
Zehntausende protestieren gegen Mercedes-Benz in ganz Deutschland – Pläne zur Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich
Mehr als 33.000 Mercedes-Benz-Mitarbeiter in ganz Deutschland traten am Freitag in den Ausstand, um gegen die Pläne des Managements zu protestieren, die Wochenarbeitszeit von 35 auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich zu erhöhen und andere Leistungen zu kürzen.
Bundesweite Ausstände
Am Freitag, den 3. Juli 2026, versammelten sich tausende Mercedes-Benz-Mitarbeiter an den Werkstoren von Sindelfingen bis Hamburg. Die Gewerkschaft IG Metall bezifferte die Teilnehmerzahl auf über 33.000; das Unternehmen schätzte rund 16.000. Proteste fanden an allen deutschen Mercedes-Standorten statt, darunter das S-Klasse-Werk in Sindelfingen, die Zentrale in Stuttgart-Untertürkheim sowie Standorte in Bremen, Berlin, Hamburg, Düsseldorf und Ludwigsfelde.
Was das Management vorschlug
In einem eine Woche zuvor an die Belegschaft versandten Schreiben erklärte der Vorstand, man müsse „die Kosten weiter mit Hochdruck senken“ und „die Arbeitsstunde muss billiger werden“. Der umstrittenste Punkt ist der Plan, die Wochenarbeitszeit von 35 auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich zu erhöhen. Als sofortige Maßnahme wurde eine tariflich vereinbarte Juli-Prämie für rund 90.000 der 108.000 deutschen Beschäftigten auf das nächste Jahr verschoben. Das Management will in den kommenden Wochen mit dem Betriebsrat über unbezahlte Mehrarbeit sprechen.
Die Art und Weise, wie die Entscheidung getroffen und kommuniziert wurde, ist nicht in Ordnung. Die Wucht und die Botschaft sind außergewöhnlich.
Widerstand der Gewerkschaft und politische Forderungen
IG-Metall-Chefin Christiane Benner bezeichnete die Maßnahmen in Düsseldorf als „einen koordinierten Generalangriff auf alle Beschäftigten der deutschen Automobilindustrie, wie wir ihn in Deutschland noch nie gesehen haben“. Sie betonte, der Schlüssel zu einer starken Autoindustrie liege in Investitionen in zukunftssichere Produkte, Standorte und Arbeitskräfte. Die Gewerkschaft forderte zudem „ein klares Signal“ der Regierung: Der industrielle Kern des Landes dürfe nicht ausgehöhlt werden, und es brauche eine aktive Industriepolitik, um den Wandel abzusichern.
Während die Aktionäre mehr als großzügig profitieren, sollen die Beschäftigten ihre vertraglich verbrieften Rechte opfern? Das kommt nicht in Frage!
Eine angeschlagene Branche
Der Protest kommt zu einer Zeit, in der die deutschen Autobauer Gegenwind verspüren. Mercedes-Benz meldete einen Gewinnrückgang im ersten Quartal um 17 Prozent auf 1,43 Milliarden Euro und machte dafür den schwierigen chinesischen Markt verantwortlich. Unterdessen plant Volkswagen Berichten zufolge bis zu 100.000 Stellenstreichungen weltweit und die Schließung von vier deutschen Werken. Die Beratungsgesellschaft EY errechnete, dass allein im vergangenen Jahr knapp 50.000 Arbeitsplätze in der deutschen Automobilindustrie verloren gingen, womit sich die Gesamtzahl der Stellenstreichungen seit 2019 auf 111.000 beläuft.
Wie es weitergeht
Die IG Metall kündigte an, dass in den kommenden Wochen ähnliche Proteste bei anderen Automobilherstellern und Zulieferern geplant seien, unter anderem bei Volkswagen. Die Gewerkschaft warnte vor einem „heißen Sommer und Herbst“ und signalisierte, dass die Konfrontation um Arbeitszeiten und Arbeitsplatzsicherheit noch lange nicht vorbei sei. Mercedes seinerseits erklärte, man nehme die Sorgen der Beschäftigten ernst und wolle auch bei schwierigen Entscheidungen transparent kommunizieren.


