
Peter Kadirus kurzfristiger WBA-Titelkampf endet mit einem Abbruch in der sechsten Runde gegen Murat Gassiew in Moskau
Der 29-jährige Deutsche sprang kurzfristig als Ersatz für den verletzten Tony Yoka ein, wurde aber vom russischen Champion dominiert und musste nach einer Minute der sechsten Runde die Aufgabe seines Ecks hinnehmen.
Kurzfristiger Einsatz
Peter Kadiru reiste wenige Tage vor dem Kampf nach Moskau, nachdem der französische Olympiasieger Tony Yoka seinen WBA-Schwergewichtstitelkampf gegen Murat Gassiew wegen einer Rückenverletzung abgesagt hatte. Es war die erste WM-Chance in der Karriere des 29-Jährigen.
Kadiru, geboren in Hamburg, verbrachte einen Teil seiner Amateur- und frühen Profilaufbahn in Schwerin, wo er ab 2013 ein Sportgymnasium besuchte und unter der deutschen Trainerlegende Michael Timm trainierte, während er für den BC Traktor Schwerin boxte. Die Chance, erst der dritte deutsche Schwergewichts-Weltmeister zu werden, war – so kurz die Vorbereitung auch war – der größte Abend seines Lebens.
Gassiew gibt das Tempo vor
Vom ersten Gong an setzte der Champion seine Physis durch. Der ehemalige Weltmeister im Cruisergewicht, der zu Hause kämpfte, setzte seine Kraft ein, um den Druck aufrechtzuerhalten. Kadiru, ein Linksausleger, kämpfte zu passiv und fand sich immer wieder an den Seilen wieder. Gassiew bearbeitete den Körper und zehrte an der Kondition des Herausforderers.
Die ersten drei Runden gingen klar an den Champion. Kadiru fand nicht den richtigen Zeitpunkt, um dem Druck des Russen zu begegnen, und konnte nie ernsthaft eine Runde für sich entscheiden.
- Gassiew dominiert, Kadiru zu passiv, gibt alle drei Runden klar ab
- Kadiru erhöht das Tempo, kassiert aber schwere Treffer und wird oft in die Ecken gedrängt
- Trainer Christian Morales wirft das Handtuch, Abbruch
Kadiru versuchte, in der vierten und fünften Runde das Tempo zu erhöhen, aber die zusätzliche Aggressivität öffnete defensive Lücken. Gassiew landete immer schwerere Treffer und Kadiru taumelte mehrmals, jedes Mal vom nachsetzenden Champion in eine Ecke gedrängt.
Handtuch fliegt in der sechsten Runde
Eine Minute nach Beginn der sechsten Runde, als Kadiru sichtlich geschwächt und unter Dauerbeschuss stand, stieg Trainer Christian Morales auf den Ringboden und warf das Handtuch. Es war ein technischer K.o., die zweite Niederlage in Kadirus 25 Profikämpfen.
Der Abbruch bescherte Gassiew seine erste erfolgreiche Titelverteidigung, seit die WBA ihn vom „regulären“ zum vollwertigen Champion erhoben hatte. Morales bezeichnete die Entscheidung später als notwendig, um die langfristige Gesundheit seines Kämpfers zu schützen.
Austragung in Moskau löst politische Kritik aus
Die Tatsache, dass ein WM-Kampf in der russischen Hauptstadt stattfand, rief in Deutschland scharfe Kritik hervor. Das Staatsministerium für Sport und Ehrenamt hatte gewarnt, die Veranstaltung könnte angesichts des anhaltenden groß angelegten russischen Einmarschs in der Ukraine für Propagandazwecke genutzt werden. Kadirus Lager, sich des Aufruhrs bewusst, betonte, dass ihr Fokus rein auf dem Sport lag.
Die Niederlage verwehrte Kadiru dennoch einen Platz unter der Schwergewichts-Elite. Deutschland hatte zuvor nur zwei Schwergewichts-Weltmeister gefeiert, und das Land hatte Hoffnungen in die kurzfristige Chance gesetzt.
Silberstreif am deutschen Schwergewichtshimmel
Gassiews Gürtel kam durch eine größere Umstrukturierung zustande. Oleksandr Usyk hatte kürzlich die Schwergewichtstitel niedergelegt, was der WBA ermöglichte, Gassiew zum vollwertigen Champion zu erheben. Im Zuge derselben Neuordnung wurde der deutsche Schwergewichtler Agit Kabayel zum WBC-Champion gekrönt. So hinterließ eine schwierige Nacht für Kadiru dem Land dennoch einen Schwergewichts-Weltmeister.


