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Sächsische Schwimmbäder lehnen verpflichtendes Bronze-Abzeichen für den Einlass ab und verweisen auf unzuverlässige Kompetenznachweise und Ertrinkungsrisiken

Städtische Schwimmbäder in Leipzig, Dresden und Chemnitz werden die Einlassregeln für unbegleitete Minderjährige nicht verschärfen und stellen sich damit gegen ein andernorts in Deutschland praktiziertes Modell, das ein Bronze-Schwimmabzeichen voraussetzt.

Die Entscheidung vor Ort

Die drei größten Städte Sachsens haben sich dagegen entschieden, ein Bronze-Schwimmabzeichen für Kinder und Jugendliche zur Pflicht zu machen, die ohne Begleitung eines Erwachsenen öffentliche Bäder besuchen. Eine Umfrage bei den Betreibern in Leipzig, Dresden und Chemnitz bestätigte, dass die Einrichtungen für alle Besucher unabhängig von formalen Qualifikationen zugänglich bleiben. Diese Haltung steht im Kontrast zu den Regeln in einigen anderen deutschen Kommunen, in denen unbegleitete Unter-16-Jährige nachweisen müssen, dass sie mindestens 15 Minuten am Stück schwimmen können.

Warum Abzeichen als unzuverlässig gelten

Beamte in Chemnitz argumentierten, dass ein Zertifikat keinen verlässlichen Einblick in die aktuelle Fähigkeit oder das Verhalten eines Kindes im Wasser biete. Eine Stadtsprecherin merkte an, dass ein Teil der Aufsichtspflicht im Bad bereits bei der Begleitperson liege, die mindestens 16 Jahre alt sein müsse, wenn das Kind unter neun Jahre alt ist. Leipzig fügte hinzu, dass die Kontrolle von Schwimmpässen logistisch problematisch sei und Besucher ausschließen könnte, deren Fähigkeiten sich durch Alter und Übung tatsächlich verbessert haben.

Schwimmabzeichen erlauben keine verlässlichen Rückschlüsse auf die aktuelle Schwimmfähigkeit oder das Verhalten im Wasser.

Stadtsprecherin Chemnitz

Das allgemeine Schwimmdefizit

Daten der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) unterstreichen das Ausmaß der Herausforderung. Rund 60 Prozent der Viertklässler sind noch keine sicheren Schwimmer und erfüllen nicht den Bronze-Standard. Während die meisten Kinder in diesem Alter das vorläufige „Seepferdchen“-Abzeichen besitzen, erlaubt es ihnen nur, sich kurzzeitig über Wasser zu halten, und lässt sie im Wasser sehr unsicher agieren. Der sächsische Landesverband der DLRG räumte ein, dass eine Bronze-Voraussetzung prinzipiell die Sicherheit erhöhen könnte, da sie das Ausdauerschwimmen, sicheres Springen, Orientierung unter Wasser und die Kenntnis der Baderegeln zertifiziert.

Die Gefahr der Verlagerung

Der Geschäftsführer der DLRG Sachsen, Sebastian Knabe, warnte, dass strengere Zugangsbeschränkungen für Schwimmbäder ältere Kinder und Jugendliche an unbewachte Seen und offene Gewässer treiben könnten, die weitaus gefährlicher seien als beaufsichtigte Bäder. Er forderte Kommunen, Schulbehörden und die Landesregierung auf, den Schwimmunterricht auszubauen und den Erwerb von Abzeichen zu erleichtern, insbesondere während der Freibadsaison.

Wer höhere Anforderungen für den Zugang zu Schwimmbädern stellt, muss gleichzeitig sicherstellen, dass Kinder und Jugendliche eine unkomplizierte Möglichkeit haben, schwimmen zu lernen und Schwimmabzeichen zu erwerben.

Wie Bäder die Sicherheit aktuell managen

Anstatt auf Einlassverbote setzen die sächsischen Bäder auf aktive Aufsicht. Rettungsschwimmer in Leipzig beobachten die Schwimmer und sprechen Personen an, denen es offensichtlich an den nötigen Fähigkeiten mangelt; in Zweifelsfällen müssen Schwimmhilfen getragen werden. Der Dresdner Betreiber erklärte, er sehe derzeit keinen Bedarf für eine Verschärfung der Regeln, bleibe aber in regelmäßigem Austausch mit anderen Bäderbetrieben und werde reagieren, falls sich die Umstände ändern.

Leipzig · Dresden · Chemnitz

3 Quellen

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