IG Metall startet ‚heißen Sommer‘ mit Protesten bei Mercedes gegen Kostenkürzungen und Verlagerung
Tausende Mercedes-Benz-Beschäftigte legen am Freitag an mehreren deutschen Standorten die Arbeit nieder, während die IG Metall gegen die verschärften Sparmaßnahmen des Autobauers und die Entscheidung, die Produktion eines Schlüsselmodells nach Ungarn zu verlagern, protestiert.
Proteste in ganz Deutschland
Tausende Mercedes-Benz-Beschäftigte legen am Freitag in den Werken Sindelfingen, Untertürkheim, Rastatt, Kuppenheim, Bremen, Berlin, Hamburg und Germersheim die Arbeit nieder. IG Metall-Vorsitzende Christiane Benner wird in Düsseldorf zu den Beschäftigten sprechen. Die Gewerkschaft bezeichnet die Aktionen als Auftakt einer längerfristigen Kampagne.
Die IG Metall und die Beschäftigten der Hersteller und Zulieferer werden den Unternehmenslenkern der Automobilindustrie einen heißen Sommer und Herbst bereiten, solange sie weiterhin auf Stellenabbau und Verlagerung setzen, anstatt nach echten Lösungen zu suchen.
Sparmaßnahmen
Den Protesten vorausgegangen war ein Vorstandsrundschreiben an die Belegschaft Ende vergangener Woche, in dem mitgeteilt wurde, dass rund 90.000 der 108.000 Beschäftigten in Deutschland im Juli eine erwartete tarifliche Sonderzahlung nicht erhalten werden. Die jährliche „Transformationskomponente“ in Höhe von 18,4 Prozent eines regulären Monatsgehalts wurde auf das nächste Jahr verschoben. Der Vorstand erklärte, das Unternehmen müsse „die Kosten weiterhin mit hohem Druck senken“, um preislich wettbewerbsfähig zu bleiben.
Trotz aller Bemühungen ist die Lage in Deutschland heute dramatisch.
- Mercedes-Vorstand informiert Beschäftigte über Sparmaßnahmen und verschiebt Sonderzahlung.
- Medienberichte enthüllen, dass Mercedes Produktion der kleinen G-Klasse nach Ungarn verlagert.
- IG Metall hält Proteste an mehreren deutschen Standorten ab.
Produktionsverlagerung nach Ungarn
Verschärfend kommt hinzu, dass Medienberichte vom Donnerstag enthüllten, dass Mercedes die Produktion der für 2027 geplanten kleinen G-Klasse im Werk in Kecskemét, Ungarn, statt in Rastatt fertigen will. Der Schritt ist Teil eines Effizienzprogramms, das eine Senkung der Produktionskosten um 10 Prozent vorsieht. Nach einer rund eine Milliarde Euro teuren Erweiterung soll die Kapazität des ungarischen Werks auf 300.000 bis 400.000 Fahrzeuge pro Jahr steigen – damit könnte es künftig rund 30 Prozent der europäischen Mercedes-Produktion abdecken, doppelt so viel wie bisher. Weitere Volumenmodelle könnten folgen, während die Stückzahlen an den deutschen Standorten Sindelfingen, Rastatt und Bremen sinken sollen. Die Entscheidung fällt in einer Zeit, in der deutsche Autobauer massiv unter Druck stehen, Kosten zu senken; bei Mercedes ist die Standortwahl Teil einer breiteren Spar-Debatte, die auch Überlegungen zu längeren Arbeitszeiten bei gleichem Lohn umfasst, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Werke zu steigern.
Reaktionen von Gewerkschaft und Unternehmen
Die IG Metall wirft den Herstellern und Zulieferern vor, im vergangenen Jahr 50.000 Arbeitsplätze in der Branche gestrichen zu haben, und warnt vor weiteren Verlusten, wenn das Management weiterhin auf Stellenabbau und Verlagerung setze, anstatt nach echten Lösungen zu suchen.
Die Beschäftigten sind nicht schuld an dem Elend.
Ein Mercedes-Benz-Sprecher erklärte, das Unternehmen nehme die Sorgen der Beschäftigten ernst und wolle sie auch bei schwierigen Entscheidungen frühzeitig und transparent informieren.
Wir respektieren, dass der Betriebsrat seine Positionen zur Produktivitätsoffensive äußert.
Der Betriebsrat war im Vorfeld über die geplanten Proteste informiert worden. Die IG Metall kritisiert die Pläne scharf und argumentiert, dass die Maßnahmen einseitig zu Lasten der Beschäftigten gingen und zentrale tarifliche Errungenschaften in Frage stellten.

