
Thorsten Frei soll Unionsfraktion nach Spahns Leihmutterschaftsskandal führen
CDU- und CSU-Chefs schlagen Kanzleramtschef Thorsten Frei als Nachfolger von Jens Spahn vor, der nach einer Leihmutterschaftsaffäre zurückgetreten ist. Die Fraktion stimmt nächsten Mittwoch in Berlin ab.
Spahns Rücktritt wegen Leihmutterschaft
Jens Spahn trat am Samstag, dem 18. Juli, als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zurück, nachdem er und sein Ehemann Daniel Funke bekannt gegeben hatten, dass sie in den USA Eltern durch Leihmutterschaft geworden waren. Leihmutterschaft ist in Deutschland illegal, und Spahn hatte sich zuvor gegen ihre Legalisierung ausgesprochen, was scharfe Kritik aus den eigenen Reihen hervorrief. Der Rücktritt beendete Spahns Amtszeit, die von internen Spannungen und mehreren politischen Fehltritten geprägt war, darunter eine gescheiterte Wahl eines Verfassungsrichters im vergangenen Sommer und eine Debatte über die Rentenpolitik, die unter den Unionsabgeordneten außer Kontrolle geriet.
Frei als Nachfolger nominiert
Am Mittwoch, dem 22. Juli, schlugen CDU-Chef Friedrich Merz und CSU-Vorsitzender Markus Söder Thorsten Frei, den derzeitigen Kanzleramtschef, als Nachfolger für den Fraktionsvorsitz vor. Der 52-jährige Frei, Jurist und ehemaliger Bürgermeister von Donaueschingen, ist seit 2013 Mitglied des Bundestages und war während der Oppositionsjahre unter Merz Parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion. Merz bezeichnete Frei als jemanden, der einen entscheidenden Anteil am Erfolg der Regierungsarbeit und an der Stabilität der Koalition habe, und fügte hinzu, dass die Reformerfolge der letzten Wochen auch sein Verdienst seien.
Ich bitte die Fraktion um Zustimmung für Thorsten Frei, der einen entscheidenden Anteil am Erfolg der Regierungsarbeit und an der Stabilität der Koalition hat. Die Reformerfolge der letzten Wochen sind auch sein Verdienst.
Frei gilt weithin als Merz' treue rechte Hand. Die Nominierung wurde allen 208 CDU/CSU-Abgeordneten per SMS mitgeteilt, nachdem eine Videokonferenz mit dem Fraktionsvorstand stattgefunden hatte. Frei hatte schon lange Ambitionen auf den Posten; Merz hatte ihn ursprünglich ins Kanzleramt geholt, weil er nach der Wahlniederlage 2021 nur wenige vertraute Verbündete hatte.
Freis politisches Profil
Frei zog 2013 in den Bundestag ein und baute sich einen Ruf als fleißig, gut vernetzt und geschickt im Aushandeln von Kompromissen auf. Kollegen beschreiben ihn als freundlich im Ton, aber hart in der Sache. Als Parlamentarischer Geschäftsführer koordinierte er die Arbeit aller Facharbeitsgruppen und wurde ein gefragter Gast in Talkshows. Sein erstes Jahr als Kanzleramtschef zog jedoch Kritik auf sich: Manche sagten, er agiere weiterhin wie ein Fraktionsgeschäftsführer statt wie ein Regierungskoordinator, und sein einst makelloser Ruf habe gelitten.
Reaktionen aus der Koalition
Der Vorschlag stieß auf gemischte Reaktionen. Außenminister Johann Wadephul (CDU) nannte Frei „genau den richtigen Mann“ und sagte, er könne sich keine bessere Wahl vorstellen. Auch die brandenburgischen CDU-Abgeordneten begrüßten den Schritt; der Landesgruppenvorsitzende Sebastian Steineke sagte, Frei habe „immer ein offenes Ohr für uns“ und wisse, wie man die Fraktion organisiere.
FDP-Chef Wolfgang Kubicki reagierte jedoch ironisch und verwies auf die langjährige Unzufriedenheit in der Koalition mit dem Kanzleramt unter Frei.
Die koalitionsinterne Unzufriedenheit mit dem Kanzleramt unter Thorsten Frei war in Berlin lange unübersehbar. Ihm nun einen noch wichtigeren Posten in der Koalition zu geben, ist eine bemerkenswerte Entscheidung. Das wird für Merz keine Befreiung sein.
Wahl und Kanzleramtsvakanz
Die Fraktion wird am Mittwoch, dem 29. Juli, zu einer Sondersitzung in Berlin zusammenkommen, um den neuen Vorsitzenden zu wählen. Der Parlamentarische Geschäftsführer Steffen Bilger sagte, er erwarte eine starke Beteiligung und ein deutliches Votum für Frei. Die Nachfolge im Kanzleramt bleibt offen; Merz will „zügig“ entscheiden, aber es wurde kein Name genannt. Regierungskreisen zufolge wird eine Ministerin in Betracht gezogen, doch die Zusage einer Wunschkandidatin zu bekommen, habe sich als schwierig erwiesen.
- Jens Spahn tritt als Vorsitzender der Unionsfraktion nach Leihmutterschaftskontroverse zurück
- Merz und Söder schlagen Thorsten Frei als Nachfolger vor; alle 208 Abgeordneten per SMS informiert
- Sondersitzung der Fraktion in Berlin zur Wahl des neuen Vorsitzenden
Ein Schritt zur Stabilität
Die schnelle Nominierung wird als Versuch von Merz gesehen, nach Monaten interner Spannungen die Kontrolle zu festigen. Spahn, ein ehemaliger Gesundheitsminister und Rivale mit Kanzlerambitionen, war ein notwendiger, aber unruhiger Partner gewesen. Mit der Einsetzung von Frei gewinnt Merz einen vertrauten Verbündeten an der Spitze der Fraktion, von der erwartet wird, dass sie eher als Korrektiv zur Regierung fungiert denn als bloßes Abnickorgan. Der Wechsel erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Koalition eine Reihe von Reformen vorantreibt, und Merz hofft, dass die Umbildung Ruhe in den zerstrittenen CDU/CSU-Block bringt.


