
Unternehmensinsolvenzen in Deutschland fallen im Mai erstmals seit Februar, Jahressumme aber noch 5 % höher
Deutsche Amtsgerichte registrierten im Mai 1.995 Unternehmensinsolvenzen, ein Rückgang von 2,0 % im Jahresvergleich, der erste monatliche Rückgang seit Februar, während die Summe von Januar bis Mai auf 10.546 stieg, fast 5 % mehr als im Vorjahr.
Mai-Rückgang unterbricht monatliche Serie
Die deutschen Amtsgerichte registrierten im Mai 2026 insgesamt 1.995 Unternehmensinsolvenzen, ein Rückgang von 2,0 % im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag, den 14. August, mitteilte. Dies ist der erste monatliche Rückgang seit Februar und ein vorläufiges Zeichen der Entlastung nach Monaten steigender Insolvenzen. Die Verbesserung fiel jedoch bescheiden aus, gemessen am längerfristigen Aufwärtstrend: In den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 stiegen die Unternehmensinsolvenzen um 4,9 % im Jahresvergleich auf 10.546 Fälle. Das Statistische Bundesamt wies darauf hin, dass Anträge erst nach der ersten Entscheidung des Insolvenzgerichts in die Statistik einfließen, sodass das tatsächliche Einreichungsdatum in vielen Fällen fast drei Monate früher liegt. Diese Meldeverzögerung bedeutet, dass die Mai-Daten teilweise die wirtschaftlichen Bedingungen des früheren Jahres widerspiegeln, und die nächsten Monatszahlen könnten weiterhin erhöhte Werte zeigen.
Gläubigerforderungen sinken, da weniger Großunternehmen pleitegehen
Die Gläubigerforderungen beliefen sich von Januar bis Mai auf rund 15,4 Milliarden Euro, ein starker Rückgang gegenüber 25,7 Milliarden Euro im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Rückgang spiegelt nicht weniger Insolvenzanträge insgesamt wider, sondern eine Verschiebung in der Größenverteilung der insolventen Unternehmen: Im Vorjahreszeitraum meldeten mehr große Unternehmen Insolvenz an, was die Forderungen in die Höhe trieb. Die Summe von 15,4 Milliarden Euro umfasst alle Unternehmensinsolvenzverfahren, die in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 eröffnet wurden, wie von den Amtsgerichten in ganz Deutschland erfasst. Da es im laufenden Jahr weniger große Unternehmen unter den Fällen gibt, ist die durchschnittliche Forderung pro Insolvenz gesunken, obwohl die Gesamtzahl der Anträge um fast 5 % gestiegen ist.
Verkehr, Gastgewerbe und Baugewerbe am stärksten betroffen
Gemessen an 10.000 Unternehmen verzeichnete Deutschland von Januar bis Mai 29,8 Unternehmensinsolvenzen. Der Bereich Verkehr und Lagerei war mit 57,2 Fällen pro 10.000 Unternehmen am stärksten betroffen, fast doppelt so viel wie der nationale Durchschnitt. Es folgten das Gastgewerbe mit 49,2 und das Baugewerbe mit 44. Alle drei Branchen stehen aufgrund von Kostensteigerungen und schwacher Nachfrage während der anhaltenden wirtschaftlichen Flaute in Deutschland unter anhaltendem Druck. Die Gesamtquote von 29,8 Insolvenzen pro 10.000 Unternehmen bedeutet, dass allein in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 fast drei von tausend deutschen Firmen Insolvenz anmelden mussten.
- Verkehr und Lagerei
- 57.2 pro 10.000 Unternehmen
- Gastgewerbe
- 49.2 pro 10.000 Unternehmen
- Baugewerbe
- 44 pro 10.000 Unternehmen
- Alle Branchen
- 29.8 pro 10.000 Unternehmen
Keine Trendwende vor 2027 erwartet
Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform erwartet eine Trendwende bei den Insolvenzen erst im Jahr 2027. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), das monatlich die Insolvenzentwicklung analysiert, meldete für Juli ein "außergewöhnlich hohes Niveau" an Unternehmenspleiten in Deutschland. Die deutsche Wirtschaft wird von einer Insolvenzwelle erschüttert, die durch eine anhaltende wirtschaftliche Stagnation ausgelöst wurde, und weder Creditreform noch das IWH sehen klare Anzeichen für eine nachhaltige Besserung in den kommenden Monaten. Die Juli-Bewertung des IWH, die nach der Erhebung der Mai-Daten erfolgte, deutet darauf hin, dass der monatliche Rückgang eher eine vorübergehende Verschnaufpause als der Beginn eines Abwärtstrends sein könnte.
Verbraucherinsolvenzen im Mai ebenfalls rückläufig
Die Verbraucherinsolvenzen gingen im Mai um 10,3 % im Jahresvergleich auf 5.926 Fälle zurück, ein stärkerer monatlicher Rückgang als die 2,0 % im Unternehmenssektor. In der Periode Januar bis Mai stiegen die Privatinsolvenzen jedoch um 1,9 % auf 32.093 und setzten damit den gleichen Aufwärtstrend fort wie bei den Unternehmen. Die Fünfmonatssumme von rund 32.100 Verbraucherfällen zeigt, dass die finanzielle Not über die Unternehmen hinaus auch die privaten Haushalte in Deutschland erfasst hat, wobei sowohl Unternehmens- als auch Privatinsolvenzen trotz der einmaligen Verbesserung im Mai über dem Vorjahresniveau liegen. Der Gegensatz zwischen dem Rückgang im Mai und dem Anstieg im bisherigen Jahresverlauf spiegelt das Muster bei den Unternehmensinsolvenzen wider, wo eine einmalige Verbesserung noch nicht den breiteren Aufwärtstrend umgekehrt hat.
- Jan.–Mai 2026
- 15.4 Mrd. Euro
- Vorjahreszeitraum
- 25.7 Mrd. Euro


