
Fünf Italiener aus belagerter palästinensischer Ortschaft Qusra im Westjordanland evakuiert
Die israelische Grenzpolizei hat fünf italienische Aktivisten aus einem palästinensischen Haus in Qusra südlich von Nablus evakuiert, wo Siedler die Familie seit sechs Tagen belagern. Die Italiener sind nun in einem nahegelegenen Haus in Sicherheit, während vier Männer und zwei Frauen ohne Strom und Wasser im Haus eingeschlossen bleiben.
Belagerung von Qusra
Israelische Siedler haben palästinensische Häuser in der Ortschaft Qusra südlich von Nablus im Westjordanland, 75 Kilometer von Jerusalem entfernt, belagert. Fünf italienische Aktivisten befanden sich unter den Eingeschlossenen. Die Italiener, vier Frauen und ein Mann im Alter zwischen 20 und 40 Jahren, waren seit Sonntag dort, um „Solidarität zu zeigen“, wie die Repubblica berichtete. Sie wohnten bei Qusay Abu Ridi, einem palästinensischen Bewohner mit US-Staatsbürgerschaft; sein Bruder hat die Belagerung aus den Vereinigten Staaten gemeldet. Unter den italienischen Aktivisten hatten einige bereits Erfahrung in Palästina, während andere zum ersten Mal dort waren, so Il Fatto Quotidiano. Das italienische Außenministerium hat die Lage über seine Kriseneinheit in Abstimmung mit dem Konsulat in Jerusalem und der Botschaft in Tel Aviv beobachtet. Elf Personen befanden sich in den belagerten Häusern, darunter die fünf Italiener.
Evakuierung der Italiener
Am Morgen des 14. August evakuierte die israelische Grenzpolizei die fünf Italiener aus dem belagerten Haus. Sie verließen das Haus „ruhig“, ohne Gewalt oder Zwischenfälle, wie informierte Kreise der Nachrichtenagentur ANSA mitteilten. Die Aktivisten sind nun Gäste im Haus eines palästinensischen Freundes an einem anderen Ort in Qusra, wo keine Siedler präsent sind. Eine Aktivistin, die aus Sicherheitsgründen unter dem Pseudonym Magda bekannt ist, schilderte der ANSA ihre Erfahrungen.
Wir waren von Anfang an bei der palästinensischen Familie, die in Qusra von Siedlern belagert wurde, es war Sonntag. Wir waren hingekommen, um die Lage zu sehen und zu verstehen, dann kamen die Extremisten und stellten das Zelt im Hof der Villa auf. Wir blieben bei der Familie. Heute Morgen hat uns die israelische Grenzpolizei evakuiert.
Bedingungen in den belagerten Häusern
Die beiden kleinen Kinder der Familie wurden in den letzten Tagen von einem Krankenwagen evakuiert, der auch Lebensmittel und Wasser brachte. Stand 14. August befinden sich noch vier Männer und zwei Frauen im Gebäude. Die Häuser haben keinen Strom und kein Wasser, wie Tgcom24 berichtete. Die Siedler kamen ab dem frühen Morgen, zunächst drei oder vier, dann wurden es jeden Tag mehr, unbehelligt. Die Belagerung hat die Aufmerksamkeit der Vereinigten Staaten auf sich gezogen, und der Mediendruck auf Israel wächst.
- Fünf italienische Aktivisten treffen in Qusra ein; Siedler errichten ein Zelt im Hof des Hauses von Qusay Abu Ridi
- Zwei kleine Kinder werden mit einem Krankenwagen evakuiert, der auch Lebensmittel und Wasser liefert
- Siedler kehren zurück und stellen das Zelt wieder auf; vier Soldaten geben ihnen Zeit zu gehen; weitere Truppen bauen das Zelt erneut ab
- Etwa 50 israelische Aktivisten bringen Lebensmittel und eine palästinensische Flagge; Soldaten weisen sie ab, Gebiet wird zur militärischen Sperrzone erklärt; Grenzpolizei evakuiert fünf Italiener
- Frankreich verurteilt die Siedlerbesetzung palästinensischer Häuser und fordert Israel auf, die Täter festzunehmen
Siedler, Soldaten und Aktivisten
Magda berichtete, dass am Morgen des 14. August eine kleine Gruppe jüdischer Extremisten in den Hof zurückkehrte und das Zelt wieder aufstellte, das die israelischen Sicherheitskräfte zuvor abgebaut hatten. Daraufhin kamen vier Soldaten, sprachen mit den Siedlern und gaben ihnen Zeit zu gehen. Weitere Militärangehörige entfernten das Zelt anschließend erneut, so ein Sprecher der israelischen Armee (IDF). Etwa 50 israelische Aktivisten kamen mit einer palästinensischen Flagge und Lebensmitteln, aber die Soldaten wiesen sie ab, nachdem das Gebiet zur militärischen Sperrzone erklärt worden war. Qusay Abu Ridi sagte der Times of Israel, die Grenzpolizei habe die Aktivisten daran gehindert, das Gelände zu betreten und die Lebensmittel zu übergeben.
Heute Morgen kamen etwa 50 israelische Aktivisten, sie hatten eine palästinensische Flagge, sie brachten Lebensmittel, aber dann wurden sie von den Soldaten weggeschickt, weil das Gebiet zur militärischen Sperrzone erklärt worden war.
Wie es weitergeht
Den Italienern wurde gesagt, sie könnten am Samstagmorgen um 10 Uhr zurückkehren, aber ein anderer Soldat teilte ihnen mit, dass das Gebiet bis März 2027 militärische Sperrzone bleibe. Als die Aktivisten das Militär fragten, wie die Familie an das Nötigste kommen solle, antworteten die Soldaten, die Familie habe auch die Möglichkeit zu gehen. Frankreich verurteilte die Siedlerbesetzung palästinensischer Häuser; ein Sprecher des französischen Außenministeriums (Quai d'Orsay) forderte die israelischen Behörden auf, die Verantwortlichen festzunehmen und strafrechtlich zu verfolgen. Tgcom24 berichtete, dass Kardinal Pizzaballa am 15. August eine Messe in Taybeh feiern wird.

