
Italien beantragt volles EU-Verteidigungsdarlehen in Höhe von 14,9 Milliarden Euro, Koalition gespalten
Außenminister Tajani gab die Entscheidung bekannt, die EU-SAFE-Fazilität mit bis zu 14,9 Milliarden Euro in Anspruch zu nehmen, aber Verteidigungsminister Crosetto stellte sofort klar, dass die Mittel eine technische Finanzierungsalternative und keine neuen Ausgaben seien, was tiefe Gräben innerhalb der Regierungskoalition offenlegte.
Die Ankündigung
Am 28. Juli 2026 gab Außenminister Antonio Tajani während einer parlamentarischen Anhörung zum NATO-Gipfel in Ankara bekannt, dass Italien beschlossen habe, die EU-SAFE-Fazilität in Anspruch zu nehmen und bis Ende des Jahres die vollen 14,9 Milliarden Euro zu beantragen. Die Erklärung, die durch eine Frage des Abgeordneten der Demokratischen Partei, Piero Fassino, veranlasst wurde, markierte eine deutliche Beschleunigung nach monatelangem Zögern der Regierung.
Wir haben beschlossen, SAFE zu nutzen und bis Ende des Jahres einen Antrag auf 14,9 Milliarden zu stellen. Wir werden unseren Vorschlag ausarbeiten, dann wird Herr Crosetto sagen, wie sie im darauf folgenden Jahr investiert werden sollen.
Sofortige Richtigstellung
Verteidigungsminister Guido Crosetto, der ebenfalls anwesend war, dämpfte die Ankündigung sofort. Er erklärte, SAFE sei ein technisches Finanzierungsinstrument und keine Quelle für zusätzliche Ausgaben. Die Regierung, so sagte er, werde bis Ende des Jahres entscheiden, wie viel von den vorgebuchten 14,9 Milliarden Euro tatsächlich abgerufen werde, und dies gegen Alternativen wie die Ausgabe von BOTs oder CCTs abwägen. Die Nutzung von SAFE bedeute nicht, den Verteidigungshaushalt zu erhöhen, betonte er.
SAFE, wie es eingerichtet wurde, ist ein Finanzierungsinstrument für Militärausgaben, nicht zusätzlich zu dem, was bereits im Haushalt veranschlagt ist.
Koalitionsbrüche
Die Ankündigung legte tiefe Risse innerhalb der Regierungskoalition offen. Der Lega-Senator Gian Marco Centinaio erhob sofort Einspruch und erklärte, die Ausgabe von 14,9 Milliarden Euro für Aufrüstung sei nicht im Regierungsprogramm enthalten und das Parlament müsse das letzte Wort haben. Der Lega-EU-Abgeordnete Roberto Vannacci schloss sich dem Widerstand an und erklärte: „Schluss mit der Draghi-Agenda." Die Fratelli d'Italia, die Partei von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, zeigten interne Spaltungen: Minister Tommaso Foti warnte, dass SAFE zu einer Einschränkung werden könne, während Parteifunktionär Giovanni Donzelli auf der Kohärenz der Regierung beharrte. Forza Italiens Maurizio Gasparri wies die Kritik der Opposition als lächerlich zurück und verteidigte Tajanis klare politische Linie.
Die Ausgabe von 14,9 Milliarden Euro für Aufrüstung war nicht im Regierungsprogramm enthalten.
Reaktionen der Opposition
Die Opposition war gespalten. Azione, +Europa und Italia Viva begrüßten die Nutzung von SAFE, warfen Tajani jedoch einen Rückzieher nach Crosettos Richtigstellung vor. Matteo Renzi sagte, die Regierung sei im Chaos. Die Fünf-Sterne-Bewegung und das Grün-Links-Bündnis verurteilten den Schritt scharf; Giuseppe Conte sagte, die Regierung verpfände die Zukunft Italiens, während Angelo Bonelli es als Wahnsinn bezeichnete. Piero De Luca von der Demokratischen Partei griff ebenfalls das Durcheinander der Regierung an.
Hintergrund und nächste Schritte
Die SAFE-Verordnung (Security Action for Europe) trat am 29. Mai 2025 in Kraft und bietet bis zu 150 Milliarden Euro an langfristigen, zinsgünstigen EU-Darlehen für die gemeinsame Verteidigungsbeschaffung. Italien hatte gezögert und schloss sich erst in letzter Minute vor Ablauf der Frist am 30. Juli 2025 an. Wirtschaftsminister Giancarlo Giorgetti hatte zuvor davor gewarnt, dass die Nutzung von SAFE bürokratische Belastungen mit sich bringe und die gemeinsame Entscheidungsfindung mit EU-Partnern erfordere, und vor einer Verpflichtung zu Klarheit gemahnt. Die Regierung muss nun bis Ende des Jahres entscheiden, wie viel von den 14,9 Milliarden Euro tatsächlich abgerufen wird, während sie eine parlamentarische Schlacht vor sich hat. Spannungen in der Mehrheit traten auch im Senat zutage, wo Fratelli d'Italia einen Änderungsantrag zu sogenannten „strascico"-Abhöraktionen im Justiz- und Migrationsdekret wiedereinbrachte, ein Schritt, der von Forza Italia stark abgelehnt wurde.
- Die SAFE-Verordnung tritt in Kraft und stellt bis zu 150 Milliarden Euro an EU-Darlehen für die Verteidigung bereit.
- Italien schließt sich SAFE in letzter Minute vor Ablauf der Frist an.
- Tajani kündigt an, dass Italien bis Jahresende das volle SAFE-Darlehen in Höhe von 14,9 Milliarden Euro beantragen werde.
- Crosetto stellt klar, dass SAFE eine technische Finanzierungsalternative und keine zusätzlichen Ausgaben darstellt.
- Die Lega fordert eine Entscheidung des Parlaments; Fratelli d'Italia zeigt sich zurückhaltend; der Koalitionsriss vertieft sich.


