
EZB erhöht Einlagensatz auf 2,50 % – Nahost-Krieg treibt Inflationsprognosen
Die Europäische Zentralbank hat ihren Einlagensatz auf 2,50 % angehoben und die mittelfristigen Inflationsprognosen nach oben korrigiert, nachdem die Ölpreise auf über 105 Dollar pro Barrel gestiegen waren.
Zinserhöhung und Sitzung in Berlin
Die Europäische Zentralbank hat ihre Leitzinsen am Donnerstag um 25 Basispunkte angehoben und den Einlagensatz auf 2,50 % erhöht. Der Hauptrefinanzierungssatz stieg auf 2,65 %, der Spitzenrefinanzierungssatz erreichte 2,90 %. Die Währungshüter trafen die Entscheidung auf einer Sitzung in Berlin und nicht am Frankfurter Hauptsitz der Institution. Es handelt sich um die zweite Zinserhöhung der EZB im Jahr 2026, nach einer ersten Anhebung am 11. Juni und einer Pause am 23. Juli. EZB-Präsidentin Christine Lagarde betonte, der Beschluss sei einstimmig gefallen, lehnte jedoch eine vorzeitige Festlegung auf künftige Sitzungen ab.
Inflationsprognosen und Energiepreisdruck
Steigende Energiekosten im Zusammenhang mit dem Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran veranlassten die Zentralbank, ihre mittelfristige Inflationsprognose nach oben zu korrigieren. Die Gesamtinflation in den 21 Volkswirtschaften des Euroraums lag im August bei 3,3 %, angetrieben durch einen geringeren Öltankerverkehr durch die Straße von Hormus und höhere Gaspreise. Die EZB hielt an ihrer Inflationsprognose für 2026 von 3,0 % fest, hob jedoch die Prognose für 2027 von 2,3 % (Juni) auf 2,5 % und für 2028 von 2,0 % auf 2,1 % an. Die Kerninflationsprognosen ohne Nahrungsmittel und Energie stiegen auf 2,6 % für 2027 und 2,3 % für 2028. Lagarde äußerte sich auf der Pressekonferenz nach der Sitzung zum Inflationsumfeld.
Der Konflikt im Nahen Osten erzeugt weiterhin Inflationsdruck, und die Inflation wird voraussichtlich für einen längeren Zeitraum deutlich über dem Zielwert liegen.
- 2026
- 3 %
- 2027
- 2.5 %
- 2028
- 2.1 %
Wirtschaftswachstum und Arbeitsmarktresilienz
Neben den höheren Inflationsschätzungen hob die Zentralbank ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum im Euroraum an. Das Bruttoinlandsprodukt wird nun für 2026 mit 0,9 % prognostiziert, gegenüber 0,8 % im Juni, und für 2027 mit 1,4 %, gegenüber 1,2 %, bevor es 2028 1,5 % erreicht. Die Mitarbeiter der Zentralbank stellten fest, dass sich der private Konsum, die Investitionen und die Industrieproduktion trotz der hohen Energiekosten rasch angepasst hätten. Darüber hinaus habe ein relativ robuster Arbeitsmarkt die Entstehung einer Lohn-Preis-Spirale verhindert. Lagarde äußerte sich zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in den Mitgliedstaaten.
Die Wirtschaft erwies sich im zweiten Quartal trotz der Gegenwinde durch den Energieschock als widerstandsfähig. Das Wachstum war breit über Länder und Sektoren gestreut. Dieses Muster hat sich wahrscheinlich bis ins dritte Quartal fortgesetzt.
- EZB erhöht Leitzins zum ersten Mal im Jahr 2026
- EZB belässt Leitzinsen unverändert
- EZB erhöht Einlagensatz um 25 Basispunkte auf 2,50 %
- Nächste planmäßige EZB-Geldpolitische Sitzung
Marktreaktionen bei Anleihen und Aktien
Die Finanzmärkte reagierten auf die geldpolitische Erklärung und die steigenden Energiepreise mit steigenden Anleiherenditen und fallenden Aktienkursen. Die Rohölsorte Brent stieg am Donnerstag um mehr als 4 % auf 105,51 Dollar pro Barrel, während die europäischen Erdgaspreise Niveaus erreichten, die seit 2022 nicht mehr gesehen wurden. Die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen erreichte den höchsten Stand seit 2011, und die Rendite dreißigjähriger französischer Staatsanleihen stieg auf Niveaus, die zuletzt 2003 verzeichnet wurden, wobei die französischen Kreditkosten nahe 4,4 % lagen. Der paneuropäische Aktienindex STOXX 600 fiel um 0,6 %, der deutsche DAX 40 um 0,7 %, der französische CAC 40 um 0,5 %, und der Euro schwächte sich gegenüber dem US-Dollar auf 1,1625 Dollar ab. Die Geldmärkte erhöhten ihre Erwartungen an die kumulative geldpolitische Straffung bis Ende 2027 auf 85 Basispunkte.
Die Falkenhaltung bei den Prognosen sowie das Fehlen von Aussagen, die diese Erzählung ändern würden, haben das Marktverhalten bestätigt, dass die Zinssätze den Energiepreisen folgen müssen.
Nächste geldpolitische Schritte und Sitzungskalender der Zentralbank
Die Währungshüter werden am 29. Oktober zu ihrer nächsten Sitzung zusammenkommen, wobei die Option für eine weitere Zinserhöhung vor Jahresende offen bleibt. Aus Kreisen der Zentralbank verlautete, dass eine weitere Anpassung auf der Oktobersitzung erfolgen könnte, abhängig von den eingehenden Inflationsdaten und der Entwicklung des Konflikts im Nahen Osten. Eine Zinserhöhung bis Dezember ist nach der Entscheidung vom Donnerstag von den Geldmärkten vollständig eingepreist. Auch die Zentralbanken anderer großer Volkswirtschaften stehen vor ähnlichen Dilemmata: Die US-Notenbank Fed wird am 15. und 16. September tagen, um die US-Inflation von 3,7 % zu bewerten.


