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Ermittlungen zu Ricin-Vergiftung in Pietracatella: Familienfreundin wegen Strafvereitelung angezeigt – Chatverläufe zeigen verborgene Spannungen

Eine enge Familienfreundin ist wegen Strafvereitelung angezeigt worden, nachdem Chatprotokolle ihre wiederholten Beteuerungen, es habe keine familiären Spannungen gegeben, widerlegt haben. Der Fall betrifft die Todesfälle von Antonella Di Ielsi und ihrer Tochter Sara Di Vita im Dezember 2025.

Die Todesfälle in Pietracatella

Am 27. und 28. Dezember 2025 starben Antonella Di Ielsi (50) und ihre 15-jährige Tochter Sara Di Vita im molisischen Dorf Pietracatella. Der erste Verdacht fiel auf fünf Ärzte des Krankenhauses Cardarelli in Campobasso, doch eine Autopsie ergab Ricin, ein hochgiftiges pflanzliches Protein. Die Staatsanwaltschaft in Larino leitete daraufhin ein gesondertes Ermittlungsverfahren wegen heimtückischen Mordes durch Vergiftung ein und richtete den Fokus auf Familie und Bekannte.

Freundin wegen Strafvereitelung angezeigt

Eine Frau, die als enge Freundin der Familie Di Vita beschrieben wird, ist wegen „favoreggiamento“ (Beihilfe zur Strafvereitelung) angezeigt worden, nachdem Ermittler zu dem Schluss kamen, dass sie über familiäre Spannungen gelogen hatte. Sie wurde zwischen Januar und Juni 2026 dreimal als sachdienliche Zeugin auf dem Polizeipräsidium von Campobasso vernommen. Jedes Mal bestritt sie Streitigkeiten oder Disharmonie innerhalb des Haushalts. Objektive Beweise widersprachen später ihrer Darstellung. Die Frau, die nicht festgenommen wurde, muss sich nun einem gerichtlichen Verfahren stellen, weil sie die Ermittlungen wissentlich behindert haben soll.

Chatverläufe decken ihre Darstellung auf

Der Durchbruch gelang mit der Auswertung von Mobiltelefonen und anderen Geräten, die am 4. Mai bei den Opfern, bei ihrer Tochter und Schwester Alice Di Vita sowie im Familienhaus beschlagnahmt wurden. Aus diesen Geräten wiederhergestellte Chatverläufe zeigen, dass es tatsächlich Spannungen gab – ein direkter Widerspruch zu den wiederholten Beteuerungen der Freundin. Die Auswertung der Geräte ist noch nicht abgeschlossen und soll in den kommenden Wochen beendet werden.

Breites Netz an Befragungen

Ermittler der Mobilen Einsatzgruppe unter der Leitung von Marco Graziano haben inzwischen 160 formelle Vernehmungen durchgeführt, wobei viele Personen mehrfach vorgeladen wurden. Der Schwerpunkt hat sich von der Rekonstruktion dessen, was die Opfer aßen, hin zur Untersuchung familiärer Beziehungen und möglicher Motive verlagert. Mehrere Zeugen waren zurückhaltend mit Details – ein Muster, das dem Verhalten der Freundin ähnelt. Zu den wiederholt Befragten zählen mindestens zwei Personen aus dem engsten Umfeld der Opfer.

Nächste Schritte

Autopsieergebnisse und neue toxikologische Tests werden bis Ende Juni erwartet und sollen den genauen Zeitpunkt der Vergiftung klären. Die beiden wahrscheinlichsten Daten für die Verabreichung sind der 23. Dezember, als nur die Opfer bei den Mahlzeiten anwesend waren, und der 24. Dezember, als das Haus Dutzenden von Verwandten und Besuchern offen stand. Gianni Di Vita, der Ehemann und Vater, sowie Alice Di Vita wurden negativ auf Ricin getestet. Ein formeller Tatverdächtiger wurde bislang nicht benannt, aber die jüngste Entwicklung grenzt den Kreis der Verdächtigen ein.

Schlüsselereignisse im Ricin-Fall Pietracatella
  1. Antonella Di Ielsi stirbt
  2. Sara Di Vita stirbt
  3. Familienfreundin dreimal vernommen, bestreitet Spannungen
  4. Telefone und Geräte aus dem Familienhaus beschlagnahmt
  5. Freundin nach Chatverläufen, die Familienzwist offenbaren, wegen Strafvereitelung angezeigt
  6. Autopsie- und toxikologische Ergebnisse erwartet
Pietracatella

7 Quellen

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