Hendrik Hering verlässt den Landtag von Rheinland-Pfalz nach 25 Jahren, um als Rechtsanwalt zu arbeiten
Der 62-jährige frühere Landtagspräsident wird Ende August einer Kanzlei in Koblenz als Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht beitreten und damit ein Vierteljahrhundert im Mainzer Landtag beenden.
Übergang in die private Anwaltspraxis
Hendrik Hering, der langjährige Präsident des Landtags von Rheinland-Pfalz, verlässt Ende August 2026 die Politik. Der 62-jährige SPD-Abgeordnete gab seine Entscheidung der Deutschen Presse-Agentur in Mainz bekannt und bestätigte, dass er einer Wirtschaftskanzlei in Koblenz als Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht beitreten wird. Hering, der ausgebildeter Jurist und Rechtsanwalt ist, war insgesamt 25 Jahre lang gewähltes Mitglied des Landtags in Mainz und zehn Jahre lang Parlamentspräsident. Sein Ausscheiden beendet seine parlamentarische Laufbahn, sein Mandat geht an Thomas Mockenhaupt, einen Politiker aus dem Westerwald und ehemaligen Mitarbeiter in Herings Büro, über. Mit Blick auf sein Alter und seine Entscheidung, beruflich noch einmal neu zu beginnen, betonte Hering seine persönliche Einstellung, aktiv zu bleiben.
Man muss sich trauen, etwas Neues zu wagen und sich selbst herauszufordern, dann bleibt man jung.
Fünfundzwanzig Jahre in der Landespolitik
Hering wurde im Westerwald geboren, wo er auch heute noch lebt. Er begann seine politische Laufbahn auf kommunaler Ebene als Bürgermeister von Hachenburg, bevor er in den Landtag nach Mainz gewählt wurde. Seine erste Amtszeit im Landtag dauerte von 1996 bis 2001, gefolgt von einer Rückkehr ins Parlament von 2006 bis 2026. In dieser Zeit sammelte Hering in mehreren Kabinettsposten Regierungserfahrung. Er war Staatssekretär in den Ministerien für Umwelt und Inneres, bevor er 2006 zum Wirtschaftsminister des Landes ernannt wurde. 2011 übernahm er den Vorsitz der SPD-Landtagsfraktion. Dieses Amt behielt er bis 2014, als eine von Ministerpräsidentin Malu Dreyer initiierte Kabinettsumbildung aufgrund von Kontroversen um die staatlich finanzierte Erweiterung der Rennstrecke Nürburgring zu seinem Rücktritt führte.
- Zieht in den Landtag von Rheinland-Pfalz für seine erste fünfjährige Amtszeit ein
- Kehrt in den Landtag zurück und wird zum Wirtschaftsminister ernannt
- Übernimmt den Vorsitz der SPD-Landtagsfraktion in Mainz
- Tritt im Zuge einer Kabinettsumbildung aufgrund des Nürburgring-Projekts von der Fraktionsführung zurück
- Tritt das Amt des Landtagspräsidenten von Rheinland-Pfalz an
- Beendet seine Amtszeit als Landtagspräsident, als SPD und CDU eine große Koalition bilden
- Kündigt seinen Rücktritt aus dem Parlament an, um einer Koblenzer Kanzlei für Bau- und Architektenrecht beizutreten
Landtagspräsidentschaft und jüngste Koalitionswechsel
2016 übernahm Hering das Amt des Landtagspräsidenten und leitete die parlamentarischen Verfahren bis zur Bildung einer neuen Landesregierung im Mai 2026. Dieser Regierungswechsel führte in Rheinland-Pfalz den Übergang von einer Drei-Parteien-Koalition zur ersten großen Koalition zwischen SPD und CDU herbei. Nach dem Koalitionspakt im Mai einigten sich die beiden Regierungsparteien darauf, den landeseigenen Lotteriebetreiber Lotto Rheinland-Pfalz umzustrukturieren, indem zwei Geschäftsführerpositionen geschaffen und Hering für einen der Führungsposten vorgesehen wurde. Diese Regelung stieß auf scharfe öffentliche Kritik, woraufhin Hering die Ernennung ablehnte und sich beruflich neu orientierte, außerhalb der öffentlichen Verwaltung.
Fortgesetzte bürgerschaftliche und bildungspolitische Engagements
Trotz seines Ausscheidens aus dem Landtagsamt und der Landesverwaltung beabsichtigt Hering, mehrere regionale Führungsrollen ehrenamtlich zu behalten. Er wird weiterhin als Vorsitzender des Verbandes der Volkshochschulen von Rheinland-Pfalz fungieren. Darüber hinaus bleibt er Vorsitzender des Vorstands des Europahauses in Bad Marienberg. Das 1951 gegründete internationale Begegnungs- und Bildungszentrum für die politische Jugend- und Erwachsenenbildung gilt als die älteste Europahaus-Einrichtung in Europa. Sein Nachfolger im Landtag, Thomas Mockenhaupt, wird sein freiwerdendes Mandat vor der nächsten Landtagssitzung übernehmen.


