
UK-Regulierer zwingt Google, Publishern Opt-out bei KI-Suchzusammenfassungen zu ermöglichen – weltweit erstes Urteil
Die britische Wettbewerbs- und Marktaufsichtsbehörde (CMA) hat Google neue Verhaltensauflagen erteilt und den Tech-Riesen verpflichtet, Publishern zu erlauben, ihre Inhalte von KI-gestützten Suchfunktionen auszuschließen, ohne in den regulären Suchergebnissen benachteiligt zu werden.
Das Urteil
Die britische Wettbewerbs- und Marktaufsichtsbehörde (CMA) hat Google mit neuen Verhaltensauflagen für seine Suchdienste belegt und nutzt dabei Befugnisse, die ihr unter dem britischen Digital Markets, Competition and Consumers-Regime zustehen. Die Regulierungsbehörde hatte Google im Oktober 2025 als Unternehmen mit „strategischem Marktstatus“ (SMS) eingestuft, im Januar 2026 eine Konsultation zu den Auflagen eröffnet und ist nun zu deren Durchsetzung übergegangen. Kernauflage ist, dass Publisher die Möglichkeit erhalten müssen, der Nutzung ihrer Inhalte in KI-gestützten Suchfunktionen – einschließlich KI-Übersichten und KI-Modus – zu widersprechen, ohne aus den regulären Suchergebnissen entfernt zu werden. Bisher riskierten Publisher, die widersprachen, bei der Standardsuche an Sichtbarkeit zu verlieren.
Da Funktionen wie KI-Übersichten die Online-Suche rasant verändern, ist es entscheidend, dass Inhalteanbieter, darunter Nachrichtenorganisationen, über angemessene Verhandlungsmacht darüber verfügen, wie ihre Inhalte genutzt werden.
Die CMA hat Google neun Monate Zeit gegeben, die Änderungen vollständig umzusetzen, und muss innerhalb des ersten Jahres zwei Compliance-Berichte vorlegen. Die Behörde kündigte zudem an, in den kommenden Wochen weitere Maßnahmen im Zusammenhang mit Googles Suchgeschäft bekanntzugeben.
Was Publisher gewinnen
Nach den neuen Regeln muss Google zudem sicherstellen, dass Publisher-Inhalte in KI-generierten Suchergebnissen ordnungsgemäß mit klaren Links zur Originalquelle gekennzeichnet werden. Die CMA erklärte, dies werde Verbrauchern helfen, die Herkunft von Informationen zu erkennen und deren Authentizität zu überprüfen. Die Behörde stellte die Entscheidung als Mittel dar, Publishern – insbesondere Nachrichtenorganisationen – eine stärkere Position bei Inhalteverhandlungen mit Google zu verschaffen.
Als weltweit erste Maßnahme erhalten Publisher nun wirksame Werkzeuge, um zu verhindern, dass ihre Inhalte für KI-Funktionen in der Suche wie KI-Übersichten genutzt werden.
Theo Bamber, Geschäftsführer der News Media Association, bezeichnete die Auflagen als bedeutenden Schritt zur Herstellung fairerer Wettbewerbsbedingungen und fügte hinzu, dass deren Erfolg von einer effizienten Umsetzung, einer robusten Durchsetzung und der Fähigkeit abhänge, die Regeln in einem sich schnell verändernden technologischen Umfeld anzupassen.
Googles Reaktion
Google hat als Reaktion auf das Urteil bereits damit begonnen, einem Teil der Website-Betreiber in Großbritannien neue Funktionen zur Verfügung zu stellen und plant, diese nach Tests weltweit einzuführen. Die erste Funktion ist ein neuer Schalter in der Search Console, der Publishern die Verwaltung der Nutzung ihrer Inhalte in KI-Suchtools ermöglicht. Websites, die vollständig widersprechen, erhalten keinen Traffic und keine Impressionen von generativen KI-Funktionen. Google versichert, dass diese Steuerungsmöglichkeit nicht als Ranking-Signal für Suchergebnisse außerhalb der KI-Suchfunktionen verwendet wird.
Mrinalini Loew, Leiterin des Google Search Ecosystems, bestätigte in einem Blogbeitrag, dass das Unternehmen mit dem Test einer neuen Steuerung begonnen habe, die es digitalen Publishern ermögliche, zu entscheiden, ob ihre Website in KI-generierten Antworten erscheine und zu diesen beitrage. Sie warnte jedoch, dass widersprechende Sites keinen Traffic oder Impressionen von diesen Funktionen erhalten würden.
Die Beschwerde der Publisher
Viele Publisher haben seit der Einführung von KI-generierten Zusammenfassungen oben in den Suchergebnissen durch Google einen starken Rückgang des Web-Traffics beklagt. Nutzer lesen oft die Zusammenfassung für die benötigten Informationen und klicken nicht auf die Website, was die Werbeeinnahmen schmälert. Publisher argumentieren zudem, dass KI-Modelle ihre Inhalte ohne wirtschaftliche Entschädigung nutzen und praktisch ihre Arbeit scrapen.
Laut CMA entfallen auf Google mehr als 90 % der digitalen Suchanfragen in Großbritannien; über 200.000 britische Unternehmen werben auf der Plattform. Der Schritt der Regulierungsbehörde zielt darauf ab, die Zwickmühle zu durchbrechen, in der Publisher steckten: Entweder sie verweigern das Crawling und verschwinden aus der Suche, oder sie erlauben es und füttern die KI-Systeme, die ihren Traffic verringern.
Ein anderes Regulierungsmodell
Der Rechtsrahmen unter dem britischen Digital Markets, Competition and Consumers-Regime erlaubt es der CMA, ein Unternehmen mit strategischem Marktstatus in einer digitalen Aktivität zu benennen und dann maßgeschneiderte, fortlaufende Verhaltensauflagen zu erlassen, anstatt jeden Missbrauch einzeln zu verklagen. Dies unterscheidet sich vom amerikanischen Modell, wo Kartellverfahren gegen Google über die Gerichte laufen und Abhilfemaßnahmen über Jahre hinweg von Fall zu Fall ausgehandelt werden. Der britische Ansatz ist regulatorisch und zukunftsorientiert, konzentriert jedoch erhebliches Ermessen bei der Regulierungsbehörde.
Die CMA untersucht auch Microsoft und Apple im Rahmen desselben SMS-Rahmens. Die im Paket enthaltenen Vorgaben zu Auswahlbildschirmen, die aus der EU-Kartellrechtsdurchsetzung bekannt sind, deuten darauf hin, dass die CMA praktische Hebel einsetzen will, die bereits andernorts Wirkung gezeigt haben.
- CMA stuft Google als Unternehmen mit strategischem Marktstatus bei der Suche ein
- CMA leitet Konsultation zu Verhaltensauflagen für Google ein
- CMA erlässt neue Verhaltensauflagen, darunter KI-Opt-out für Publisher
- Frist für die vollständige Umsetzung aller Änderungen durch Google (neun Monate)


