
Frankreich wird erstes EU-Land mit Social-Media-Verbot für unter 15-Jährige – Gesetz tritt am 1. September in Kraft
Das am Dienstag von beiden Kammern verabschiedete Gesetz blockiert ab dem 1. September 2026 neue Konten für Minderjährige unter 15 Jahren und verlangt bis Januar 2027 eine Altersverifizierung für alle Nutzer – Präsident Macron setzt seine letzte Reform durch.
## Parlamentszustimmung Am Dienstag verabschiedeten beide Kammern des französischen Parlaments das Verbot. Die Nationalversammlung stimmte mit 279 zu 81, der Senat mit 243 zu 2. Das von Präsident Emmanuel Macron als seine letzte Reform vor dem Amtsende im Frühjahr 2027 vorangetriebene Gesetz macht Frankreich zum ersten EU-Mitgliedstaat, das eine pauschale Altersbeschränkung für soziale Medien einführt.
Frankreich geht in Europa beim Schutz unserer Kinder und Jugendlichen voran.
So funktioniert das Verbot
Die Gesetzgebung tritt in zwei Phasen in Kraft. Ab dem 1. September 2026 können Minderjährige unter 15 Jahren keine neuen Konten auf Social-Media-Plattformen mehr erstellen. Bestehende Konten von unter 15-Jährigen werden bis zum 1. Januar 2027 nach einer viermonatigen Übergangsfrist gesperrt. Das Gesetz weitet zudem das bestehende Smartphone-Verbot auf weiterführende Schulen aus.
- Parlament verabschiedet Verbot (Nationalversammlung 279-81, Senat 243-2)
- Neue Kontoerstellung für unter 15-Jährige blockiert
- Bestehende Konten von unter 15-Jährigen gesperrt
Betroffen sind Plattformen wie TikTok, Instagram, Snapchat, Facebook und X. YouTube-Videos bleiben zugänglich, aber Kommentare werden deaktiviert; WhatsApp-Nachrichten sind erlaubt, aber Teilen-Funktionen werden blockiert. Die genaue Altersverifizierungsmethode ist noch nicht festgelegt. Digitalministerin Anne Le Hénaff erklärte, die Regierung werde die Entscheidung des Verfassungsrates abwarten, bevor sie über das Verfahren entscheide, deutete jedoch an, dass das staatliche digitale Identitätssystem France Connect wahrscheinlich eine zentrale Rolle spielen werde. Ein früherer Entwurf stieß bei der Europäischen Kommission auf Einwände, da er mit dem Digital Services Act kollidierte; der endgültige Text verzichtet auf eine schwarze Liste von Plattformen und konzentriert sich ausschließlich auf Zugangsbeschränkungen.
Frankreich wird das erste Land in Europa sein, das ein digitales Volljährigkeitsalter einführt, um unsere Kinder besser zu schützen.
Gesundheitsbedenken als Triebfeder des Gesetzes
Die zentristische Abgeordnete Laure Miller, die den Gesetzentwurf eingebracht hatte, nannte eine Reihe von Schäden, die mit übermäßiger Social-Media-Nutzung bei Kindern verbunden sind: Beeinträchtigung des Gedächtnisses und der Lesefähigkeit, Aufmerksamkeitsdefizite, soziale Isolation, Verschlimmerung von Essstörungen und vermehrte Selbstmordgedanken, insbesondere bei Mädchen. Daten der französischen Gesundheitsbehörde zeigen, dass Kinder im Alter von 11 bis 14 Jahren durchschnittlich zwei Stunden pro Tag in sozialen Medien verbringen, während fast die Hälfte der 12- bis 17-Jährigen zwischen zwei und fünf Stunden verbringt.
Ziel ist es, die psychische Gesundheit unserer Jugendlichen zu schützen.
Das Gesetz hat auch eine persönliche Note für einige. Emmanuelle P., deren 15-jähriger Sohn Clément nach monatelanger Online-Belästigung Selbstmord beging, sagte der Libération, das Verbot sei überfällig.
Dieses Gesetz ist das Minimum. Es hätte längst erlassen werden müssen.
Ein globaler Wandel mit Zweifeln
Frankreich folgt Australien, das im Dezember 2025 soziale Medien für unter 16-Jährige verboten hat. Das Vereinigte Königreich kündigte unter dem früheren Premierminister Keir Starmer im Juni ein ähnliches Verbot für unter 16-Jährige an, das Anfang 2027 in Kraft treten soll. Mindestens acht weitere europäische Länder erwägen Beschränkungen, und die EU arbeitet an Altersgrenzen für unter 13-Jährige. Außerhalb Europas haben Indonesien und Malaysia Anfang dieses Jahres Verbote für unter 16-Jährige eingeführt, während Kanada und Thailand über Vorschläge diskutieren.
Die Durchsetzung bleibt jedoch eine Herausforderung. Die australische eSafety Commission berichtete im März, dass sieben von zehn Kindern unter 16 Jahren, die vor dem Verbot Konten hatten, immer noch „irgendeinen Zugang“ hatten. Professor Tama Leaver von der Curtin University sagte der BBC, dass Australiens Verbot in seinen technischen Zielen „gescheitert“ sei, aber gezeigt habe, dass ein Verbot „umsetzbar“ sei. Er betonte, dass junge Menschen in die Gestaltung solcher Maßnahmen einbezogen werden müssten.
Junge Menschen müssen Teil dieses Gesprächs sein, damit ein Verbot mit ihnen und nicht über sie hinweg umgesetzt wird.
Datenschutzaktivisten haben zudem Bedenken hinsichtlich der Altersverifizierungspflicht geäußert und warnen, dass sie neue Risiken der Datenerhebung schaffen und Minderjährige in weniger regulierte Online-Räume treiben könnte.


