
Kanada bittet USA und Mexiko formell um Verlängerung des nordamerikanischen Handelsabkommens um 16 Jahre vor der Juli-Frist
Dominic LeBlanc, Kanadas Minister für US-Handel, sandte seinen Amtskollegen in den USA und Mexiko einen Brief, in dem er eine Verlängerung des USMCA um weitere 16 Jahre empfiehlt – just als Präsident Trump erneut davon spricht, Kanada zum 51. Bundesstaat zu machen.
Der formelle Antrag
Kanada hat die USA und Mexiko am Dienstag offiziell von seinem Wunsch in Kenntnis gesetzt, das Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada (USMCA) um weitere 16 Jahre zu verlängern. Dominic LeBlanc, Kanadas Minister für US-Handel, sandte am 1. Juni ein entsprechendes Schreiben an die US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer und Mexikos Wirtschaftsminister Marcelo Ebrard, in dem er die Empfehlung Ottawas übermittelte. LeBlanc und Kanadas Chefhandelsunterhändlerin Janice Charette waren am Dienstag in Washington zu einem Treffen mit Greer, das kanadische Beamte als langwierig und positiv beschrieben.
Das Abkommen ist für jedes unserer Länder und die integrierte nordamerikanische Wirtschaft von großem Nutzen.
Der Brief kommt vor der für den 1. Juli angesetzten Überprüfung des USMCA, der neuesten Version eines nordamerikanischen Freihandelsabkommens, das die Volkswirtschaften der drei Nationen seit den frühen 1990er Jahren miteinander verflochten hat. Das 2020 in Kraft getretene Abkommen verlangt, dass die drei Unterzeichnerstaaten bis zum 1. Juli mitteilen, ob sie den Pakt überprüfen oder sich aus ihm zurückziehen wollen. Stimmen alle drei Länder vor diesem Datum einer Verlängerung zu, verlängert sich der Pakt automatisch um weitere 16 Jahre. Andernfalls beginnt ein Zeitraum jährlicher Überprüfungen, der ein Jahrzehnt dauert, bevor ein mögliches Auslaufen droht.
Mexiko unterstützt die Verlängerung
Mexiko unterstützte den kanadischen Vorschlag. In einem ebenfalls auf den 1. Juni datierten und von Wirtschaftsminister Marcelo Ebrard unterzeichneten Schreiben erklärte Mexiko, seine Position sei es, den Vertrag um weitere 16 Jahre zu verlängern und Vereinbarungen anzustreben, die allen drei Nationen in gegenseitigem Respekt und Konsens nützen. Mexiko betonte, der Vertrag biete wirtschaftliche Stabilität, Rechtssicherheit und sei ein Treiber für die Anziehung ausländischer Direktinvestitionen gewesen. Mexiko hatte bereits am 27. Mai eine offizielle Verhandlungsrunde mit den USA begonnen, die bisher ohne nennenswerte Fortschritte blieb.
Trumps Druck und die Rhetorik vom 51. Bundesstaat
Der diplomatische Vorstoß fällt mit erneuten Provokationen von Präsident Donald Trump zusammen. Am Montag postete Trump auf seiner Plattform Truth Social „51st State!“ und verlinkte dabei auf einen Nachrichtenartikel, der berichtete, dass Kanada sich in einer technischen Rezession befinde. Der Beitrag wurde später vom US-Botschafter in Kanada, Pete Hoekstra, erneut geteilt. Trump hat wiederholt erklärt, das Abkommen bringe den USA wenig Nutzen, und es als „irrelevant“ bezeichnet – obwohl er das USMCA während seiner ersten Amtszeit unterzeichnet und gelobt hatte. Seine Regierung hat im Laufe des letzten eineinhalb Jahres signalisiert, dass sie keine einfache automatische Verlängerung wünsche und erhebliche Änderungen anstrebe.
Ich kann nicht glauben, dass ich das schon wieder sagen muss, aber Kanada wird niemals der 51. Bundesstaat sein. Kanada ist nicht zu verkaufen.
Premierminister Mark Carney räumte am Dienstag beim Betreten des Kabinettssaals einige Schwächen der kanadischen Wirtschaft ein. Carney sagte, die USA hätten etwa 30 verschiedene Handelskonflikte mit Kanada, verglichen mit fast 60 mit Mexiko. Auf die Frage, ob Botschafter Hoekstra das Land verlassen sollte, lehnte Carney dies ab und erklärte, die Regierung sei eine, mit der Kanada aufgrund des Ausmaßes der Handels- und Sicherheitsbeziehungen zusammenarbeiten müsse. Er fügte hinzu, seine Regierung werde nicht auf alles reagieren, was Trump in den sozialen Medien poste.
Was als nächstes passiert
Die USA könnten das Abkommen mit einer sechsmonatigen Kündigungsfrist aufkündigen, oder der Pakt könnte zu jährlichen Überprüfungen übergehen, oder er kann um weitere 16 Jahre verlängert werden. LeBlanc hatte zuvor gewarnt, dass das Freihandelsabkommen jährlichen Überprüfungen unterzogen werden könnte und dass Unsicherheit das Ziel der Trump-Administration sein könnte. Carney merkte an, dass die Möglichkeit einer neuen Partnerschaft bestehe. Das USMCA hat es Kanada und Mexiko ermöglicht, vielen protektionistischen Maßnahmen Trumps zu entgehen, da viele Waren unter das Abkommen fallen, obwohl spezifische Zölle auf Aluminium und andere Produkte weiterhin schädlich für die integrierte nordamerikanische Wirtschaft sind.
- USMCA tritt in Kraft und ersetzt NAFTA
- Mexiko beginnt offizielle Verhandlungsrunde mit den USA
- Kanada und Mexiko senden Briefe mit formellem Antrag auf 16-jährige Verlängerung
- LeBlanc und Charette treffen sich mit USTR Greer in Washington
- Frist für alle drei Länder, ihre Absicht zur Überprüfung oder zum Rückzug zu bekunden


