Bayerischer Landtag debattiert über heimische Imam-Ausbildung zur Bekämpfung von Extremismus und „importiertem Islam“
Ein Bildungsausschuss in München hörte Forderungen nach einem staatlich geförderten Programm, das akademische Theologie mit Gemeindearbeit verbindet, während die Abgeordneten einen jahrzehntealten Streit wieder aufgreifen.
Eine alte Debatte neu aufgelegt
Der Bildungsausschuss des Bayerischen Landtags befasste sich in einer Anhörung am 9. Juli 2026 mit der Frage, ob der Freistaat seine eigenen Imame ausbilden sollte. Die Idee ist seit Jahrzehnten ein politischer Zankapfel, und die Sitzung wurde durch einen Antrag der Grünen für ein öffentlich gefördertes Aus- und Fortbildungsprogramm für Imame und islamische Religionsbedienstete ausgelöst. Experten und Gemeindevertreter legten Argumente dafür vor, über die derzeitige Abhängigkeit von Geistlichen aus dem Ausland hinauszugehen.
Der Status quo: im Ausland ausgebildete Prediger
Viele bayerische Moscheen werden von Imamen betreut, die im Ausland ausgebildet wurden und – im Fall des Ditib-Netzwerks – von der türkischen Religionsbehörde Diyanet bezahlt werden. Diese Praxis, so Kritiker, fördere Parallelstrukturen und eine Entfremdung von der deutschen Gesellschaft. Professor Tarek Badawia von der Universität Erlangen-Nürnberg stellte die Wahl als die zwischen „einem importierten Islam“ und „einem aus westeuropäischer Perspektive“ dar. Seine Universität bietet bereits einen Bachelorstudiengang in islamisch-religiösen Studien an, der jedoch keine vollständige Imam-Qualifikation darstellt.
- Islamkolleg Deutschland (IKD) in Osnabrück gegründet
- Ditib beginnt mit der Ausbildung von Imamen an seiner Akademie in Dahlem
- Syrer-Deutscher wegen Hassrede in Weidener Moschee verurteilt
- Bildungsausschuss des Bayerischen Landtags debattiert über Imam-Ausbildung
- Erste Absolventen des neuen Kooperationsprogramms von Ditib und IKD erwartet
Was die Grünen wollen
Im Zentrum des Antrags der Oppositionspartei steht die Schaffung eines bayerischen Ausbildungswegs, der Imame befähigt, ihre Gemeinden zu beraten und zu unterstützen. Der Antrag besteht auch darauf, dass aus dem Ausland entsandte Imame an speziellen Integrationskursen teilnehmen und sich ausdrücklich zu den Werten der freiheitlichen demokratischen Grundordnung bekennen müssen. Ziel des Antrags ist es, den Einfluss extremistischer Kräfte auf Moscheen und Gemeindezentren im Freistaat zu verringern.
Stimmen aus der Anhörung
„Schaffen wir einen Imam ‚made in Bavaria‘.“
Yerli, eine Religionspädagogin und Vizepräsidentin der Islamischen Gemeinde Penzberg, plädierte für ein Modell, das wissenschaftliche Fundierung mit praktischer Gemeindearbeit verbindet. Ähnlich warnte der Weidener Imam Maher Khedr vor Predigern, die sich Predigten einfach aus dem Internet herunterladen: „Solche Reden mögen nach Saudi-Arabien oder in die Emirate passen, aber nicht in dieses Land.“ Khedr, selbst Absolvent des Islamkollegs Deutschland in Osnabrück, erinnerte an den Fall vom Oktober 2023 in seiner eigenen Stadt, wo ein Syrer-Deutscher wegen Volksverhetzung verurteilt wurde, weil er von einer Moscheekanzel aus judenfeindliche Hetze verbreitet hatte. Er sieht in einer ordentlichen Ausbildung den besten Schutz vor religiösem Extremismus.
Bestehende Modelle und Lücken
Bundesweit gibt es bereits einige Strukturen. Das bundesgeförderte Islamkolleg Deutschland (IKD), Ende 2019 gegründet, bietet einen überkonfessionellen, deutschsprachigen Imam-Kurs an. Seit 2020 betreibt das Ditib-Netzwerk eine eigene Akademie in Dahlem und kooperiert nun mit dem IKD bei einem neuen Programm, dessen erste Absolventen für 2027 erwartet werden. Bayern hingegen hat keine vergleichbare Einrichtung – eine Lücke, die, so die Redner, den Staat von teilweise unausgebildeten oder kontextblinden Personal abhängig mache. Badawia fasste die Vernachlässigung zusammen: „Imame bilden die wichtigste religiöse und erzieherische Autorität in muslimischen Gemeinschaften, was leider bisher völlig übersehen wurde.“


