
Was wäre, wenn der Mond verschwände? Wissenschaftler kartieren die katastrophale Kettenreaktion für die Erde
Am Internationalen Mondtag skizzieren Forscher des DLR und der Royal Museums Greenwich, wie der plötzliche Verlust des Mondes die Jahreszeiten, Küstenökosysteme und die Rotation des Planeten entwirren würde.
Ein Stabilisator für die Erdneigung
Die Schwerkraft des Mondes wirkt als Stabilisator für die Erdachse, die derzeit um etwa 23,5 Grad relativ zur Umlaufbahn geneigt ist. Ohne den Mond würde die Neigung weit weniger stabil werden, so Berechnungen der Royal Museums Greenwich. Sie könnte dramatisch schwanken, was zu extremen jahreszeitlichen Verschiebungen führen würde. Stünde die Achse nahezu senkrecht, würden die Jahreszeiten praktisch verschwinden. Eine stärkere Neigung könnte glühende Sommer, brutale Winter oder sogar Eiszeiten in verschiedenen Regionen bringen.
Gezeiten würden schwächer und das Küstenleben würde zusammenbrechen
Der Mond ist der Hauptantrieb der Gezeiten. Martin Knapmeyer vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) erklärt, dass die Sonne ebenfalls die Gezeiten beeinflusst, aber ihre Wirkung ist nur etwa halb so stark wie die des Mondes.
Die Sonne beeinflusst ebenfalls die Gezeiten, aber ihre Wirkung ist nur etwa halb so stark wie die des Mondes.
Ohne den Mond würden die Gezeiten massiv abnehmen. Küstenökosysteme, die auf den regelmäßigen Gezeitenwechsel angewiesen sind, würden grundlegend verändert. Arten wie Muscheln, Seesterne, Schnecken und viele Krebstiere könnten ihre Lebensräume verlieren. Da die Gezeiten auch Meeresströmungen antreiben, die die Wärme um den Globus verteilen, könnten die Temperaturunterschiede zwischen den Regionen extremer werden.
Erdrotation und die Verlängerung des Tages
Über Milliarden von Jahren hat die Gravitationskraft des Mondes die Erdrotation allmählich von nur wenigen Stunden auf heute etwa 24 Stunden verlangsamt. Wenn der Mond plötzlich entfernt würde, würde dieser Bremseffekt aufhören, aber es gäbe keine Kraft, die den Planeten wieder beschleunigt.
Wenn wir den Mond jetzt wegbeamen würden, würde dieser Bremseffekt aufhören – aber es gäbe keine Kraft, die die Erdrotation wieder beschleunigt.
Knapmeyer merkt an, dass die Tageslänge zunächst unverändert bliebe. Über sehr lange Zeiträume jedoch würden die Gezeitenkräfte der Sonne die Erdrotation weiter verlangsamen, möglicherweise bis eine Seite des Planeten ständig der Sonne zugewandt ist, ähnlich wie der Mond der Erde immer dieselbe Seite zeigt.
Dunklere Nächte und gestörtes Wildtierleben
Die Tierwelt würde die Konsequenzen sofort spüren. Viele nachtaktive Arten orientieren sich am Mondlicht oder haben ihr Jagd- und Fortpflanzungsverhalten an die Mondphasen angepasst. Ohne den Mond wären die Nächte deutlich dunkler. Manche Raubtiere hätten Schwierigkeiten, Beute zu finden, während andere Arten von der zunehmenden Dunkelheit profitieren könnten. Der plötzliche Verlust dieser himmlischen Lichtquelle würde sich durch die Nahrungsnetze ziehen.
Ein wissenschaftlich fundiertes Gedankenexperiment
Das Szenario wird von mehreren deutschen Medien anlässlich des Internationalen Mondtages untersucht, der jährlich am 20. Juli begangen wird, um an die erste bemannte Mondlandung im Jahr 1969 zu erinnern. Die NASA hat erklärt, dass die Erde ohne ihren natürlichen Satelliten eine völlig andere Welt wäre. Während einige Effekte wie dunklere Nächte und schwächere Gezeiten sofort spürbar wären, würden sich andere, wie Veränderungen der Achsenstabilität und Rotation, über viel längere Zeiträume entfalten. Der Mond umkreist die Erde in einer durchschnittlichen Entfernung von etwa 384.400 Kilometern und spielt trotz fehlender nennenswerter Atmosphäre eine entscheidende Rolle für die Aufrechterhaltung des Lebens auf der Erde.

