
Extreme Hitze schmilzt Schienenfüllmaterial und stoppt Straßenbahnen in Nürnberg und Leipzig
Bitumen und Fugenmörtel, die durch Temperaturen nahe 40 °C erweicht wurden, haben die Straßenbahnnetze in Nürnberg und Leipzig zur Einstellung des Betriebs gezwungen. Auch Autobahnen und Bahnstrecken gaben unter der Belastung nach.
Nürnberger Straßenbahnen stehen still
Alle Straßenbahnlinien in Nürnberg blieben am Montag eingestellt, nachdem die extreme Hitze am Wochenende das Bitumen-Füllmaterial zwischen den Schienen und dem Asphalt aufgeweicht hatte. Die zähflüssige Masse blieb an Straßenbahnrädern und Weichen haften und stellte ein Entgleisungsrisiko dar. Ersatzbusse und Taxis bringen Fahrgäste zu den U-Bahn-Stationen an den Außenästen, müssen jedoch am Straßenrand statt an den Straßenbahnhaltestellen halten, da dort noch Bitumen vorhanden ist.
Der technische Leiter der VAG, Tim Dahlmann-Resing, warnte vor der Gefahr.
Es kann passieren, dass Straßenbahnen entgleisen. Besonders an den Weichen haben wir ein großes Problem. Wenn diese zähflüssige Masse zwischen die Weichen oder auf die Weichenzungen gelangt, können wir die Weichen nicht mehr stellen.
Die Reinigungsarbeiten sind aufwändig und müssen von Hand erledigt werden, meist nachts, wenn die Temperaturen sinken. Ein VAG-Sprecher beschrieb das Material.
Diese Masse ist wie Kaugummi.
Leipziger Netz durch verklebte Weichen lahmgelegt
Auch das Straßenbahnsystem in Leipzig ist seit dem Wochenende außer Betrieb. Hohe Temperaturen ließen den Fugenmörtel für Asphalt und Beton in die Weichen laufen und verklumpen, was einen sicheren Betrieb unmöglich machte. LVB-Mitarbeiter arbeiteten über Nacht, um die Verstopfungen zu beseitigen und die Bahnen zu reinigen, doch am Montagmorgen wurde nur ein Rumpfnetz versucht, ein regulärer Betrieb war nicht möglich.
Ein LVB-Sprecher sagte, die Busse würden so normal wie möglich fahren, während S-Bahnen, der Flexa-Sammeltaxidienst und Sharing-Angebote wie Leihfahrräder und E-Scooter als Alternativen zur Verfügung stünden.
Weitere Verkehrsschäden in ganz Bayern
In Südbayern entwickelte ein Abschnitt der Autobahn A93 zwischen Weiden-Süd und Luhe-Wildenau eine Aufwölbung, bei der sich die Betonfahrbahn nach oben wölbte. Rund 100 Kilometer östlich verzogen sich die Bahngleise zwischen Cham und Bad Kötzting so stark, dass die Oberpfalzbahn auf diesem Abschnitt nicht mehr fahren konnte. In Würzburg, wo am Sonntag in zwei Stadtteilen der Straßenbahnverkehr ausgefallen war, fuhren die Züge am Montagmorgen wieder normal.
Reinigung und steigende Kosten
Die VAG schätzt, dass die Hitzeschäden mehrere hunderttausend Euro kosten werden. Pro Tag können zwei Schienenfahrzeuge gereinigt werden, sodass ein Großteil der Flotte noch außer Betrieb ist. Dahlmann-Resing betonte die Außergewöhnlichkeit des Ausfalls.
Die Entscheidung, den Straßenbahnbetrieb vorübergehend einzustellen, wurde nicht leichtfertig getroffen, aber die Sicherheit unserer Fahrgäste und Mitarbeiter hat für uns jederzeit oberste Priorität.
Aufruf zur Klimaanpassung
Dahlmann-Resing bezeichnete den Zusammenbruch als sowohl außergewöhnlich als auch als Indikator des Klimawandels. Er sagte, die Verkehrsbetriebe bräuchten Unterstützung von Bund und Ländern, um die Infrastruktur für künftige Hitzeextreme anzupassen, und deutete an, dass die VAG technischen Rat aus Ländern wie Spanien und Südfrankreich einholen werde, wo hohe Temperaturen alltäglicher sind.
Die Verkehrsunternehmen brauchen Hilfe von Bund und Ländern, damit wir diesen Wandel schaffen.
- Temperaturen erreichen in Bayern fast 40 °C; alle Straßenbahnen in Nürnberg, Leipzig und in zwei Stadtteilen Würzburgs werden eingestellt.
- Oberpfalzbahn stellt Verkehr zwischen Cham und Bad Kötzting aufgrund verzogener Gleise ein; Aufwölbung der A93 zwischen Weiden-Süd und Luhe-Wildenau.
- Nächtliche manuelle Reinigung beginnt in Nürnberg und Leipzig; Würzburger Straßenbahnen nehmen morgens den regulären Betrieb wieder auf.
- Nürnberg hofft auf teilweise Wiederaufnahme des Straßenbahnverkehrs am Nachmittag, Linien 4 und 10 könnten nach Mitternacht fahren; Leipzig versucht ein Rumpfnetz.


