Niedersachsen wählt Kommunalvertretungen: 29.000 Sitze, AfD mit Kandidatenverboten
Rund 6,3 Millionen Wahlberechtigte in Niedersachsen wählen am Sonntag über 29.000 Kommunalvertreter und stellen die Landeskoalition nach Führungswechseln und Volkswagen-Stellenabbau auf die Probe.
Landesweite Wahl und Wahlbeteiligung
Rund 6,3 Millionen Wahlberechtigte in Niedersachsen sind am Sonntag aufgerufen, Gemeinderäte, Bürgermeister und Landräte zu wählen. Die Wahllokale öffneten um 8:00 Uhr und bleiben bis 18:00 Uhr in Städten, Gemeinden und Landkreisen von der Nordseeküste bis zum Harz geöffnet. Mehr als 68.000 Kandidaten bewerben sich um über 29.000 kommunale Mandate. Bis 10:00 Uhr, zwei Stunden nach Wahlbeginn, lag die landesweite Wahlbeteiligung bei 7,60 % (ohne Briefwahl), wie das Landeswahlamt mitteilte. Dies entspricht einem Anstieg um 0,97 Prozentpunkte gegenüber den 6,63 %, die zur gleichen Stunde bei den Kommunalwahlen 2021 registriert wurden. Erste Ergebnisse der Direktwahlen werden ab etwa 19:00 Uhr erwartet, gefolgt von den Kreisergebnissen am späten Abend.
- Wahllokale öffnen landesweit
- Wahlbeteiligung erreicht 7,60 Prozent (ohne Briefwahl)
- Wahllokale schließen landesweit
- Erste vorläufige Ergebnisse für direkte Oberbürgermeisterwahlen erwartet
- Erste Ergebnisse auf Kreisebene werden erwartet
- Landeswahlamt erwartet vorläufige landesweite Kreisergebnisse
- Geplanter Termin für mögliche Stichwahlen in den Gemeinden
Wichtigste Rennen und politische Bedeutung
Die Wahl ist der erste landesweite Test seit Olaf Lies (SPD) das Amt des Ministerpräsidenten übernommen hat, als Nachfolger von Stephan Weil. In der Landeshauptstadt Hannover mit 522.000 Einwohnern strebt der grüne Oberbürgermeister Belit Onay die Wiederwahl an, nachdem er 2019 sein Amt antrat, als die Grünen mehr als sieben Jahrzehnte ununterbrochener SPD-Herrschaft in der Stadt beendeten. Auch in Oldenburg, Osnabrück, Braunschweig und Göttingen finden direkte Oberbürgermeisterwahlen statt. In der Region Hannover tritt der amtierende SPD-Präsident Steffen Krach nicht zur Wiederwahl an; er hatte im März eine Auszeit genommen, um den Wahlkampf seiner Partei für die Berliner Abgeordnetenhauswahl zu leiten. Sollte die SPD eine mögliche Stichwahl in Hannover verpassen oder landesweit deutliche Verluste erleiden, könnte der Druck auf den Co-Parteivorsitzenden und Vizekanzler Lars Klingbeil steigen.
Beobachtung und Ausschlüsse der AfD
Die Kommunalwahlen sind ein Stimmungsbarometer für die Alternative für Deutschland (AfD) in einem westlichen Bundesland, zwischen Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und den bevorstehenden Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Bei den niedersächsischen Kommunalwahlen 2021 erreichte die AfD 4,6 % der Stimmen auf Kreisebene und 2,2 % bei den Gemeinderatswahlen, während die CDU mit 31,7 % vor der SPD mit 30,0 % und den Grünen mit 15,9 % führte. Im Februar stufte der Landesverfassungsschutz den niedersächsischen AfD-Landesverband als gesichert rechtsextremistische Bestrebung ein, eine Entscheidung, die die Partei gerichtlich anficht. Aufgrund geänderter kommunaler Wahlordnungen, die den Wahlbehörden die Prüfung der Verfassungstreue ermöglichen, wurden vier AfD-Kandidaten von der Kandidatur ausgeschlossen. Zu den Ausgeschlossenen gehört der stellvertretende AfD-Landesvorsitzende Stephan Bothe im Rennen um den Landrat des Landkreises Lüneburg, während die Landtagsabgeordnete Jessica Schülke auf dem Stimmzettel für das Oberbürgermeisteramt in Hannover bleibt.
- CDU
- 31.7 %
- SPD
- 30 %
- Grüne
- 15.9 %
- AfD
- 4.6 %
Industriekrise und Wählerprioritäten
Der Wahlkampf fiel mit schweren Herausforderungen bei Volkswagen zusammen, das seinen Konzernsitz in Wolfsburg hat und der bedeutendste industrielle Arbeitgeber Niedersachsens ist. Im September kündigte der Autobauer Pläne zum Abbau von 50.000 Arbeitsplätzen sowie mögliche Werksschließungen und -verkäufe an, was die lokale Wirtschaftsaussicht neben traditionellen kommunalen Themen wie öffentliche Sicherheit und Infrastrukturerhaltung in den Vordergrund rückte. Die niedersächsischen Wähler haben ihre nächste Landtagswahl am 26. September 2027, während eventuell notwendige Stichwahlen auf kommunaler Ebene für den 27. September 2026 angesetzt sind.


