Klingbeil stößt beim SPD-Pfalztreffen auf verhaltene Resonanz angesichts wachsender interner Kritik am Koalitionskurs
Vizekanzler Lars Klingbeil erhielt beim SPD-Pfalztreffen in Haßloch einen verhaltenen Empfang, wo er den schwarz-roten Koalitionskurs gegen wachsende interne Kritik wegen schwacher Umfragen und umstrittener Rentenreformen verteidigte.
Verhaltener Empfang in Haßloch
Vizekanzler und SPD-Vorsitzender Lars Klingbeil kam am Sonntag beim Pfalztreffen der SPD in Rheinland-Pfalz einen auffallend kühlen Empfang. Nur wenige Parteimitglieder klatschten, als er die Pferderennbahn in Haßloch betrat; die meisten unterhielten sich weiter mit ihren Sitznachbarn. Gerhard Herzog, ein 80-Jähriger, der seit rund 60 Jahren SPD-Mitglied ist, brachte die Frustration vieler an der Basis zum Ausdruck.
Die SPD ist in vielen Punkten nicht mehr nah genug an den Menschen.
Herzog sagte, er wolle, dass die Bundesregierung die Punkte des Koalitionsvertrags ohne interne Streitigkeiten umsetze. Der Schatten der schlechten Stimmung hat auch die SPD in Rheinland-Pfalz erreicht, wobei Parteivertreter immer wieder sagen, dass die Kritik an der Bundespolitik berechtigt sei, aber nicht in der Öffentlichkeit stattfinden sollte.
Interne Kritik wächst
Die Unzufriedenheit innerhalb der SPD hat mehrere öffentliche Formen angenommen. Die Arbeitsgemeinschaft Selbständige veröffentlichte eine Stellungnahme gegen die Abschaffung der straffreien Rente nach 45 Beitragsjahren und stellte sich damit direkt gegen Klingbeil und Bärbel Bas, die das Rentenpaket unterstützt hatten. Sogar die SPD-Ministerpräsidenten Manuela Schwesig und Olaf Lies haben sich von den Rentenreformplänen distanziert. Der Unterbezirksvorstand Bielefeld sandte einen offenen Brief an Bas und Klingbeil und stellte ein Ultimatum: Sie müssten sich entscheiden, ob sie Parteivorsitzende oder Minister sein wollten. Die Arbeitsgruppe Migration und Vielfalt, die in der Partei eine relativ kleine Rolle spielt, forderte einen Sonderparteitag zur Wahl einer neuen Führung.
Gregory Scholz, Landessekretär des SPD-Landesverbands Rheinland-Pfalz, sagte, er könne die grundsätzliche Kritik verstehen, bestand aber darauf, dass Auseinandersetzungen intern bleiben sollten.
Es bringt nichts, sich öffentlich zu streiten. Vielmehr muss es um gute und faire Lösungen für die Mitte der Gesellschaft gehen.
Scholz räumte ein, dass Kompromisse in einer Koalitionsregierung notwendig seien, fügte aber hinzu, dass es keine Kompromisse um jeden Preis geben dürfe.
Klingbeil verteidigt den Koalitionskurs
Klingbeil nutzte seinen Auftritt in Haßloch, um sich gegen Forderungen nach einem Sonderparteitag zu wehren und die Richtung der schwarz-roten Koalition zu verteidigen. Er stellte den Moment in historischen Zusammenhang und fragte, was die Partei in fünf oder zehn Jahren antworten werde, wenn sie gefragt werde, was sie getan habe, als Rechtsextremisten in Deutschland die Macht übernehmen wollten. Er sagte, es gehe nicht um Sonderparteitage, sondern um die langfristige Ausrichtung der SPD.
Wir müssen Kompromisse machen, liebe Leute.
Klingbeil argumentierte, dass ein Festhalten am Status quo keine Option sei, und verwies auf viereinhalb Jahre ohne Wirtschaftswachstum und Gewerkschaftsvertreter aus der Industrie, die berichteten, dass Tausende von Arbeitsplätzen gestrichen würden.
Wenn Sie viereinhalb Jahre lang kein Wirtschaftswachstum hatten, wenn die Vertreter der Gewerkschaften aus der Industrie vor Ihnen stehen und sagen, bei uns werden Tausende von Arbeitsplätzen gestrichen, dann können Sie als Sozialdemokrat sich nicht zurücklehnen und sagen, wir tun nichts.
Er sagte, die Partei müsse innerhalb der Koalition hart kämpfen bei Gesundheit, Rente und Steuern, und die Umfrageschwäche der SPD sei seit Wochen ein Thema.


