar wirksam vor dem globalen Trend der Sehverschlechterung schützen – zumindest bisher.


