
Italienische Aktivisten aus Qusra evakuiert, US-Botschafter bezeichnet Siedler als 'Terroristen'
Fünf italienische Aktivisten wurden aus belagerten Häusern in Qusra im Westjordanland evakuiert, während US-Botschafter Mike Huckabee die Siedler als 'israelische Terroristen' bezeichnete und Israels Verteidigungsminister die Übertragung ziviler Polizeiaufgaben von der IDF an die israelische Polizei anordnete.
Die Belagerung von Qusra
Seit Sonntag, dem 9. August, belagern israelische Siedler palästinensische Häuser im Dorf Qusra südlich von Nablus im Westjordanland. Sie errichteten Lager vor drei Häusern am Rande des etwa 5.000 Einwohner zählenden Dorfes. Die Siedler blockierten eine Zufahrtsstraße und unterbrachen die Wasser- und Stromversorgung der eingeschlossenen Familien. Mindestens eines der belagerten Häuser gehört Qusay Abu Ridi, einem Palästinenser mit US-Staatsbürgerschaft, dessen Bruder die Belagerung aus den Vereinigten Staaten angeprangert hat. Fünf italienische Aktivisten (vier Frauen und ein Mann im Alter zwischen 20 und 40) befanden sich seit dem ersten Tag aus Solidarität in den Häusern bei den palästinensischen Familien. Das italienische Außenministerium beobachtet die Lage über seine Kriseneinheit in Abstimmung mit dem Konsulat in Jerusalem und der Botschaft in Tel Aviv.
Evakuierung der Italiener
Am Morgen des 14. August evakuierte die israelische Grenzpolizei die fünf Italiener aus dem belagerten Gebäude. Anschließend wurden sie auf Anweisung der IDF in ein nicht belagertes palästinensisches Haus in Qusra gebracht. Informierte Quellen teilten AGI mit, dass die Italiener das Haus ohne Probleme und ohne Gewaltanwendung verlassen hätten. Eine als Magda (ein aus Sicherheitsgründen verwendetes Pseudonym) identifizierte Aktivistin sagte ANSA, dass zwei kleine Kinder in den vorangegangenen Tagen von einem Krankenwagen evakuiert worden seien, der auch Lebensmittel und Wasser geliefert habe. Vier Männer und zwei Frauen blieben am 14. August im Gebäude.
Siedler kehren zurück, israelische Aktivisten abgewiesen
Magda berichtete, dass am frühen 14. August eine kleine Gruppe jüdischer Extremisten in den Hof des Hauses zurückkehrte und das Zelt wieder aufstellte, das in den vorangegangenen Tagen von israelischen Sicherheitskräften abgebaut worden war. Daraufhin trafen vier Soldaten ein, sprachen mit den Siedlern und gaben ihnen Zeit zum Gehen. Später entfernten weitere Militärangehörige das Zelt. Etwa 50 israelische Aktivisten kamen mit einer palästinensischen Flagge und Lebensmitteln, aber Soldaten wiesen sie ab, weil das Gebiet zur militärischen Sperrzone erklärt worden war. Den Italienern wurde gesagt, sie könnten am Samstag um 10 Uhr zurückkehren, aber ein anderer Militärbeamter informierte sie, dass das Gebiet bis März 2027 militärische Sperrzone bleiben würde. Als die Aktivisten fragten, wie die Familie an Vorräte kommen solle, antwortete das Militär, die Familie habe auch die Möglichkeit zu gehen.
- Siedler errichten Lager vor drei Häusern in Qusra, blockieren Zufahrt und unterbrechen Wasser- und Stromversorgung
- Zwei kleine Kinder per Krankenwagen evakuiert, der auch Lebensmittel und Wasser an die belagerten Familien lieferte
- US-Botschafter Mike Huckabee nennt Siedler 'israelische Terroristen' und ihr Vorgehen 'ekelhafte' Terrorakte
- Israelische Grenzpolizei evakuiert fünf Italiener; Siedler stellen Zelt wieder auf, Soldaten bauen es ab; Gebiet bis März 2027 zur militärischen Sperrzone erklärt
Reaktionen der USA und Israels
Die Beteiligung eines US-Bürgers veranlasste das Weiße Haus, die diplomatische Vertretung in Jerusalem zu kontaktieren und um ein Eingreifen zu bitten. Am Donnerstag, dem 13. August, unterzeichnete der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, ein Dokument, in dem er die Siedler als 'israelische Terroristen' bezeichnete und ihr Vorgehen als 'ekelhaft' und 'schreckliche Terrorakte' beschrieb. Es gebe 'keine Rechtfertigungen für diejenigen, die sich so kriminell verhalten'. Israels Verteidigungsminister Israel Katz ordnete an, dass die IDF einen Plan zur Übertragung ziviler Polizeiaufgaben im Westjordanland an die israelische Polizei vorbereiten solle, nachdem das Militär für sein Vorgehen während der Belagerung kritisiert worden war.
Die Aufgabe der Armee ist es, den palästinensischen Terrorismus zu bekämpfen und nicht junge Extremisten auf den Hügeln zu jagen.
Eingeschlossene Bewohner melden sich zu Wort
Abd al-Karim Hassan, der mit seiner Familie von den Extremisten, die nach Qusra kamen, eingeschlossen wurde, prangerte die Untätigkeit der israelischen Behörden an.
Die Juden haben mir ein Messer an die Kehle gesetzt. Meine Frau und meine Kinder sind Gefangene im Haus. Jeden Tag gehe ich zur israelischen Polizei, aber mir wird gesagt, ich solle mich nicht nähern und sie nicht anfassen.
Die IDF entsandte zunächst Bataillone, um die illegalen Außenposten abzubauen, hat aber inzwischen einen Teil ihrer Truppen abgezogen. Das Dorf Qusra liegt in Zone A, die nach den Osloer Abkommen unter palästinensischer Zivilverwaltung steht. Laut il Giornale ordnen die 1.430 Angriffe jüdischer Extremisten im Jahr 2026 die Belagerung von Qusra in ein breiteres Muster von Siedlergewalt im Westjordanland ein. Israelische Soldaten bereiteten sich darauf vor, 15 palästinensische Häuser im Dorf zu evakuieren, so derselbe Bericht.


