
Kanye West tritt in der Algarve auf, obwohl der israelische Botschafter wegen antisemitischer Äußerungen die Absage fordert
Tausende füllten am Freitag das Estádio do Algarve in Loulé für Kanye Wests erstes Portugal-Konzert seit 15 Jahren – trotz der Forderung des israelischen Botschafters Oren Rozenblat, die Show wegen der antisemitischen und nazi-verharmlosenden Äußerungen des Rappers abzusagen.
Konzert im Algarve-Stadion
Kanye West, der jetzt als Ye auftritt, betrat am Freitagabend die Bühne des Estádio do Algarve in Loulé vor einem fast vollen Stadion mit Tausenden überwiegend jungen Fans. Die Show begann 45 Minuten später als geplant und dauerte etwa zwei Stunden, in denen der Rapper 39 Songs aus seinem Repertoire spielte, darunter „American Boy“, „I Can't Wait“, „Stronger“ und „Gold Digger“. West erschien in Rot gekleidet mit verdecktem Gesicht und trat auf einer rotierenden Weltkugel auf, die auf dem Spielfeld platziert war, umgeben von Lichteffekten und Feuerwerk. Er spielte auch einen Song gemeinsam mit seiner Tochter North West. Das Konzert enthielt keine kontroversen Botschaften, und viele Fans, die das Stadion verließen, beschrieben die Erfahrung mit Worten wie „Erleichterung“ statt „Kontroverse“ oder „Schande“.
Das Konzert war Teil einer internationalen Tournee zu „Bully“, Wests zwölftem Studioalbum, das im März erschien. Die Tickets kosteten zwischen 119 und 500 Euro. Die Produktion verbot professionelles Fotoequipment, erlaubte nur Mobiltelefonkameras – eine Einschränkung, die die Arbeit der anwesenden Pressefotografen stark beeinträchtigte. Der Veranstalter beschrieb West als „eine unvermeidliche Figur der globalen Musik, die die Grenzen von Hip-Hop, Musikproduktion und Popkultur neu definiert hat“.
Diplomatischer Druck zur Absage
Am Donnerstag veröffentlichte der israelische Botschafter in Portugal, Oren Rozenblat, eine Videobotschaft in den sozialen Medien, in der er die Absage des Konzerts forderte und Wests Teilnahme an einer portugiesischen Veranstaltung als „Schande“ für Portugal bezeichnete. Rozenblat bezog sich auf Äußerungen Wests in den letzten Jahren, darunter antisemitische Bemerkungen, Verschwörungstheorien über die jüdische Gemeinschaft und Nazi-Apologien. Der Botschafter zitierte West mit den Worten „Ich mag Hitler“ und „Ich bin ein Nazi“ sowie der Behauptung, „Sklaverei sei eine Wahl gewesen“. Rozenblat charakterisierte diese Aussagen als Hassrede, die „Millionen von Nachkommen der Opfer der Sklaverei“ beleidige.
- Debüt beim Cool Jazz Fest in Oeiras
- Sudoeste-Festival in Zambujeira do Mar
- Estádio do Algarve, Loulé
Konzerte derselben Tournee wurden in mindestens sechs Ländern abgesagt, motiviert durch Hassreden gegen Juden und Frauen sowie durch Wests Lobpreisung Hitlers. West entschuldigte sich in diesem Jahr und führte seine Äußerungen auf eine bipolare Störung zurück, eine Diagnose, die bei ihm gestellt worden sei. Der Observador merkte an, dass das letzte Jahrzehnt in Wests Leben besonders turbulent gewesen sei – von seiner Bipolaritätsdiagnose über Opioid- und Lachgasabhängigkeiten, seine Scheidung von Kim Kardashian bis hin zu seiner Kandidatur für die US-Präsidentschaft.
Fans trennen Kunst vom Künstler
Trotz der Kontroversen verteidigten Fans, die zum Stadion kamen und nach der Show gingen, die Veranstaltung. Ein Fan sagte gegenüber SIC, das Konzert sei „unglaublich“ gewesen und bezeichnete West als „außergewöhnlichen Künstler“. Ein anderer sagte, man unterscheide „das, was er sagt, von der Musik, die er macht“ und fügte hinzu, es sei gut, dass das Konzert nicht abgesagt wurde. Ein vor dem Stadion wartender Fan meinte, „der Künstler und die Kunst sollten getrennt werden“, während ein anderer argumentierte, „jeder verdient eine zweite Chance“ und Wests jüngste Haltung zeige, dass er sich ändern wolle.
Rückkehr nach 15 Jahren
Der Auftritt am Freitag war Wests dritter in Portugal. Er trat erstmals 2006 beim Cool Jazz Fest in Oeiras auf und kehrte 2011 zum Sudoeste-Festival in Zambujeira do Mar zurück – eine Zeit, die der Observador als Höhepunkt seiner imperialen Phase beschrieb, nach der Veröffentlichung von „My Beautiful Dark Twisted Fantasy“. Dieses Album gewann den Grammy für das beste Rap-Album. Wests Debütalbum „The College Dropout“ erschien 2004, gefolgt von „Late Registration“ (2005), „Graduation“ (2007) und dem Gospelalbum „Jesus Is King“ (2019), das nach der Umbenennung in Ye veröffentlicht wurde.
- Mindestpreis
- 119 €
- Höchstpreis
- 500 €
Der nächste Tourstopp des Rappers ist Kasachstan, die Tour kehrt später in diesem Monat in die Vereinigten Staaten zurück.


