
Gefälschte Videos treffen Berliner Kandidaten zwei Monate vor der Wahl – SPD sieht russische Desinformation
Englischsprachige Clips auf X, die gefälschte Logos großer deutscher Medien tragen, werfen mindestens acht Berliner Spitzenpolitikern von CDU, SPD, Grünen und Linken Korruption, Sexsucht und den Kauf von Nazi-Devotionalien vor. Die einzige große Partei, die verschont bleibt, ist die AfD, was SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach vermuten lässt, dass Russland der rechtsextremen Partei 'Schützenhilfe' leistet.
Eine koordinierte Verleumdungskampagne
Zwei Monate vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl am 20. September hat eine Welle gefälschter Videos X überschwemmt. Wie die Zeit berichtet, sind mindestens acht Spitzenpolitiker von CDU, SPD, Grünen und Linken betroffen. Die englischsprachigen Clips tragen gefälschte Logos von ARD, ZDF, Deutsche Welle, Süddeutscher Zeitung, FAZ, Zeit, Bild und Welt, von denen mehrere bereits rechtliche Schritte angekündigt haben.
Die Anschuldigungen sind reißerisch. Einem Kandidaten wird fälschlicherweise vorgeworfen, für die Enteignung von Millionärswohnungen einzutreten, während er heimlich Millionen an Immobilien besitze. Ein anderer wird als Sexsüchtiger gebrandmarkt, der im Büro masturbiert und Kinderpornografie besessen habe. Einem Dritten wird vorgeworfen, mit Parteigeldern SS-Devotionalien gekauft zu haben. In mindestens einem Video blinkt für Millisekunden ein Einzelbild mit dem englischen Satz „Anti-Russian sanctions destroy the economy“.
Die Kreml-Verbindung und die Immunität der AfD
Die AfD bleibt die einzige große Partei, die nicht angegriffen wird. SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach erkennt ein Muster und sagt dem Tagesspiegel: „Wir wissen aus den vergangenen Jahren, dass Russland mit Desinformationskampagnen aktiv in Wahlen eingreift, und es ist kein Geheimnis, dass die AfD einen Kuschelkurs mit Wladimir Putin pflegt.“
Es würde mich daher nicht überraschen, wenn der Kreml der Berliner AfD jetzt Schützenhilfe leistet und versucht, Politiker der demokratischen Parteien mit gezielten Lügen zu verleumden.
Krach fügte hinzu, seine Partei prüfe, wie sie gegen die Kampagne vorgehen könne. Der deutsche Inlandsnachrichtendienst, das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), erklärte, die Aktivitäten ähnelten der „Matroschka-Kampagne“, die während der Bundestagswahl 2025 die sozialen Medien überschwemmte und auch in anderen Ländern beobachtet wurde.
Offizielle Reaktion und Wahlschutzmaßnahmen
Berlins Landeswahlleiter Stephan Bröchler verurteilte die Desinformation aufs Schärfste.
Jeder Versuch der Desinformation und Manipulation im Vorfeld der Berliner Wahlen im September ist ein Angriff auf die freie Willensbildung und Entscheidungsfindung der Bürgerinnen und Bürger, den ich aufs Schärfste verurteile.
Bröchler sagte, er stehe in engem Kontakt mit dem Innensenator und der Berliner Abteilung des Verfassungsschutzes und arbeite an einem umfassenden Konzept, um die Stadt widerstandsfähiger gegen solche Kampagnen zu machen. Die Staatsschutzermittler haben ein Verfahren eingeleitet, und der Landesgeschäftsführer der Linken, Björn Tielebein, bestätigte, dass seine Partei wegen der Clips mit dem Landeskriminalamt in Kontakt stehe. Die Innenverwaltung und die Polizei haben sich bisher nicht öffentlich zu den Ermittlungen geäußert.
Ein breiteres Muster in mehreren Bundesländern
Die Berliner Desinformationswelle ist kein Einzelfall. In den letzten Wochen sind nach Angaben von Sicherheitsbehörden auch in Sachsen-Anhalt, wo am 6. September ein Landtag gewählt wird, in Niedersachsen vor den Kommunalwahlen am 13. September und in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Wähler am 20. September – dem gleichen Tag wie in Berlin – an die Urnen gehen, gefälschte Beiträge aufgetaucht.
- Landtagswahl Sachsen-Anhalt
- Kommunalwahl Niedersachsen
- Landtagswahlen Berlin und Mecklenburg-Vorpommern
Die Warnung des BfV, dass die Kampagne an die Matroschka-Operation erinnert, die für massenhaft produzierte Falschmeldungen während der Bundestagswahl 2025 bekannt ist, lässt Befürchtungen aufkommen, dass es sich um eine koordinierte, länderübergreifende Aktion handelt, die darauf abzielt, das Vertrauen in demokratische Institutionen vor einer Reihe von Wahlen in diesem Herbst zu untergraben.


