
Italien schlägt 15-Punkte-Reform der Straßenverkehrsordnung vor: Führerschein mit 17, Überholen auf der rechten Spur, progressive Geschwindigkeitsstrafen
Das italienische Verkehrsministerium hat über 100 Betreibern und Verbänden 15 vorgeschlagene Änderungen der Straßenverkehrsordnung vorgelegt, darunter einen Führerschein mit 17, Überholen auf der rechten Spur auf dreispurigen Autobahnen und progressive Geschwindigkeitsstrafen von 10 € pro km/h über dem Limit.
Progressive Geschwindigkeitsstrafen
Das Ministerium für Infrastruktur und Verkehr (Mit) hat vorgeschlagen, das derzeitige System der Geschwindigkeitsstrafen durch ein progressives Modell zu ersetzen, das die Strafen enger an die Schwere des Verstoßes koppelt. Auf Autobahnen sieht der Vorschlag einen festen Zuschlag von 10 € pro km/h über dem Limit von 130 km/h vor: Ein Fahrer, der mit 140 km/h unterwegs ist, würde 100 € zahlen, während einer, der mit 170 km/h erwischt wird, also 40 km/h über dem Limit, eine Strafe von 400 € zahlen müsste. Auf innerstädtischen und Landstraßen mit Limits von 50 oder 30 km/h würde der Zuschlag 5 € pro km/h über dem Grenzwert betragen. Das Prinzip, so das Ministerium, ist, dass eine Überschreitung der Geschwindigkeitsbegrenzung um wenige km/h nicht das gleiche Risiko birgt wie das Fahren mit wesentlich höheren Geschwindigkeiten. Die Reform fordert auch ein Ende der automatischen inflationsbedingten Erhöhungen von Bußgeldern.
- 140 km/h (10 über)
- 100 €
- 170 km/h (40 über)
- 400 €
Neue Regeln für Autobahnen und Motorradfahrer
Ein Vorschlag würde den Parallelverkehr auf dreispurigen Autobahnen und Schnellstraßen einführen, was effektiv das Überholen auf der rechten Spur erlaubt. Motorradfahrer würden neue Schutzmaßnahmen auf Autobahnen erhalten, darunter die Möglichkeit, bei Unfällen oder starken Verlangsamungen die Standspur zu nutzen, sofern die Durchfahrt für Rettungsfahrzeuge stets gewährleistet ist. Die Bußgelder für Parkverstöße von zweirädrigen Fahrzeugen würden nach den Vorschlägen halbiert.
Jüngere Fahrer, E-Bikes und nicht versicherte Fahrzeuge
Das Reformpaket würde das Mindestalter für den Führerschein der Klasse B (patente B) von 18 auf 17 Jahre senken. Für sogenannte "Super-Bikes", die häufig von Lieferfahrern genutzten Kleinkrafträder, schlägt das Ministerium Helmpflicht und eine Kennzeichenplakette vor. Das Vorgehen gegen nicht versicherte Fahrzeuge würde durch Datenabgleiche der Motorizzazione ein "digitales Fahrverbot" schaffen: Bei der ersten Verkehrskontrolle, wenn der Fahrer seinen Versicherungsstatus nicht reguliert hat, könnte das Fahrzeug sofort beschlagnahmt werden. Das Paket zielt auch auf verlassene Fahrzeuge und städtische Verwahrlosung ab.
Bußgelder, Garantien und Beitreibung von ausländischen Fahrern
Die Vorschläge zielen darauf ab, Bußgelder einfacher und verhältnismäßiger zur tatsächlichen Schwere der Verstöße zu gestalten, während sie härtere Sanktionen für nicht versicherte Fahrzeuge vorsehen. Sanktionszuschläge für unregelmäßige Zahlungen würden reduziert. Das Benachrichtigungsfenster für Bußgelder aufgrund von Fernüberwachung, wie Geschwindigkeitskameras und ZTL-Kameras, würde von 90 auf 30 Tage verkürzt. Das Ministerium schlägt auch vor, den Rechtsweg zum Präfekten zu stärken und das Selbstschutzverfahren zur Anfechtung fehlerhafter Strafzettel zu vereinfachen, mit größerer Verhältnismäßigkeit bei geringfügigen Zahlungsfehlern. Unbezahlte Bußgelder ausländischer Fahrer könnten innerhalb von fünf Jahren nach dem Verstoß durch Zwangsvollstreckung gegen jeden Fahrer, der das betreffende Fahrzeug in Italien führend angetroffen wird, beigetrieben werden.
Behindertenparkplätze und kommunale Pflichten
Die Gemeinden wären verpflichtet, der Cude-Plattform beizutreten, dem europäischen Parkausweis für Menschen mit Behinderungen. Nicht konforme Gemeinden würden die Möglichkeit verlieren, Fernüberwachungsgeräte für Verstöße im Zusammenhang mit reservierten Parkplätzen und ZTL-Zonen einzusetzen.
Das Konsultationsverfahren wurde von Infrastruktur- und Verkehrsminister Matteo Salvini eingeleitet, der die 15 Arbeitshypothesen an über 100 Betreiber und Branchenverbände sandte. Das Ministerium erklärte sein Ziel in einer Mitteilung:
einen Text zu erarbeiten, der den Bedürfnissen der Autofahrer so nahe wie möglich kommt, wobei die Verkehrssicherheit Priorität hat


