Deutsch-französischer Panzerhersteller KNDS setzt 15-Milliarden-Euro-Börsengang aus und verzögert Berlins Beteiligungsplan
KNDS, der deutsch-französische Hersteller von Leopard-2-Panzern, hat seinen geplanten Börsengang wegen Marktvolatilität bei europäischen Rüstungsaktien auf Eis gelegt. Der Schritt verzögert einen Deal, der die deutsche Regierung neben Frankreich in das Aktionärsregister gebracht hätte.
Börsengang wegen Marktvolatilität auf Eis gelegt
KNDS zog sich am späten Mittwoch von seinen Börsenplänen in Frankfurt und Paris zurück und erklärte, man wolle auf günstigere Marktbedingungen warten. Der Hersteller hatte alle Vorbereitungen fast abgeschlossen und umfassende Gespräche mit Investoren geführt, die nach eigenen Angaben das Vertrauen in die langfristige Strategie bestätigt hätten. Die Ankündigung erfolgte weniger als zwei Wochen vor dem angestrebten Termin und überraschte die Märkte.
KNDS und ihre Aktionäre werden die Bedingungen an den Kapitalmärkten weiterhin genau beobachten und sind bereit, den IPO-Prozess wieder aufzunehmen, sobald die Marktbedingungen es zulassen.
Eigentumsumstrukturierung auf Eis
Die Pause legt eine sorgfältig ausgehandelte Eigentumsumstrukturierung auf Eis. Gemäß der Vereinbarung wäre die Gründerfamilie Wegmann vollständig ausgestiegen, während der deutsche und der französische Staat jeweils einen Anteil von 40 % übernommen hätten; die restlichen 20 % wären an institutionelle Anleger verkauft worden. Da der Einstieg des deutschen Staates an den Börsengang gekoppelt war, erhält Berlin vorerst keinen Einfluss auf Vorstandsebene.
Wir sind weiterhin daran interessiert, das Unternehmen gemeinsam mit unseren französischen Partnern in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.
Die Beteiligung der Familie Wegmann und der französische Staat bleiben daher auf absehbare Zeit jeweils zu 50 % Eigentümer.
Weiter wie gewohnt, sagt KNDS
Eine Sprecherin betonte, dass die Entscheidung keine Auswirkungen auf den Betrieb oder geplante Investitionen habe. Das Unternehmen könne die IPO-Arbeiten bereits in zwei Wochen wieder aufnehmen, sagte sie, auch wenn es deutlich länger dauern könne. KNDS beschäftigt rund 11.000 Mitarbeiter und erzielte 2025 einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro; der Auftragsbestand belief sich zum Jahresende auf 33,1 Milliarden Euro.
Anleger kühlen bei Rüstungsaktien ab
Der Rückzug spiegelt eine allgemeine Abkühlung bei europäischen Rüstungsaktien wider. Die Aktien des Konkurrenten Rheinmetall sind in den letzten Tagen stark gefallen, und die tschechische Rüstungsgruppe CSG – die im Januar mit einer Bewertung von 25 Milliarden Euro an die Börse ging – wird unter ihrem Ausgabepreis gehandelt. Einige Investoren signalisierten KNDS, dass der erwartete Wert von 15 Milliarden Euro zu hoch sein könnte; die deutschen Eigentümer seien Berichten zufolge nicht bereit, eine Bewertung unter 12,5 Milliarden Euro zu akzeptieren.
- TKMS (Okt. 2025)
- 5.15 Mrd. €
- KNDS (erwartet)
- 15 Mrd. €
- CSG (Jan. 2026)
- 25 Mrd. €
Früherer Präzedenzfall als Orientierung
Der Vorfall erinnert an den deutschen Zulieferer Renk, der seinen Börsengang 2023 abgesagt hatte, um ihn vier Monate später neu zu starten, als Rüstungsaktien wieder an Fahrt gewonnen hatten. Ob KNDS einem ähnlichen Weg folgt, hängt davon ab, wie schnell sich die Stimmung in der Branche dreht.


