
Zwei Eurostar-Züge bei belgischer Hitzewelle evakuiert – Oberleitung reißt, Hunderte sitzen fest
Hunderte Fahrgäste wurden am Freitag aus zwei Eurostar-Zügen evakuiert, nachdem technische Störungen und ein Oberleitungsriss sie bei glühender Hitze in Belgien festsitzen ließen.
Hitzewelle überfordert Schieneninfrastruktur
Das belgische Schienennetz geriet am Freitag unter Druck, als eine erbarmungslose Hitzewelle zwei separate Eurostar-Pannen auslöste, die jeweils rund 400 Fahrgäste strandeten und die Anfälligkeit der Hochgeschwindigkeitsinfrastruktur gegenüber extremen Temperaturen offenbarte. Die Vorfälle ereigneten sich, während fast das gesamte Land unter einer roten oder orangefarbenen Hitzewarnung stand, die Thermometer in mehreren Regionen über 35 °C und lokal im Osten bis zu 40 °C stiegen.
Zug 9326/9426 bei Löwen gestoppt
Die erste Störung ereignete sich gegen 10:45 Uhr, als der Eurostar-Zug 9326/9426 von Köln nach Paris nahe der Tivoli-Brücke im Löwener Vorort Heverlee zum Stillstand kam. Die Ursache ist noch unbestätigt; der Betreiber sprach lediglich von einem „technischen Vorfall“. Rettungskräfte und das Rote Kreuz eilten zum Ort des Geschehens und verteilten Wasser im Rahmen des belgischen Hitzeschutzplans Solstice. Drei Fahrgäste wurden vorsorglich in das Universitätskrankenhaus Gasthuisberg gebracht; Löwens Polizeisprecher Marc Vranckx erklärte, ihr Zustand sei nicht ernst. Die übrigen Reisenden wurden in einen Ersatzzug umgesetzt und zum Bahnhof Löwen gebracht, um ihre Reise fortzusetzen.
Die Fahrgäste wurden in voller Sicherheit evakuiert. Es wurden selbstverständlich Wasserflaschen verteilt.
Zweiter Zusammenbruch bei Duffel
Am frühen Nachmittag ereilte einen Paris–Amsterdam-Eurostar in der Nähe von Duffel, unweit von Antwerpen, ein ähnliches Schicksal. Diesmal war eine gerissene Oberleitung der Übeltäter – das Oberleitungskabel, das die Züge mit Strom versorgt. Infrabel erklärte, dass die extreme Hitze die Drähte ausdehnen und durchhängen lässt, was sie anfällig für Risse macht. Der Bruch unterbrach nicht nur die Stromversorgung des Antriebssystems, sondern auch die Klimaanlage, sodass die Fahrgäste in überhitzten Waggons eingeschlossen waren.
Zeitplan der Störungen
Die Abfolge der Bahnnotfälle am Freitag verdeutlicht, wie schnell eine Hitzewelle durch vernetzte Infrastruktur eskalieren kann.
- 10:45 Uhr – Eurostar 9326/9426 Köln–Paris stoppt nahe Tivoli-Brücke, Löwen; 400 Fahrgäste evakuiert, drei ins Krankenhaus.
- Früher Nachmittag – Paris–Amsterdam-Eurostar bei Duffel gestrandet, nachdem Oberleitungsdraht gerissen; Strom und Klimaanlage ausgefallen.
Folgeauswirkungen auf den belgischen Inlandsverkehr
Der stillgelegte Eurostar blockierte die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Lüttich und Löwen. Zwei SNCB-Züge von Eupen nach Ostende waren dahinter festgesetzt; sie konnten später zum Bahnhof Ans zurückfahren. Der Zugverkehr wurde auf die Strecke Hasselt–Löwen umgeleitet, die jedoch bereits durch eine frühere Kollision zwischen einem Zug und einem Traktor in Hasselt beeinträchtigt war.
Zwei Züge von Eupen nach Ostende steckten hinter dem Eurostar fest, konnten aber zum Bahnhof Ans zurückkehren. Wir leiten den Verkehr über die Strecke Hasselt–Löwen um, die selbst bereits durch eine Kollision zwischen einem Zug und einem Traktor in Hasselt gestört ist. Diese beiden Vorfälle zusammen verursachen Verspätungen.
Auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Löwen und Lüttich ist ein Gleis gesperrt. Züge können weiterhin auf der regulären Strecke fahren, sodass die Auswirkungen auf den Regelverkehr gering sind.
Eurostar entschuldigte sich für das, was es als „äußerst schwierige Situation“ bezeichnete, und betonte, dass sich letztlich um alle Fahrgäste gekümmert wurde. Der Betreiber gab nicht sofort bekannt, wann die volle Normalität zurückkehren würde.


